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Rückblende

Auch 30 Jahre später nicht zu fassen

Der prophezeite „große Regen“ kam am 1. Juli 1987. Er sollte für Ensdorf nur ein harmloser Vorbote dessen sein, was kam.
Von Hans Babl

  • Nach der Flut: Die Hauptstraße, damals Staatsstraße 2165 bzw. Vilstalstraße –links stand einmal die „Pfarrermauer“ Fotos: Peter Hammer, Archiv Babl
  • Bundeswehr hilft beim Aufräumen.
  • Das Wasser hat die Klostermauer Schwandorfer Straße einstürzen lassen.
  • Ein Trümmerfeld an der Tankstelle

Emsdorf. ENSDORF. Heute und morgen, Samstag und Sonntag, jährt sich zum 30. Male die große Flutkatastrophe im südlichen Landkreis. Am schlimmsten betroffen von „Unwettern eines bisher noch nie da gewesenen Ausmaßes“ (Amberger Volksblatt, heute Mittelbayerische Zeitung) wurde damals die Gemeinde Ensdorf. Ein Sprecher des Landratsamtes bezeichnete sie als „die schwersten seit 400 Jahren“. Es entstanden Schäden in Millionenhöhe.

Der von Meteorologen prophezeite „große Regen“ setzte am Mittwoch, 1. Juli 1987, gegen 15 Uhr ein. Eine wahre Sintflut ergoss sich. „Eine Stunde reichte, um den Ortskern unter Wasser zu setzen. Die Kindergartenkinder mussten durch Fluten getragen werden, um überhaupt von ihren Müttern in Empfang genommen werden zu können. Für die Kleinen war dies eine aufregende und spaßige Angelegenheit, während mancher Erwachsene sorgenvoll zum Himmel blickte. Niemand ahnte jedoch, dass dieser Regen erst der Vorbote der eigentlichen Katastrophe war“, erinnert sich heute noch der 93-jährige Peter Hammer.

„Unheimlicher Regen“ half zuerst

Sehr gut erinnern sich auch die damaligen Kommandanten der Feuerwehr Ensdorf, Richard Reiser und Michael Dollacker, an diese „schwerste Unwetterkatastrophe seit Menschengedenken“. „Zunächst mussten wir gegen 15.30 Uhr zum Brand im landwirtschaftlichen Anwesen Fischer in Uschlberg ausrücken. Der unheimliche Regen half uns beim Löschen. In der Schulstraße drückte da das Wasser schon aus Gullys und Kanaldeckeln. Zufällig hörten wir am Auto über Funk, dass in Ensdorf bereits ‚Land unter‘ ist und auswärtige Feuerwehren im Einsatz sind. Nach dem Löschen eilten wir in den Ort, wo die Wassermassen bereits die erste Mauer in der Bachgasse eingerissen hatte.“ Es folgten Friedhofsmauer, Klostermauer, die am alten Feuerwehrhaus. Viele Anwesen in der Hauptstraße waren „abgesoffen“, Keller und Wohnungen mussten ausgepumpt werden. Der Stephansplatz und der alte Friedhof standen unter Wasser. Ab 18 Uhr begannen Aufräumarbeiten, Schlamm wurde beseitigt und Gräben gereinigt. „Wir waren erleichtert und machten gegen 21 Uhr erst mal Brotzeit“, so 1. Kommandant Richard Reiser.

Werke der Solidarität

  • Schäden:

    Feuerwehrpumpen waren bei der Ensdorfer Flutkatastrophe 1987 sicher mehr als 50 Stunden im Einsatz. Die Feuerwehr Ensdorf, viele Freiwillige, waren bis 5. Juli im Dauereinsatz, bis die gröbsten Schäden behoben waren.

  • Gemeinsinn:

    „Alle packten mit an. Geschäftsleute und Bürger versorgten uns mit Essen und Getränken“, loben Feuerwehrler noch heute. Landrat Dr. Hans Wagner sprach von einem „Musterbeispiel menschlicher Solidarität in Krisen“.

„In der Nacht zum Donnerstag (2. Juli) wurden alle begonnenen Aufräumarbeiten, und nicht nur diese, mit einem Schlag zunichtegemacht“, erinnert sich Peter Hammer. „Denn dann öffnete der Himmel erneut seine Schleusen, kam das Wasser erst richtig – und das zum zweiten Mal! Ab 22.30 Uhr ging das gleiche Spiel los, nur noch viel extremer, bis gegen 3 Uhr“, berichtet der damalige 2. Kommandant Michael Dollacker.

Öltanks und Brennholz schwammen, der neue Friedhof wurde durchgeschwemmt, Grabsteine weggespült, die Mauer eingerissen. Dann fiel auch die Pfarrermauer, wurden Zapfsäulen der Tankstelle aus der Verankerung gerissen, die Thanheimer Straße auf einer Länge von 300 Metern fortgespült, Teile der Bachgasse. Teils stand das Wasser bis zu eineinhalb Meter hoch in den Häusern. Man konnte im Wortsinne von „Land unter!“ sprechen. Auch das Auto von 1. Kommandant Reiser wurde fortgerissen.

Mannshoch waren die Geröllhalden

„Erst im Licht des neuen Morgens ließ sich das Ausmaß der Katastrophe erkennen: Mannshohe Geröllhalden, eingestürzte Mauern, mitgerissene Autos, ausgespülte Gräber und tonnenweise Schlamm waren das Ergebnis der Sintflut. Gott sei Dank kam niemand zu Tode“, erinnert sich Peter Hammer. Die da noch durch Ensdorf führende Staatsstraße 2165 (Vilstalstraße) war unpassierbar geworden.

Landrat Dr. Hans Wagner rief den Notstand aus. Zahllose Rettungskräfte der Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks, des Bayerischen Roten Kreuzes und die Polizei waren pausenlos im Einsatz. Große Hilfe brachte da die Bundeswehr (Panzerpionierkompanie 123 und Bereitschaftszug der Kompanie 123), die half, und die Straßen wieder passierbar machte.

Lange allerdings dauerte es noch, bis alle Schäden in Ensdorf dann behoben waren. Viele Bürger kritisieren heute auch immer noch, dass es zu wenig finanzielle Hilfen seitens der öffentlichen Hand gegeben habe.

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