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Glosse

Der Bruckmandl-Dreh: Dahoam is dahoam

Was hat das Regensburger Wahrzeichen auf Reha gemacht und was sagt es zum Museum? Heinz Klein hat mit dem Mandl gesprochen.
Von Heinz Klein

Millimeterarbeit: Das Bruckmandl wurde am Dienstag wieder auf seinen gewohnten Platz gehievt. Foto: Tino Lex
Millimeterarbeit: Das Bruckmandl wurde am Dienstag wieder auf seinen gewohnten Platz gehievt. Foto: Tino Lex

Regensburg.Das sind gute Nachrichten: Zwei internationale Top-Stars kehren an ihre Arbeitsplätze zurück – Manuel Neuer (32) ins Tor der deutschen Nationalmannschaft und das Bruckmandl (164) auf seine Steinerne Brücke. Vier Jahre war das Bruckmandl vom Sockel, wurde von Steinmetzen in einer Steinklinik behandelt, dann auf Reha geschickt (nicht zu Klaus Eder) und schließlich im Bauhof-Ost in der Guerickestraße über Monate wieder im Freien „ausgewildert“. Und obwohl das Mandl viel länger als Manuel Neuer aus dem Job war, stand es schon Sekunden nach dem Aufstellen wieder wie ein Einser auf seiner Brücke.

Das Mandl sieht viel jünger aus

Dem Mandl hat die Pause sichtlich gut getan. Es sieht nun viel jünger aus, was wahrscheinlich an der Anti-Aging-Creme liegt, mit der es vom Steinhautarzt eingeschmiert worden ist. Zusätzlich wurde sein Sandstein mit Kieselsäureester getränkt, was das Mandl wieder stabilisiert hat. Und der neue Arm ist natürlich vom Feinsten. Wen wundert’s, die Prothese wurde schließlich von Profis der Dombauhütte maßgemeißelt. Der Arm führt, wie vorher auch, wieder zum Kopf und beschattet das Auge beim Blick zum Dom. Überlegungen, den Arm moderner zu gestalten und ihn vielleicht ein Selfie-Stangerl halten zu lassen, was den Anforderungen der modernen Zeit mehr Rechnung getragen hätte, wurden sowohl vom Bruckmandl selbst als auch vom Denkmalschutz abgelehnt.

Meisterwerk des Mittelalters: Nachachtjähriger Sanierung wird die Steinerne Brücke in Regensburg am 10. Juni wieder eröffnet. Wir erzählen ihre Geschichte und Geschichten.

Natürlich ist dem Mandl die Zeit in der Klinik und auf Reha schon lang geworden. Es hat ein bisserl Englisch gelernt, weil man ihm sagte, dass der Anteil der Amerikaner am Publikumsverkehr auf der Brücke inzwischen bei rund 50 Prozent liegt und die Amis die steinerne Brückenfigur sicher für einen König oder „hero“ halten. Und es hat im Bauhof natürlich viel Radio gehört, weil ja auch die Arbeiter gerne Radio hören. Bei „Bridge over troubled water“ von Simon and Garfunkel ist ihm immer das Herz aufgegangen, vor allem, weil ja auch unter seiner „bridge“ viel „troubled water“ in Form der Donaustrudel ist. Und bei „Über sieben Brücken musst du gehn“ hat das Mandl richtig Heimweh bekommen und leise mitgesummt. Hat aber keiner gehört.

Stolz auf die Steinerne Brücke

Dabei hat die Brücke des Bruckmandls ja nicht nur sieben Brückenbögen, sondern sogar 16! „Ist schon eine schöne Brücke, die meinige“, hat es gestrahlt und manchmal sind dem Mandl dann ein paar kieselsäureestergetränkte Tränen über die Sandsteinwangen gekullert. Hat aber keiner gesehen.

„Wann darf ich endlich wieder arbeiten?“, hat das Mandl oft gefragt. Schließlich nimmt es seinen Job, die permanente Domobservierung und die Touristenverzückung, sehr, sehr ernst. Man kann sich denken, welche Freude das Mandl hatte, als nun Thomas Fuchs mit dem Schmidbauer-Kranwagen kam und das Mandl mitsamt seinem Sockel auflud. Vielleicht ist es durch den Kieselsäureester ein bisserl schwerer geworden, aber die 1,7 Tonnen waren ein Klacks für den Kran.

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Als das Mandl gegen 10 Uhr anreiste, steckten zwei wackere Vertreter des Heimatvereins Statt am Hoff gerade mitten in Verhandlungen, die das Ziel hatten, das Mandl diesmal verkehrt herum aufzustellen und nun nach Stadtamhof blicken zu lassen. Schließlich habe es den Stadtamhofern eineinhalb Jahrhunderte den Hintern hingehalten. Das reiche jetzt, nun gelte „ Stadtamhof first!“.

Kranwagenfahrer Thomas Fuchs und Walter Scholz von der gleichnamigen Naturstein-Firma willigten grinsend ein. Ob deshalb Kulturreferent Klemens Unger so blass um die Nase war? Um 11.07 Uhr hob das Mandl von der Ladefläche ab und schwebte von 11.13 bis 11.15 Uhr nur Zentimeter über dem Sockel arschlings nach Regensburg und mit Blick auf Stadtamhof. Dann drehten die Steinmetze das Mandl und setzten es – plopp – wieder in alter Blickrichtung auf seinen Sockel.

Ein exklusives Interview mit dem Bruckmandl

Dem Mandl hat der Bruckmandl-Dreh aber gut gefallen, wie es – nachdem die gesamte Pressemeute wieder abgeschwirrt war – in einem einmaligen Exklusivinterview gestand. So hatte es nämlich einen 360-Grad-Panoramablick über die ganze Stadt bekommen und dabei auch jenes seltsame neue Haus entdeckt, das gleich neben der Donau steht. „Kolossaler Bau in prächtigem Grau“, bemerkte es neugierig. „Das ist das neue Museum der Bayerischen Geschichte“, erklärten wir dem Mandl. „Muss ich da rein?“, fragte es ein wenig besorgt. „Nein“, beruhigten wir das Mandl, „du bleibst auf deiner Brücke“. „Ist mir lieber“, wisperte es.

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Wenn das Bruckmandl wieder auf seine Brücke kommt, wird es eine große Party geben, hatte Baureferentin Christine Schimpfermann versprochen. Nun gibt es am Wochenende eine Dreifachparty mit Welterbetag, Pre-Opening des Bayern-Museums und Führungen zur Steinernen Brücke. „Spielt da auch Simon and Garfunkel?“, wollte das Bruckmandl wissen. „Leider nicht“, mussten wir ihm sagen. Aber vielleicht bringt ja jemand mit „Bridge over troubled water“ dem Mandl ein Ständchen.

Die Donau hat den Arm verschluckt

Die Donau könnte dann vielleicht noch ein bisschen dazu plätschern und glucksen. Die hat nämlich noch was gut zu machen. Es hat das Bruckmandl schon geärgert, dass die Donau den abgebrochenen Arm verschluckt und partout nicht mehr herausgerückt hat. Wo die Donau doch eine alte Freundin ist. Aber die Zwei werden sich schon wieder verstehen. Eine Brücke ohne Fluss wäre genauso mickrig wie eine Brücke ohne Bruckmandl.

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