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Sauberkeit

Ganz einfach Putzmittel selber machen

Die Do-it-yourself-Bewegung will sicherstellen, gute Qualität und Inhalte zu bekommen. Manche mischen auch Putzmittel selbst.
Von Evelyn Steinbach

Es muss nicht immer der teure Spezialreiniger mit viel Chemie sein. Viele Putzmittel lassen sich einfach selbst herstellen. Foto: Jens Kalaene/dpa
Es muss nicht immer der teure Spezialreiniger mit viel Chemie sein. Viele Putzmittel lassen sich einfach selbst herstellen. Foto: Jens Kalaene/dpa

Spülmittel, Badreiniger, Scheuermilch: Einfache Putzmittel kann jeder leicht selbst herstellen. Ökologisch verträglicher sind sie nicht immer, da man auch ihre Zutaten einzeln verpackt im Geschäft kaufen muss. Dafür weiß man genau, was drin steckt. Und das ist bei handelsüblichen Haushaltsreinigern nicht immer der Fall.

„Grundsätzlich benötigt man im Haushalt nur zwei Arten von Reinigern, die einen Großteil der üblichen Verschmutzungen entfernen können: einen Reiniger mit niedrigem pH-Wert, der Kalkflecken an der Spüle oder in der Dusche entfernt, sowie einen Reiniger mit hohem pH-Wert, der fetthaltige Verschmutzungen beseitigt“, erklärt die Buchautorin Sandra Cramm aus Wedemark bei Hannover.

Haushaltsreiniger einfach selbst herstellen

Einen niedrigen pH-Wert haben Essig und Essigessenz, Zitronensaft oder Zitronensäurepulver, das in Wasser gelöst werden kann. Einen hohen pH-Wert findet man bei Waschsoda oder Haushaltsnatron. Aus diesen Zutaten und weiteren natürlichen Produkten, die häufig in der Drogerie oder im Supermarkt erhältlich sind, lassen sich bekannte Haushaltsreiniger herstellen.

Warum sollte man sich die Mühe machen? Überzeugte Selbermacher wollen es nicht der Industrie überlassen, was sie verwenden. „Ich will die Dinge selbst in die Hand nehmen und nicht getäuscht werden“, sagt Tatiana Warchola, die ein Buch zu DIY-Putzmitteln geschrieben hat.

„Ich will die Dinge selbst in die Hand nehmen und nicht getäuscht werden.“

Tatiana Warchola, Autorin

Und Sandra Cramm ergänzt: „Die Industrie setzt bei ihren Reinigern auf künstliche Tenside, die ordentlich schäumen und entfetten, aber in den Kläranlagen nur schwer von den Mikroorganismen abgebaut werden. Auch Phosphate und andere Zusätze gelangen so in unsere Gewässer.“

Aggressive Reiniger sind schwer zu erkennen

Im Laden erkenne man die aggressiven Reiniger kaum, sagt Philip Heldt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Allerdings sehe er nicht die Notwendigkeit, dass alle Menschen jetzt ihre Putzmittel selbst machen müssten. „Basisreiniger sind so harmlos für die Umwelt, dass es keinen ökologischen Nutzen macht, diese selbst anzumischen“, sagt er.

„Spezialreiniger sind in den meisten Fällen Geldverschwendung.“

Philip Heldt, Verbraucherzentrale

Doch Heldt findet: „Spezialreiniger sind in den meisten Fällen Geldverschwendung.“ Selbst den Fensterreiniger könne man mit Wasser, Neutralreiniger und Spiritus leicht herstellen.

Da Essigessenz und Natron die Atemwege reizen können, ist aber Vorsicht geboten. „Wenn viel Kalk gelöst werden soll, kommt es zu einer starken Reaktion mit aufsteigenden Dämpfen der Essigsäure“, erklärt Cramm. Schutzbrille, Handschuhe und ein feuchtes Tuch um den Mund sowie gründliches Lüften helfen.

Testen, ob Oberfläche den Reiniger verträgt

Auch sollte man erst an einer unauffälligen Stelle testen, ob die Oberfläche den Reiniger verträgt. Lackierte Flächen und Kunststoffe reagieren oft empfindlich. „Auf keinen Fall dürfen essighaltige Reiniger mit Chlorreinigern gemischt werden“, warnt die Autorin. Das kann giftiges Chlorgas freisetzen.

Beachten muss man auch, dass die Verpackung zur Gefahrenquelle werden kann. „Üblicherweise werden selbst gemachte Reiniger in ehemalige Lebensmittel-Verpackungen gefüllt, wodurch man die Inhalte verwechseln kann“, sagt Marcus Gast vom Umweltbundesamt. Ebenso fehlen auf den Produkten Dosierangaben und Warnhinweise.

„Auf keinen Fall dürfen essighaltige Reiniger mit Chlorreinigern gemischt werden.“

Buchautorin Sandra Cramm

Ein Kompromiss können Bio-Produkte aus dem Handel sein. Sie tragen zum Beispiel den Blauen Engel oder das EU-Umweltzeichen Euroblume. „Diese dürfen nur Rohstoffe verwenden, die für Umwelt und Gesundheit verträglich sind und die Reinigungsleistung garantieren“, erklärt Gast.

Geschirrspülmittel:

Tatiana Warcholas Klassiker ist: Eine Tasse flüssige Kernseife, drei Esslöffel Wasser, zwei Teelöffel Natron und zehn Tropfen ätherisches Öl, etwa von der süßen Orange, mit sechs Tropfen Zitronenöl mischen. Alternativ kann man Efeu verwenden: Ein großes Einmachglas zu einem Drittel mit geschnittenen Blättern füllen, heißes Wasser draufgeben, das Gefäß schließen und abkühlen lassen. Danach so lange schütteln, bis die Füllung schäumt. Die Blätter abseihen und den Sud in eine alte Spülmittelflasche geben. „Falls die Konsistenz dicker sein soll, Guarkernmehl dazumischen“, sagt Warchola.

Scheuerpulver:

Einen Esslöffel Salz mit je zwei Esslöffeln Waschsoda und Wasser zu einem Brei vermengen, das ist Cramms Tipp. Das Ganze einfach mit einem Schwamm auftragen. „Das Scheuerpulver ist sehr mild und schont die Oberflächen im Vergleich zu handelsüblichen Produkten, die häufig Schlämmkreide und andere mineralische Scheuermittel enthalten, die eher zu Kratzern führen können.

Flüssiges Waschmittel:

Auch hierfür gibt es einige DIY-Rezepte. Eines davon besteht aus zwei bis drei Esslöffeln Kernseife, zwei Esslöffeln Waschsoda, gemischt mit einem Liter abgekochtem Wasser und ätherischen Ölen. Zuerst die Kernseife reiben und die Flocken mit etwas heißem Wasser mischen, so dass sie sich auflösen, erklärt Warchola.

Das Waschsoda und das restliche Wasser dazugeben sowie 15 bis 20 Tropfen der ätherischen Öle, alles in eine Flasche mit Schraubverschluss schütten. Pro Wäscheladung genügen etwa 60 Milliliter. Ergänzend kann eine halbe Tasse Essigessenz als Weichspüler verwendet werden. Manche Maschinenhersteller raten davon aber ab. Ein weiterer Tipp: Zum späteren Bügeln ein Stärkespray aus einer Tasse Wasser und zwei Esslöffeln Maisstärke verwenden.

Allzweckreiniger:

Hier reicht es laut Buchautorin Sandra Cramm, einfache Kernseife zu verwenden. „Zum Ausscheuern von Spül- und Toilettenbecken können zusätzlich Schleifpartikel wie Salz oder auch Sand hinzugegeben werden.“ Für den guten Duft, aber auch für die antibakterielle Wirkung könne man ätherische Öle wie vom Teebaum beimischen. Autorin Tatiana Warchola empfiehlt, alternativ einen Liter Wasser, je eine viertel Tasse Essigessenz und Natron sowie acht Tropfen Rosmarinöl zu vermengen und in eine Sprühflasche abzufüllen.

Kalkreiniger:

Dieser entsteht aus einem Mix aus 100 Millilitern Essigessenz, 300 Millilitern Wasser und 30 Tropfen Teebaum-, Lavendel- oder Eukalyptusöl. Die Mischung wird in eine Sprühflasche gefüllt. „Den Reiniger kann man nicht nur im Bad gebrauchen, sondern auch für den Kühlschrank“, empfiehlt Cramm.

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

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