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Prozess

18-Jähriger klagt gegen das Jugendamt

Der junge Mann will vom Landkreis Amberg-Sulzbach wegen seiner Unterbringung in der Ppsychiatrie rund 80.000 Euro Schmerzensgeld.

AMBERG. Ein 18-Jähriger fordert vom Landkreis Amberg-Sulzbach Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz. Der junge Mann war 2007 auf Betreiben des Jugendamtes für gut zwei Monate in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Erlangen untergebracht worden. Aus seiner Sicht hätten Mitarbeiter des Amtes dabei ihre Pflichten verletzt, wie gestern beim ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht deutlich wurde. Grund für die Unterbringung war offenbar die Schulverweigerung des Jugendlichen.

Den Mitarbeitern des Amtes wirft er nun vor, dass sie in dem der Unterbringung voraus gehenden Verfahren nicht erwähnt hätten, dass er von seinen Mitschülern permanent gemobbt worden sei. Stattdessen habe man argumentiert, die Schulverweigerung sei auf eine zu enge Mutter-Kind-Beziehung zurück zu führen. Aus Sicht des Mannes und seines Anwalts wäre es mit dem Verweis auf das Mobbing nicht zu einer Einweisung in die Klinik gekommen.

Gut zwei Monate, vom 8. Mai 2007 bis zum 13. Juli 2007, war der Jugendliche in Erlangen untergebracht. Zum Teil durfte er die Klinik dabei nicht verlassen. Von „Freiheitsentziehung“ war deshalb gestern auch die Rede. Durch den Aufenthalt habe der Mann eine „traumatische Belastung“ erlitten.

Vom Landkreis Amberg-Sulzbach will er deshalb Schmerzensgeld und Schadensersatz in einer Gesamthöhe von nicht ganz 80 000 Euro haben. Als Argument führt er nicht zuletzt an, dass er durch die Unterbringung seinen Hauptschulabschluss nicht bzw. verspätet habe machen können und er dadurch berufliche Nachteile erleiden würde.

Seitens des Jugendamts argumentierte man, dass die Ursache für die Schulverweigerung eben nicht nur allein im Mobbing des Klägers zu sehen sei, sondern auch andere Gründe eine Rolle gespielt hätten. Unter anderem war gestern in diesem Zusammenhang von einer Schilddrüsenunterfunktion und der Adipositas des jungen Mannes die Rede. Dass er in der Klinik auf die „Ausgangsstufe 0“ gesetzt worden sei, habe man nicht gewusst. Man sei davon ausgegangen, dass lediglich freiheitsbeschränkende Maßnahmen zum Tragen kommen würden. Der Schaden, den der Mann erlitten haben will, bestritt man und sah seine Forderungen im Übrigen als zu hoch angesetzt.

Der Vorsitzende Richter machte gestern deutlich, dass es bis zu einem Urteil noch einige Zeit dauern könnte. „Dieser Prozess wird sich über Monate, wenn nicht noch länger hinziehen“, sagte er. Denn: „Es geht hier um einen problematischen Bereich.“ Dazu passte, dass das Gericht bei den Zeugenvernehmungen die Öffentlichkeit ausschließen wollte, der Kläger aber gerade diese Öffentlichkeit suchte. Nach einer kurzen Beratung mit seinem Anwalt kam man überein, dass zumindest die Aussage des behandelnden Arztes nicht öffentlich erfolgen solle.

Das Verfahren sorgte gestern für großes Aufsehen. Interessierte waren zum Teil bis aus Stuttgart angereist, um das Verfahren zu verfolgen. Eine Initiative hatte zuvor im Internet auf den Prozess aufmerksam gemacht. Wann das Verfahren tatsächlich abgeschlossen sein wird, ist noch vollkommen offen. Weitere Zeugen sollen gehört und ein Gutachten erstellt werden.

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