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Kultur

Hörgenuss der unterschiedlichsten Art

Nittenau Vocal bescherte glanzvolle Konzerte. Die Hommage an Reger und der Abend mit Fitz wurden von „großer Oper“ gekrönt.
Von Renate Ahrens

  • Liedermacher Fitz plauderte mit dem Nittenauer Publikum unter anderem über seine „Unordnung im Hirnkastl“. Foto: Ahrens
  • Mitglieder des Lipsia-Quartetts aus Leipzig mit Professor Seibert am Klavier Foto: Ahrens
  • Sopranistin Josephine Renelt ist Studentin des Diplomstudiengangs Musiktheater in München und liebt große Auftritte. Foto: Ahrens

Nittenau.Ganz besondere musikalische Genüsse erlebte man in diesem Jahr beim kleinen, aber feinen Festival „Nittenau Vocal“. Höhepunkt war zweifelsohne das Konzert gleich zu Beginn am Mittwoch: Hochkarätige Musiker der Hochschulen Leipzig und München brachten Lieder des Komponisten Max Reger dar – wunderbare Klänge füllten den kleinen Rathaussaal.

„Keine kommerzielle Veranstaltung kann mit einem solchen Programm aufwarten“, versprach zu Beginn Professor Kurt Seibert. Man wurde nicht enttäuscht. Ihm war es gelungen, zum 100. Todestag von Reger (1873 bis 1919), der ein Freund des aus Nittenau stammenden Sängers Josef Loritz war, „Nittenau Vocal“ in das Reger-Gedenkjahr der Stadt Leipzig einzubinden. „Regers Werke sind sehr schwer zu spielen. Aber wenn man sich darauf einlässt, entdeckt man etwas Wunderbares, eine Zartheit und Verklärtheit“, betonte Seibert.

Zu Unrecht lange vernachlässigt

Sein Kooperationspartner und der künstlerische Leiter des Max-Reger-Forums, Professor Hanns-Martin Schreiber aus Leipzig, erklärte: „Reger war ein zu Unrecht lange vernachlässigter Künstler. Die Menschheit verstand ihn damals nicht. Aber die Zeit relativiert die Dinge.“ Erst nach seinem Tod wurde Reger berühmt.

Der Bariton Benedikt Eder mit Katharina Khodos am Klavier als Begleitung sang sechs Lieder, die Reger 1899 bei Berchtesgaden komponierte, wie das berührende „Der Himmel hat eine Träne geweint“ oder das ausdrucksvolle „Wenn lichter Mondenschein“. Ausschließlich Liebeslieder, entstanden im Jahr 1900 in Weiden, brachten die Sopranistin Josephine Renelt und die Pianistin Myuko Obuchi dar. Renelt (26) ist Studentin des Diplomstudiengangs Musiktheater in München und liebt große Auftritte, wie sie der MZ in der Pause erzählt. „Mein erstes Solo habe ich im Kindergarten gesungen“, berichtet sie lachend mit ihrer klaren, melodischen Stimme, der man die Ausbildung auch beim Sprechen anmerkt. Seitdem wusste sie, was sie wollte: Sängerin werden.

Den weiteren Teil des Abends bestritt das Lipsia-Quartett aus Leipzig mit Professor Seibert am Klavier mit einem Werk in c-Moll für zwei Violinen, Viola, Violoncello und Klavier. Die Künstler beeindruckten mit ihrer Ausdrucksstärke und Professionalität; die Gäste waren begeistert.

Weiter ging „Nittenau Vocal“ am Freitagabend mit einer völlig anderen Stilrichtung. Michael Fitz (dieses Gesicht kennt jeder vom Fernsehen als Tatort-Ermittler) gab einen tiefgreifenden Einblick in sein Seelenleben. Mit verschiedenen Gitarren, selbst verfassten Texten und Musikstücken brachte er Gedanken dar, die ihn im Laufe seines Lebens beschäftigten.

Schade, dass das Konzert wegen des Regens kurzfristig in die Schule verlegt werden musste, denn ein Sternenhimmel wäre eine schönere Kulisse gewesen, schließlich regten seine Lieder zum Träumen und Nachdenken an. Jeder hat sich darin wiedergefunden. „Kleine, große, unwichtige und menschliche Dinge“, das alles ist ihm beim Texten eingefallen; der vielseitige Künstler plaudert über seine „Unordnung im Hirnkastl“ und sinniert, wo doch die Zeit geblieben sei. Es gebe Fragen, die kommen nicht vom Verstand, so philosophiert der Liedermacher in bayerischer Mundart. Er spricht locker mit dem Publikum, ohne eine Antwort zu erwarten. In „Von jetzt auf gestern“ geht es zum Beispiel darum, sich einmal selbst zu betrachten, von außen praktisch.

Aber nicht nur Tiefsinniges aus seiner Gedankenwelt legt er den Zuhörern dar, sondern auch ausgesprochen Komisches, immer mit einer persönlichen Note. In „Schleudersitz“ hinterfragt er Langzeitbeziehungen und spricht über „handelsübliche Beziehungsfragen“, bei denen Frischverliebte besser weghören. „Die sollen eigene Erfahrungen machen“, er wolle keine Illusionen zerstören.

CDs verkauft er noch persönlich

Ehrlich und authentisch ist Fitz immer, und das gefällt den Leuten. Als Musiker ist er schon lange tätig, aber erst 2008 hat er angefangen, Mundart zu singen, wie er der MZ erzählt. Das, und auch nach langer Tätigkeit in Bands jetzt als Solokünstler zu arbeiten, mache ihn erst wirklich zufrieden. In der Pause verkaufte er seine CDs persönlich, mit Widmung. „Ich habe noch 2500 Stück in meiner Garage, vielleicht will ja jemand eine“, pries er sie an.

Weg vom ganz normalen Leben mit seinen großen und kleinen Problemen wurde man zu guter Letzt am Sonntag beim Ausklang der Konzertreihe in eine musikalische Traumwelt entführt. Das „Feuerwerk aus Oper und Operette“, eine internationale Gala mit Musik aus den schönsten Opern der Welt, wurde von großartigen jungen Stimmen aus den Leipziger Gesangsklassen dargebracht. Die „Stars von morgen“ verzauberten auch hier die Gäste, bis man danach wieder vom Alltag eingeholt wurde.

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Sommerliche Rathauskonzerte

  • Noch mehr Reger:

    Die vier sommerlichen Rathauskonzerte sind heuer, anlässlich des 100. Todestags, Max Reger gewidmet. Abseits des „Mainstreams“ hat man eine Nische gefunden, denn im Gegensatz zu seiner Orgelmusik ist Regers Klavier- und Kammermusik nur selten präsent. Unter anderem wird man einen Max Reger hören, der so gar nicht dem Vorurteil des düsteren und schwer verständlichen Komponisten entspricht.

  • Die Termine im Einzelnen:

  • 7. August, 16 Uhr:

  • Max Blume, Klavier

  • 10. August, 19.30 Uhr:

  • Kurt Seibert spielt Max Reger, Gesprächskonzert mit Erik Roßbander

  • 12. August. 19.30 Uhr:

  • Max Reger Duo am Klavier

  • 14. August. 16 Uhr:

  • Tschechoslowakisches Kammerduo mit Sonaten für Klavier und Violine

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