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Mittwoch, 19. September 2018 27° 2

Jubiläum

75 Jahre an Orgeln in der Stadt

Josef Dotzler hat die Pfarrgemeinden Hl. Dreifaltigkeit und St. Josef in Amberg mit Musik erfreut. Beim ersten Mal war er 14.
Von Hans Babl

Josef Dotzler an der Orgel der Pfarrkirche St. Josef in Raigering, für die Pfarrei Aschach/Raigering Foto: Babl
Josef Dotzler an der Orgel der Pfarrkirche St. Josef in Raigering, für die Pfarrei Aschach/Raigering Foto: Babl

Amberg.Ein wahrlich seltenes Jubiläum: Seit 75 Jahren – genau seit dem 1. April 1943 – ist Josef Dotzler aus Amberg heute als ehrenamtlicher Organist im Kirchendienst tätig. Zunächst bis 1986 in der Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit, dann regelmäßig in der Pfarrkirche St. Josef in Raigering – bis heute.

Laut Tagebuch war sein erster „Einsatz“ als noch nicht mal 14-jähriger Junge am 1. April 1943 eine „ewige Andacht“, wobei ein Mädchenchor sang, den damals die Kindergartenschwester Ulrike leitete. „Diese Anbetungs-Andachten fanden jeden Donnerstag vor dem Herz-Jesu-Freitag statt“, erinnert sich der fast 89-jährige Jubilar immer noch sehr genau. „Ich hatte schon ein paar Jahre Klavierunterricht auf dem Buckel. Anfangs konnte ich auf dem Klavier des Kindergartens üben, bis meine Eltern ein Klavier kauften. Zu dieser Zeit waren die Männer im Krieg, teilweise schon gefallen. Da musste ich ran. Seitdem ist Orgeln im Dienste der Liturgie mein Hobby und meine Freude.“ Weiter berichtet Organist Josef Dotzler der MZ: „Die Orgel stammte aus Regensburg St. Cäcilia und wurde nach Amberg-Dreifaltigkeit verkauft. Sie war, wie alle früher, noch pneumatisch, das heißt, nur mit Luft betrieben. Heute sind ja alle elektrisch.“

Schwerer Abschied im Jahr 1986

1986 begann Josef Doztler als Organist in der Kirche St. Josef in Raigering. Foto: Archiv/Schön
1986 begann Josef Doztler als Organist in der Kirche St. Josef in Raigering. Foto: Archiv/Schön

Unter Chorregent Karl Günthner wurde in den 1960-er Jahren aus der Dreifaltigkeitskirche die Festmesse zu Allerheiligen im Rundfunk übertragen. „Und ich spielte die Orgel!“ Mit Günthner wurden ein paar Mal im Jahr – an Festtagen – Orchestermessen aufgeführt. „Zur Freude aller, besonders der Kirchenbesucher“, weiß Dotzler. Damals spielte auch manchmal der sehr musikalische Stadtpfarrer Monsignore Leonhard Maier auf der Orgel. „Er blieb am Schluss der Gottesdienste mit seinen Ministranten immer am Altar sitzen, bis der Organist sein Ausspiel beendet hatte“, freut sich Josef Dotzler noch heute sehr. „Der Nachfolger Günthners glaubte, fehlerlos zu sein, nur andere seien schuld, wenn mal Fehler gemacht wurden. Bloß er nicht. Das machte mich nervös, und so nahm ich 1986 nach 43 Jahren Abschied als Organist der Kirche Hl. Dreifaltigkeit. Der Abschied fiel mir nicht leicht“, bekennt der Jubilar freimütig. „Ich nahm den Auftrag, in Raigering zu spielen, gerne an, zumal dort auch ein guter Kirchenchor gesungen hat. Dort wurde ich von Pfarrer Andreas Meckl mit offenen Armen empfangen. Nun bin ich schon seit 32 Organist in der Kirche Sankt Josef. Und bin es bis heute!“

Am 16. Juni 1929 im Amberger Dreifaltigkeitsviertel geboren und aufgewachsen, wurde für Josef Dotzler die Kirche zur Hl. Dreifaltigkeit so etwas wie eine zweite Heimat. „Denn dort wurde ich nicht nur als einer der Ersten in der neuen Pfarrkirche getauft, sondern war auch Ministrant, Hilfsmesner, Gruppenführer bei der Pfarrjugend, Schaukastengestalter – und schließlich auch 43 Jahre Organist.“

Stationen

  • Hl. Dreifaltigkeit

    43 Jahre war Josef Dotzler Organist in der Stadtpfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit. Er stammt aus dem Dreifaltigkeitsviertel. 1943 hat er hier das erste Mal Orgel gespielt – gerade 14 Jahre war er damals alt.

  • Oberrealschule

    Im Gregor-Mendel-Gymnasium (GMG) war Josef Dotzler 33 Jahre lang Mathematik- und Physik-Lehrer – hier war er auch als Seminarlehrer für Mathematik „mit großer Hingabe und Einsatz“ tätig.

  • Raigering

    Seit 1986 spielte Josef Dotzler regelmäßig bei Gottesdiensten die Orgel der Pfarrkirche St. Josef in Raigering. Die ganze Stadtrandpfarrei (mit Aschach, Gde. Freudenberg) dankt ihm für diesen Dienst.

  • Ausland

    Orgelspiel im Ausland war nicht selbstverständlich für Dotzler, den die Leidenschaft für Musik auch auf den Monte Cassino in Italien führte – den Ort einer Schlacht mit enorm vielen Opfern im 2. Weltkrieg. (abl)

Auch als Lehrer hoch geschätzt

Josef Dotzler besuchte die – damals noch neue – Oberrealschule, die ersten beiden Klassen als Volksschüler. 1949 machte er dort auch sein Abitur. Nach Studium der Mathematik und Physik in Regensburg – vier Semester musste man dort damals für die noch weitgehend zerstörte Ludwig-Maximilians-Universität in München an der Katholischen Theologisch-Philosophischen Hochschule studieren – und dann in München kam Josef Dotzler an seine Amberger Schule zurück und war ab 1958 dort 33 Jahre als Mathematiklehrer (auch Physik) tätig. Am Gregor-Mendel-Gymnasium war er auch als Seminarlehrer für Mathematik „mit großer Hingabe und Einsatz“ tätig.

Es ging auch ins Ausland für diesen Musiker: „Orgel gespielt habe ich in allen Kirchen Ambergs. Außerdem mal in Norwegen und bei einer Reise in der Klosterkirche von Monte Cassino in Italien“, weiß Josef Dotzler nicht ohne einen gewissen Stolz zu berichten.

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