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Ratgeber

Zwanglos aus dem Haus gehen können

Ist der Herd noch an? Oder das Bügeleisen eingesteckt? Für solche Panikmomente gibt es Abhilfe – auch dank der Technik.
Von Simone Andrea Mayer und Julia Weidner

Der Indexa Herdwächter schlägt Alarm, wenn Essen auf dem Herd vergessen wird. Foto: Innohome Oy/dpa-tmn
Der Indexa Herdwächter schlägt Alarm, wenn Essen auf dem Herd vergessen wird. Foto: Innohome Oy/dpa-tmn

Habe ich das Bügeleisen abgestellt? Ist der Herd aus? Das Glätteisen im Bad ausgesteckt? Die Antwort ist in den allermeisten Fällen: ja. Trotzdem plagt viele Menschen ein Gefühl der Unsicherheit, wenn sie die Wohnung oder das Haus verlassen haben. Mancher geht sogar noch einmal zurück und schaut nach.

Es gibt allerdings für wenig Geld ein paar nützliche Helfer für die Vergesslichen oder Ängstlichen – und um das Restrisiko zu senken. Wir liefern hier einen Überblick:

Hier lesen Sie ein Interview mit dem Psychologen Sebastian Sonntag zum Thema Zwangsstörungen:

Was löst eine Zwangsstörung in einem Menschen aus?


Ein Zwang kann fast jede Form annehmen, er ist unendlich kreativ. Es gibt einen Zwang zu zählen, zu putzen oder zu grübeln. Für die Betroffenen ist das dramatisch, sie können ihren Kopf ja nicht einfach ausschalten. Erst wenn sie sich ihrem Zwang ergeben oder erfolgreich bekämpfen, können sie wieder klar denken.

Ab welchem Grad werden Ticks bedenklich?

Ein Zwang ist immer ein Kontrollbedürfnis. Wenn jemand drei, vier Mal seine Haustüre absperrt, ist das nicht dramatisch. Aber ab dem Zeitpunkt, an dem die Betroffenen nicht mehr aus dem Haus gehen und ihren Alltag nicht mehr bewältigen können, ist der Zwang belastend.

Woher kommen dauerhafte Angstzustände?

Dafür kann es viele Gründe geben. Meist ist der Auslöser ein Ereignis, das zu Beginn nicht so dramatisch gewirkt hat und deswegen nicht bewältigt wurde. Das kann zum Beispiel ein Beinahe-Unfall sein. Das Angstgefühl wird zuerst unterdrückt, aber danach hat der Betroffene immer das Gefühl, das etwas nicht stimmt.

Wie wird man einen Zwang wieder los?

Das schlimmste, was man machen kann, ist Situationen, vor denen man Angst hat, zu vermeiden. Wer mutig ist, hat die besten Chancen, seine Ängste zu überwinden. Wer dagegen ankämpft, hat eine hohe Erfolgsquote.

Welche Schritte helfen beim Überwinden von Zwangsstörungen?

Der Betroffene sollte sich stufenweise seiner Angst stellen. Wer zum Beispiel große Menschenmengen fürchtet, sollte zuerst an einen kleinen Platz mit wenigen Menschen gehen. Erst wenn man sich dort wohlfühlt, sollte man einen Ort mit mehr Menschen aufsuchen. Und sich so Stück für Stück steigern. Hilfreich ist auch, sich zuvor einen Fluchtweg zu überlegen. So gerät man nicht in Panik und fühlt sich gewappnet. Wichtig ist, dass die Maßnahme Erfolg verspricht und keine zu große Herausforderung darstellt. Bei diesen Schritten hilft auch ein Begleiter. Das muss kein Psychiater sein, sondern einfach eine Person, der man vertraut.

Wenn aus einem Tick ein Zwang wird

  • Symptome:

    Wenn Menschen mit einer Zwangsstörung versuchen, diese Handlungen zu unterdrücken, werden sie laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen angespannt und angsterfüllt.

  • Zwangsgedanken:

    Zwanghafte Gedanken wiederholen sich ständig und sind kaum abzuschütteln. Sie werden als sinnlos und quälend erlebt und lassen sich kaum unterdrücken. Typische Zwangsgedanken sind die Angst vor Keimen, die Angst, etwas vergessen zu haben oder sich unangemessen zu verhalten. Dies bedeutet aber nicht, dass sie so etwas wirklich tun.

  • Zwangshandlungen:

    Manche Menschen, die Angst vor Schmutz haben, waschen sich andauernd die Hände oder putzen ständig ihre Wohnung. Menschen mit Ordnungszwang haben für sich selbst eine feste Vorstellung davon entwickelt, wie Dinge angeordnet und sortiert sein müssen. Jede andere Art der Ordnung macht sie nervös. Menschen mit Sammelzwang können nichts wegwerfen. Das kann so weit gehen, dass sie nicht einmal mehr Müll entsorgen können. Typisch ist auch der Zählzwang: Wer davon betroffen ist, findet zum Beispiel beim wiederholten Zählen bis 20 für kurze Zeit Ruhe.

Mehr Texte aus dem MZ-Spezial „Ratgeber“ lesen Sie hier.

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