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Garten

Pflanze mit tieferer Bedeutung

Die Feige spielt eine prominente Rolle in der Bibel. Aber auch bei Juden und Muslimen werden viele Pflanzen erwähnt.
Von Melanie Öhlenbach

Die Feige ist das erste Gewächs, das nach allgemeinen Bezeichnungen wie Gras, Kraut und Bäumen konkret in der Schöpfungsgeschichte genannt wird. Foto: Andrea Warnecke/dpa
Die Feige ist das erste Gewächs, das nach allgemeinen Bezeichnungen wie Gras, Kraut und Bäumen konkret in der Schöpfungsgeschichte genannt wird. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Berlin. „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ So heißt es in der Genesis, dem ersten Buch Mose. In den darauffolgenden Tagen muss er wohl auch den Feigenbaum erschaffen haben. Denn die Feige ist das erste Gewächs, das nach allgemeinen Bezeichnungen wie Gras, Kraut und Bäumen konkret in der Schöpfungsgeschichte benannt wird. Mit ihren Blättern verhüllen Adam und Eva ihre Nacktheit, nachdem sie vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten.

Gehölze, Kräuter, Getreide und Hülsenfrüchte: Die Liste an Pflanzen, die in der Bibel genannt werden, ist lang. „Mindestens 110 hebräische Wörter im Alten Testament und rund 50 Wörter auf Griechisch im Neuen Testament verweisen auf Pflanzen“, sagt Katrin Stückrath, Pfarrerin und Koordinatorin des Netzwerks Bibelgarten.

Mehr als schmückendes Beiwerk

Weitere 17 Namen aus dem Koran konnte ein Team um Professor Wilhelm Barthlott vom Bonner Nees-Institut für Biodiversität einer bestimmten Gattung oder sogar einer konkreten Art zuordnen. Insgesamt kommen sie auf 105 Arten. „Die sehr wenigen Koran-Pflanzen, die nicht in der Bibel erwähnt sind, kommen von der Arabischen Halbinsel und sind nicht für die Gartenkultur bei uns geeignet“, sagt Prof. Barthlott. Dass die Anzahl an Gewächsen grundsätzlich schwer zu ermitteln ist, hat einen einfachen Grund. „Die Namen, die in der Bibel verwendet werden, sind keine botanisch exakten Namen. Es ist vielmehr so wie mit unserer Butterblume: Je nach Region bezeichnet sie verschiedene Pflanzen“, erklärt Stückrath.

Wachsen am Baum der Erkenntnis Granatäpfel? Foto: Florian Schuh/dpa
Wachsen am Baum der Erkenntnis Granatäpfel? Foto: Florian Schuh/dpa

Die Pflanzen sind in den Schriften mehr als schmückendes Beiwerk. Sie werden konkret im Zusammenhang mit Riten, Geboten und Vorschriften genannt, sagt Wolfgang Kawollek. Er ist Buchautor und ehemaliger Leiter des Botanischen Gartens der Universität Kassel. „Zahllose Anspielungen, Gleichnis- und Bildworte in der Bibel zeugen davon, welchen Rang die Pflanzen im Alltag des Volkes Israel einnahmen und wie eng die biblischen Völker mit der Natur verbunden waren.“

„Auch im Alten Testament wird vor dem Wein gewarnt, und im Islam ist Alkohol sogar verboten – gleichzeitig fließen Flüsse aus Wein im Paradies der Bibel und des Koran.“

Wilhelm Barthlott

Eines der rätselhaftesten Pflanzensymbole bleibt wohl jener Baum der Erkenntnis aus der Schöpfungsgeschichte. Häufig wird er als Apfel dargestellt. „Es gibt zwar den Spruch ,Omne malum ex malo‘, alles Böse kommt vom Apfel“, sagt Lüder Nobbmann, Pflanzenexperte und ehemaliger Vorsitzender des Bunds deutscher Friedhofsgärtner. „Aber einen Apfel, wie wir ihn kennen, hat es im damaligen Kulturraum nicht gegeben.“

Zu den symbolträchtigsten Pflanzen der Schriften gehört der Ölbaum. Foto: Hilke Segbers/dpa
Zu den symbolträchtigsten Pflanzen der Schriften gehört der Ölbaum. Foto: Hilke Segbers/dpa

Einige Fachleute gehen davon aus, dass die Feige oder der Granatapfel gemeint sein könnten, da diese damals zu den gängigen Früchten in den Gärten gehörten. Andere vermuten auch, dass es sich um eine Orange oder eine andere Zitrusfrucht handelt. Diese stammen jedoch aus Südostasien und seien erst später eingeführt worden, sagt Prof. Barthlott. „Ich denke, es ist der Rebstock gemeint, der in der Antike als Baum klassifiziert wurde. Dafür spricht auch seine Ambivalenz: Auch im Alten Testament wird vor dem Wein gewarnt, und im Islam ist Alkohol sogar verboten – gleichzeitig fließen Flüsse aus Wein im Paradies der Bibel und des Koran.“

Ölbaum symbolisiert Hoffnung

Gemessen an den Erwähnungen nimmt Wein einen wichtigen Stellenwert in der Bibel ein. „An über 300 Stellen im Alten wie im Neuen Testament wird Bezug auf den Weinstock genommen“, sagt Kawollek. „Von den ersten Anfängen der Menschheit an wurden Reben angebaut und ihre Früchte verwertet.“ Weinreben werden inzwischen hierzulande angebaut – genauso wie viele andere Pflanzen aus den heiligen Schriften. Sie lassen sich nicht nur in vielen Bibelgärten bewundern, die die biblischen Geschichten und die Lebenswelt der Menschen von damals veranschaulichen. „Viele mediterrane Pflanzen wurden schon viele Jahrhunderte lang in Klostergärten angebaut und haben so nach und nach ihren Weg in den heimischen Küchengarten gefunden“, sagt Stückrath.

„Fast alle unsere Getreidearten stammen ursprünglich aus dem Zwei-Strom-Land und sind über den Mittelmeerraum zu uns gelangt.“

Lüder Nobbmann

Kräuter wie Minze, Dill und Kümmel aus dem Matthäus-Evangelium gehören ebenso dazu wie Kürbisse, Melonen, Lauch, Zwiebeln und Knoblauch, die im vierten Buch Mose genannt werden. Im fünften Buch Mose werden dem Volk Israel die sieben Arten im Gelobten Land angepriesen: Weizen, Gerste, Wein, Feige, Granatapfel, Olive und Dattel. Auch sie wachsen hierzulande – wenn auch teilweise nur in frostgeschützter Umgebung.

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„Getreide und Hülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen spielen auch in den Geschichten von Esau, Jakob und David eine Rolle“, ergänzt Nobbmann. „Fast alle unsere Getreidearten stammen ursprünglich aus dem Zwei-Strom-Land und sind über den Mittelmeerraum zu uns gelangt.“

Sogar Dill wird in der Bibel erwähnt, genauer gesagt im Matthäus-Evangelium. Foto: Andrea Warnecke/dpa
Sogar Dill wird in der Bibel erwähnt, genauer gesagt im Matthäus-Evangelium. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Zu den symbolträchtigsten Pflanzen der Schriften gehört der Ölbaum oder die Olive. „Seit Beginn der Menschheitsgeschichte symbolisiert der Ölbaumzweig Frieden und bedeutet neues Leben und Hoffnung, wie es in der Geschichte der Sintflut treffend zum Ausdruck kommt“, erklärt Kawollek. Auch in der muslimischen Kultur nimmt der Ölbaum eine besondere Stellung ein, ergänzt Professor Barthlott. „Der Ölbaum gilt als gesegnet, da er vielerlei Nutzen in sich birgt. Die Vorstellung vom Olivenbaum, der Licht für die Diener Gottes bereitstellt, kommt in beiden heiligen Büchern zum Tragen.“

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