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Zehn Kilo weniger sind drei Jahre mehr

Die Lebenserwartung der Menschen steigt. Alle wollen gesund bleiben. Viele Faktoren können wir selbst beeinflussen.
Von Marion Koller, MZ

Gewichtsabnahme um fünf Prozent reduziert das Diabetes-Risiko um 40 Prozent. Foto: dpa-Archiv

REGENSBURG. Ein heute neugeborenes Mädchen wird durchschnittlich 84 Jahre alt, jedes zweite sogar 100 Jahre. Gegenwärtig leben in Deutschland mehr als 1,4 Millionen Menschen, die über 85 sind. Die einstige Alterspyramide - viele Junge, wenige Senioren - hat sich längst in einen Pilz verwandelt. Deshalb gewinnt das Thema gesundes Altern stetig an Bedeutung.

Gynäkologin Dr. Angelika Mögele vom Regensburger Ärztenetz befasst sich seit Jahren damit und hat sich im Frühjahr bei der Deutschen Gesellschaft für Frauengesundheit e.V. zur Präventionsmedizinerin fortgebildet. „Ich will die Lebensqualität der Menschen verbessern“, betont sie. „Es gibt viele sinnvolle Vorsorgeleistungen.“ Leider würden nur „erschreckend wenige“ von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Präventionsmedizin befasst sich jedoch nicht nur mit Lebensqualität im Alter, also der Vorbeugung von Osteoporose, Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall oder der Alzheimerkrankheit. Es geht um das sich Wohlfühlen in allen Lebenslagen.

Auf das „Risikoquartett“ achten

Wie verändert sich der Körper im Laufe des Lebens? Geringere Regenerationsfähigkeit, leistungsschwächere Organe (etwa Augen und Ohren), langsamerer Geist, brüchige Knochen, veränderte Hormonproduktion und vermehrte Faltenbildung sind einige Beispiele. Das körpereigene Reparatursystem lässt nach. Mit diesen Alterungsprozessen können Herz-Kreislauf-Schwächen oder Tumorerkrankungen einhergehen. „Gerade Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die häufigste Todesursache in Deutschland, lassen sich vorbeugen“, betont Dr. Mögele. Schon 35- bis 40-Jährige sollten das „Risikoquartett“ Übergewicht, Bluthochdruck, Blutzucker und erhöhte Blutfette im Auge behalten. „Ein Gewichtsverlust von zehn Kilo verlängert das Leben um durchschnittlich drei Jahre“, beruft sich die Ärztin auf wissenschaftliche Studien. „Das kostet nichts und erfordert nur Disziplin.“

Ausgeprägtes Fettgewebe begünstigt Brustkrebs, die häufigste Tumor-Todesursache bei Frauen in Deutschland, falsche Ernährung fördert Darmkrebs. In ihren Vorträgen zur Prävention weist Dr. Angelika Mögele auf die Japanerinnen hin, die wesentlich seltener an Brustkrebs erkranken als Europäerinnen, weil sie fettärmer, vegetarisch betont und viele sekundäre Pflanzenstoffe (in Soja, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Getreide) essen.

Drei Stunden Sport als Krebsbremse

Auch Osteoporose, die Brüchigkeit der Knochen, und Arteriosklerose („Arterienverkalkung“) haben mit Ernährung zu tun - und mit Bewegung, dem zweiten Vorsorgethema. Wer ausgewogen isst und regelmäßig schwimmt, läuft oder Rad fährt, hat gute Chancen, den Zivilisationskrankheiten ein Schnippchen zu schlagen.

„Drei Stunden Ausdauersport pro Woche reduzieren das Brustkrebsrisiko um 30 Prozent“, weiß die Frauenärztin. Gewichtsabnahme und Sport seien die beste Vorsorgemedizin. So verzögere sich etwa das Auftreten eines Diabetes mellitus bei einem Gewichtsverlust von nur fünf Prozent um rund 40 Prozent, das heißt die Erkrankung tritt zwei bis drei Jahre später auf. Inaktivität lässt bei älteren Menschen Muskeln, motorische Nervenfasern im Rückenmark und Schaltkreise im Gehirn verloren gehen, destabilisiert die Gelenke und vermindert Reaktionsschnelligkeit. Stürze, Übergewicht, Diabetes sind die Folgen.

Die Warnsignale beachten

Präventionsmediziner wie Dr. Angelika Mögele sehen die Patienten ganzheitlich. Die Volkskrankheiten (Diabetes, Bluthochdruck, Rückenschmerzen) sind oft Folgen eines krank machenden Lebensstils. Bei Früherkennungschecks werden Patienten auf Krankheiten und ihre Warnsignale untersucht. Prävention kann einer Verschlimmerung entgegenwirken. Vorsorgeangebote der Krankenkassen (Infokasten) und selbst zu zahlende, individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) runden das Konzept ab. Dr. Mögele bietet in einer Präventionssprechstunde die Möglichkeit, Vorsorge-Maßnahmen zu vereinbaren.

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