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Kultur

Aberwitziger Unsinn und Tiefgründiges

Schauspieler Martin Müller-Reisinger trifft den Nerv des Amberger Publikums mit seinen Texten frei nach Karl Valentin.
Von Karin Hegen

Martin Müller-Reisinger und Pianistin Corinna Fuhrmann sind ein eingespieltes Team. Foto: akh
Martin Müller-Reisinger und Pianistin Corinna Fuhrmann sind ein eingespieltes Team. Foto: akh

Amberg.Das Publikum sitzt locker um Tische mit einem schönen Glaserl Wein, Häppchen oder anderem Getränk. Sieben Hüte liegen auf dem Boden der Bühne in der Stadtbibliothek. Drei weitere hängen an einem Kleiderständer und mehrere Seiten Papier bedecken den Boden. Corinna Fuhrmann tritt durch den schwarzen Vorhang, nimmt am Klavier Platz und spielt die Ouvertüre zu einem Quatsch, der einfach nur guttut.

Neben den trendigen Comedy-Programmen, die sich an aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Themen festbeißen, hat Martin Müller-Reisinger mit seinen Texten frei nach Karl Valentin einen anderen Nerv getroffen. „Die Verwirrung des Nepermuk Semmelmeier“ begeistert vollkommen, auch wenn die Zuhörer mittendrin gequält aufstöhnen. Weil er als Schriftführer des Vereins der Katzenfreunde schier endlos und in rasantem Tempo sämtliche Mitglieder wie „Frau Straßenbahnkontrolleur Stangl et cetera“ rauf und runter rattert.

„Ein Käfig mit Rentieren, wird sich das rentieren?“

Martin Müller-Reisinger

Recht verhaut schaut er aus mit zerknittertem Hemd, verstrubbelten Haaren und einem Gesichtsausdruck, dem man jedes Wort abnimmt. Ob es nun grausame Grammatikfehler sind – „Ich stug in den Zug und aßte ein Brot“ – oder einfach nur Haare sträubender Unsinn. So erzählt er: „Einmal hat mich die Dummheit geplagt...“ – er hat Aquarium und Vogelkäfig vertauscht. „Da sind die Goldfische von der Sitzstange gerutscht…“ Zum 70. Todestag Karl Valentins mimt der Schauspieler das unvergessene Vorbild sehr authentisch. Mit musikalischer Begleitung am Piano singt er „miese Lieder“, die an Komik nicht zu übertreffen sind. Ein gut eingespieltes Team sind die beiden Künstler, die abwechselnd mit Musikstücken und Szenen alte Theatervorstellungen aufleben lassen.

„Wir wollten in das Gärtnertheater, wussten aber nicht, ob da nur Gärtner hinein dürfen.“

Bei allen aberwitzigen Gedanken des Nepermuk sind allerdings auch einige tiefgründige versteckt. Da finden sich Parallelen zur heutigen Zeit, in der man wie damals nur mit Humor die schrecklichen Diktatoren erträgt: „Da hat der Hitler Glück gehabt, dass er nicht Adolf Kräuter geheißen hat – sonst hätte es Heilkräuter geheißen.“

Warum gibt es keinen Theaterzwang, so wie den Schulzwang? Denn dann würden alle gerne hingehen, so wie die Kinder ja auch, weil sie müssen. „Der Staatsbürger weiß er muss, ob es ihn nun graust oder nicht.“ Oder: Ein Fremder fühlt sich nur in der Fremde fremd.

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