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Reise
Montag, 24. September 2018 15° 3

Städtereise

Bergen: Eine Stadt mit vielen Facetten

Die norwegische Hafenstadt Bergen bietet viele Highlights. Unsere Reporterin bekam eine Stadtführung der besonderen Art.
Von Maximiliane Gross

Die Fløibahn fährt vom Stadtzentrum auf den Hausberg Fløyen. Von dort aus hat man bei guten Wetterverhältnissen einen traumhaften Ausblick auf die Hafenstadt und die Fjorde. Foto: dpa-tmn
Die Fløibahn fährt vom Stadtzentrum auf den Hausberg Fløyen. Von dort aus hat man bei guten Wetterverhältnissen einen traumhaften Ausblick auf die Hafenstadt und die Fjorde. Foto: dpa-tmn

Bergen.Mitten in Bergen, am Denkmal des dänisch-norwegischen Dichters Ludvig Holberg, treffe ich Dirk Kohlmann. Dirk lebt seit 20 Jahren in Bergen und zeigt mir heute seine fünf Highlights in der Hafenstadt. Übrigens: Touristen-Hotspots wie der Fischmarkt gehören nicht dazu, dafür aber auch ein kulinarischer Leckerbissen.

Und damit fange ich gleich an. Skillingsbolle nennt sich das süße Teilchen. Eigentlich ist das Hefegebäck nichts Besonderes, schmeckt aber durch das Zucker-Zimt-Gemisch, das die Schnecke verfeinert, einfach nur köstlich. Die Bergenser behaupten, dass Skillingsbolle typisch für ihre Stadt sei, das Gebäck ist aber auch in anderen skandinavischen Ländern verbreitet. Sei’s drum, die Zimtschnecke schmeckt und ist das erste meiner fünf Highlights bei dieser einzigartigen Stadttour.

Ein bekanntes Bild

Skillingsbolle sind ein typisches Gebäck in Bergen. Foto: Dirk Kohlmann
Skillingsbolle sind ein typisches Gebäck in Bergen. Foto: Dirk Kohlmann

Bis ich die Skillingsbolle allerdings wirklich vernaschen durfte, lag noch ein weiter, anstrengender Weg vor mir und Dirk. Davon wusste ich nichts, als wir das Zimtgebäck bei „Baker Brun“, der angeblich besten Bäckerei der Stadt, kauften.

„Smau“ sind kleine Gassen, die Bergen besonders machen. Foto: Gross
„Smau“ sind kleine Gassen, die Bergen besonders machen. Foto: Gross

Wir schlendern gemütlich durch Bergen, durch die kleinen, engen Straßen, die die Hafenstadt ausmachen. „Smau“ heißen diese Gässchen in der Landessprache und sorgen zusammen mit den steilen Treppen für das typische Bild, dass man aus vielen skandinavischen Fernsehproduktionen nur zu gut kennt.

Ihren Namen hat die zweitgrößte Stadt Norwegens bekommen, weil sie sich inmitten von sieben Bergen befindet und sich zum Teil bis auf diese hinauf erstreckt. Wer zu Fuß unterwegs ist, kann den Flair am besten aufsaugen, muss sich aber auch darüber im Klaren sein, dass es anstrengend werden kann.

Bryggen ist das Hanseviertel in Bergen. Foto: Michael Zehender/dpa
Bryggen ist das Hanseviertel in Bergen. Foto: Michael Zehender/dpa

Am Anfang unserer Tour verschlägt es uns ins traditionsreiche Bryggen. Das Hanseviertel liegt in unmittelbarer Nähe zum Wasser und gehört seit 1979 mit seinen 61 denkmalgeschützten Gebäuden zum Unesco Weltkulturerbe. Das Viertel wurde Anfang des 18. Jahrhunderts bei einem Großbrand völlig zerstört. Es konnte allerdings wieder so aufgebaut werden, dass es noch heute so aussieht wie im 12. Jahrhundert.

Bryggen ist dicht bebaut. Enge Gassen trennen die langen Häuserreihen voneinander. Zahlreiche Museen haben ihren Platz im ältesten Stadtteil Bergens gefunden, der Einheimische genauso anlockt wie Touristen.

Durch eine der schmalen Gässchen gelangen Dirk und ich in den hinteren Teil von Bryggen. Von dort aus geht es ein ganzes Stück bergauf. Immer wieder heißt es Treppen steigen, bis wir Sandviken, einen Stadtteil etwas oberhalb des Zentrums, erreichen. Die Aussicht auf den Fjord ist von dort toll – und das, obwohl es bei meinem Besuch ziemlich neblig war.

Bis zum Stoltzetopp führen 722 Treppen. Foto: Gross
Bis zum Stoltzetopp führen 722 Treppen. Foto: Gross

Unser Ziel haben Dirk und ich noch nicht erreicht. Für das nächste Highlight auf seiner Liste hätte ich besser Wanderschuhe mitbringen müssen. Von Sandviken aus geht es erstmal in den Wald. Und von dort aus hinauf auf den Stoltzekleiven. Es ist keine gewöhnliche Wanderung, ganz im Gegenteil. Bis zum Gipfel führen rund 720 Treppen aus Stein, ab und zu ein paar aus Holz. Uneben, steil, teilweise schmal und – bei meinem Besuch – schnee- und eisbedeckt. Eine Herausforderung, die ich alleine niemals angenommen hätte. Aber gut, Dirk zeigt mir seine fünf Highlights in Bergen und der Stoltzekleiven ist eben eines davon.

Stufe um Stufe kämpfen wir uns hinauf zum Stoltzetopp. Durchschnittlich knapp 36 Prozent Steigung. Hin und wieder überholen uns Trailläufer, die das ganze Jahr über für den Stoltzekleiven-Treppenlauf im Herbst trainieren. Der schnellste Läufer braucht für den gesamten Weg nur 7:54 Minuten. Dirk und ich waren gut eine Stunde unterwegs.

Am Gipfel angekommen bin ich erst einmal glücklich, dass ich dieses Abenteuer gemeistert habe. Und: Endlich gibt’s auch die heiß ersehnte Skillingsbolle. Nur von der wunderbaren Aussicht auf Bergen und die Fjorde, von der Dirk den ganzen steinigen Weg geschwärmt hat, ist leider nichts zu sehen. Denn der Nebel will einfach nicht weichen.

Der Hausberg ruft

Der Fløyen bietet eine tolle Aussicht.Foto: Horst Heinz Grimm/dpa
Der Fløyen bietet eine tolle Aussicht.Foto: Horst Heinz Grimm/dpa

Zurück führt uns der Weg vom Stoltzetopp über einen Wanderweg bis zum Fløyen, einem der sieben Hausberge. Von dort aus kann man bei gutem Wetter die Aussicht über die Hafenstadt genießen. Vom Zentrum bis zur Plattform, die 320 Meter über dem Meeresspiegel liegt, fährt die Fløibahn. Die Fahrt dauert nur fünf Minuten und die Standseilbahn in Bergen ist die einzige Seilbahn ihrer Art in Skandinavien.

Mit der Ankunft am Fløyen haben wir Dirks fünftes und letztes Highlight in Bergen erreicht. Den Weg zu Fuß ins Tal sparen wir uns und genießen die kurze Fahrt mit der Seilbahn. Unten angekommen steigen wir direkt im Stadtkern, nur gut 150 Meter entfernt vom Fischmarkt, aus. Und auch die Holberg-Statue, an der meine spannende Stadtführung am Morgen begann, ist nicht weit.

Lesen Sie auch die Geschichte von Harald Berland. Der Bayer wanderte vor zehn Jahren nach Bergen aus. In Norwegen vermisst er vor allem das bayerische Bier.

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