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Auwald für mehr Naturschutz

Eine Projektgemeinschaft aus TU München und einem Ingenieurbüro sollen heimische Wasserflächen verjüngen.

Sachgebietsleiter Gewässerökologie Christian Motz, Fachbereichsleiter Wasserbau Christian Götz, Projektbearbeiterin Julia Fangauer und Praktikant David Heinz (v.r.n.l.) inspizierten gemeinsam eine der betroffenen Flächen an der Tirschenreuther Waldnaab. Foto: Franziska Meier
Sachgebietsleiter Gewässerökologie Christian Motz, Fachbereichsleiter Wasserbau Christian Götz, Projektbearbeiterin Julia Fangauer und Praktikant David Heinz (v.r.n.l.) inspizierten gemeinsam eine der betroffenen Flächen an der Tirschenreuther Waldnaab. Foto: Franziska Meier

Amberg-Sulzbach.Das Wasserwirtschaftsamt Weiden plant gemeinsam mit der TU München und einem Ingenieurbüro aus Freising eine umfangreiche Naturverjüngung von Wasserstellen in Weiden und Kümmersbruck. Wie das Amt in einer Pressemitteilung schreibt, ist das Ziel der Maßnahme die Wiederherstellung eines „guten ökologischen Zustands“ an allen Gewässern bis 2027 gemäß der europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Das soll vor allem durch die Verbesserung der Gewässerstruktur, die Beseitigung von Wanderbarrieren für Fische, und die Beschattung durch Auwälder und deren Mikroklima geschehen.

Analog zur Forstverwaltung mit dem klimagerechten Waldumbau möchte das Wasserwirtschaftsamt deshalb auch an heimischen Gewässern wieder flächendeckend einen Ufergehölzsaum schaffen. Dies kann neben der Pflanzung kleiner Gehölze oder Bäume auch durch die Förderung des natürlichen Anflugs von Samen erfolgen. Die aus angeflogenen Baumsamen hervorgegangenen Gehölze bieten die Vorteile, dass keine sensible Anwachsphase notwendig ist, und dass die Keimlinge besser mit den Standorteigenschaften zurechtkommen und so Trockenphasen besser überstehen. Hinzu komme, dass die Natur diesen Wald „frei Haus“ liefere.

Samen vor Wild schützen

Allerdings hänge der Erfolg von vielen Faktoren ab, wie das Wasserwirtschaftsamt schreibt. So dürften Samenbäume nicht in zu großer Entfernung zu den zukünftigen Auwaldflächen stehen. Zudem muss die mit Gras verwachsene Bodenkrumme maschinell gefräst und aufgerissen werden, um den Samen eine Keimfläche zu bieten. Wenn die Samen am Boden auftreffen, brauchen sie ausreichend Feuchtigkeit durch Regen oder Bewässerung, um zu keimen. Sie müssen dabei vor Wild geschützt werden, weil sie für Rehe, Hasen und Biber eine schmackhafte Abwechslung vom üblichen Speiseplan darstellen.

Betroffene Flächen

  • Flussmeisterstelle Weiden:

    an der Tirschenreuther Waldnaab bei Tirschenreuth, an der Wondreb bei Waldsassen, an der Haidenaab bei Steinfels und an der Waldnaab bei Rothenstadt

  • Flussmeisterstellen Kümmersbruck:

    im südlichen Amtsbezirk am Ehenbach bei Holzhammer, am Fensterbach bei Dürnsricht, an der Vils bei Schönlind und an der Lauterach bei Schmidmühlen

Um einen Fahrplan für die Naturverjüngung zu entwickeln, hat das Wasserwirtschaftsamt Weiden nach einem Vergabeverfahren Ende 2019 eine Arbeitsgemeinschaft aus der TU München und dem Ingenieurbüro H&S aus Freising beauftragt, ein Konzept zu erstellen. Über den Amtsbezirk verteilt wurden acht Uferflächen von je etwa 1000 Quadratmeter ausgewählt und nach Vorgabe der Arbeitsgemeinschaft von den Mitarbeitern der Flussmeisterstellen Weiden und Kümmersbruck vorbereitet. Auf den Flächen kommen verschiedene Kriterien nebeneinander zur Anwendung, wie offener Boden, künstliches Aufbringen von Baumsamen, Schutz durch Wildzaun, künstliche Bewässerung und das Einbringen von Weidenstecklingen.

Projekt dauert drei Jahre

Die Mitarbeiter von TU und H&S begleiten die Flächen drei Jahre lang wissenschaftlich. Bei regelmäßigen Ortseinsichten dokumentieren sie Erfolg oder Misserfolg sowie mögliche Gründe dafür. Jeweils zum Jahreswechsel legt das Büro einen Zwischenbericht und am Ende der Projektzeit einen Abschlussbericht vor. Die Vorbereitung der Flächen ist nun abgeschlossen und das Monitoring beginnt.

Projektbearbeiterin Julia Fangauer hat sich deshalb mit Christian Götz, Bereichsleiter Wasserbau, und Christian Motz, Leiter Gewässerökologie am Wasserwirtschaftsamt, an der Tirschenreuther Waldnaab getroffen. „Der Regen in den vergangenen Tagen kam genau richtig und wird die angeflogenen Samen im Boden zum Keimen bringen“, freute sich Fangauer. Man sei sich einig, dass das Projekt wertvolle Erkenntnisse für die zukünftige Stärkung der Auwälder liefere.

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