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Engagement

Barrieren Zug um Zug abbauen

Schmidmühlens Inklusionsbeauftragte loben erste Verbesserungen. Eine barrierefreie öffentliche Toilette soll entstehen.
Von Josef Popp

  • Hier könnte sich ein nächstes wichtiges Projekt anbahnen: Auch nach Meinung der beiden Inklusionsbeauftragten Michaela Meyer und Karl Bauer (rechts) könnte hier eine barrierefreie und behindertengerechte Toilettenanlage entstehen. Darüber wird wohl erst der „neue“ Marktgemeinderat noch beraten und entscheiden; links Bürgermeister Peter Braun. Foto: Josef Popp
  • Einiges ist bereits geschehen für die Barrierefreiheit wie hier in der Kallmünzer Straße, wo der Bordstein abgesenkt wurde. Foto: Josef Popp

Schmidmühlen.Seit etwas mehr als einem Jahr hat der Markt Schmidmühlen mit Michaela Meyer und Karl Bauer zwei Inklusionsbeauftragte. Für beide war der Ablauf der ersten zwölf Monate nun der Anlass, zurückzublicken und eine erste Bilanz zu ziehen. Zugleich haben sie mit Bürgermeister Peter Braun weitere verschiedene Projekte angesprochen. Einiges ist schon geschehen, Handlungsbedarf besteht aber immer noch in vielen Bereichen.

Ziel ist es, so betonte Karl Bauer, Schmidmühlen weiter als lebenswerte Gemeinde zu erhalten und weiterzuentwickeln, so dass Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen genauso am kommunalen Leben im Markt teilnehmen können wie Nichtbehinderte. Dazu müssen alle am gleichen Strang ziehen.

Aufzug und Rampe geschaffen

Inklusion sei ein wichtiger Auftrag, der unter anderem im Grundgesetz und der bayerischen Verfassung, im Bundesgleichstellungsgesetz sowie in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben ist, erinnerten die beiden Verantwortlichen. So heißt es in Artikel 118a der bayerischen Verfassung: „Menschen mit Behinderung dürfen nicht benachteiligt werden. Der Staat setzt sich für gleichwertige Lebensbedingungen von Menschen mit und ohne Behinderung ein.“

In den ersten Monaten, so berichtete Michaela Meyer, haben die Inklusionsbeauftragten eine Bestandsaufnahme gemacht, um mögliche Handlungsfelder festzustellen. „Dabei konnten einige Verbesserungsvorschläge erarbeitet werden, die auch an den Marktrat weitergeleitet wurden. Erfreulicherweise wurde auch schon viel umgesetzt“. Als Beispiel dafür kann man die Rampe zur Toilette im Friedhof, den Aufzug im Hammerschloss oder den Schlossstadel nennen. Als strategische Ziele ergab damals eine Studie die Sicherung von städtebaulichen Qualitäten im Ortskern mit einer städtebaulichen Beratung der Hausbesitzer. Dazu gehört auch die Barrierefreiheit in Gebäuden und Freiräumen.

Viele kleinere Maßnahmen konnten relativ kurzfristig umgesetzt werden. Beispielsweise wurden im Friedhof die Randsteine in einigen Bereichen abgesenkt. Aber auch der Fußgängerweg entlang der Kallmünzer Straße, Abzweigung Tulpenstraße, konnte durch das Absenken des Randsteins optimiert werden. So können Menschen mit Gehbehinderungen, Eltern mit Kinderwägen und Kleinkinder mit ihren Rädern die Straße barrierefrei überqueren. Davon überzeugten sich die beiden Inklusionsbeauftragten mit dem Bürgermeister vor Ort.

Ein nächstes Projekt könnte im Bereich des Oberen Schlosses (Rathaus) entstehen: Dort wurde im Zug der Fertigstellung des neuen Bauhofs ein kleines Gebäude, das den Gemeindearbeitern als „Sozial- und Brotzeitraum“ diente, frei. Optimal für eine Behindertentoilette bzw. öffentliche Toilette, darin waren Bürgermeister Peter Braun sowie die beiden Inklusionsbeauftragten einer Meinung. Vor allem auch, so der Bürgermeister,“ weil wir bei Großveranstaltungen wie dem weit über den Landkreis hinaus beliebten Marktfest entsprechende Toilettenanlagen, eventuell auch mit einer Wickelmöglichkeit für Kinder, benötigen.“ Wann und wie das Projekt umgesetzt werden soll, wird man noch im Marktgemeinderat besprechen und entscheiden müssen. „Das Gebäude bietet sich aufgrund der ortskernnahen Lage geradezu an“, unterstrich Michaela Meyer.

Der Bedarf zur Abschaffung von Barrieren ist da. Geht man davon aus, dass von den rund 81 Millionen Menschen, die derzeit in der Bundesrepublik leben, jeder achte eine Behinderung hat, besteht auch in Schmidmühlen ein Handlungsbedarf – gerade auch aufgrund der vielen Fahrradtouristen. Den sehen die beiden Inklusionsbeauftragten auch im Ortskern. Es fehlt ein Behindertenparkplatz im Bereich der Pfarrkirche.

Behindertenparkplatz ist nötig

Klar war bei der Ortsbegehung, dass alle Vorhaben sukzessive abgearbeitet werden müssen. Dazu wird der Markt Schmidmühlen eine Planung in Auftrag gegeben. Rund 550 000 Euro sind schon aktuell für die Barrierefreiheit in der Finanzplanung festgehalten. Bis dahin könnte noch der geforderte Schwerbehindertenparkplatz im Bereich des Schlossstadels realisiert werden. Der Parkplatz wurde bereits bei der Planung von der obersten Baubehörde gefordert, jedoch noch nicht umgesetzt.

Im Großen und Ganzen zeigten sich die beiden Inklusionsbeauftragten sehr zufrieden mit dem Erreichten. Sie dankten den Bürgern für ihre Anregungen und die Unterstützung für die Barrierefreiheit im Markt Schmidmühlen. Auch in Zukunft haben sie ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger für mehr Inklusion in ihrer Gemeinde, so betonten Michaela Meyer und Karl Bauer. (ajp)

Gemeinsam verschieden sein

  • Menschenrecht:

    Die UN-Konvention fordert Inklusion, also die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben. Inklusion ist ein Menschenrecht, so steht es geschrieben.

  • Ziel:

    Kernpunkt der UN-Konvention ist es, Barrieren abzuschaffen und ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Und zwar für alle Menschen, unabhängig vom Behinderungsgrad.

  • Inhalt:

    Das bedeutet: keine Entmündigung oder Ausgrenzung von der Gemeinschaft, freie Wahl von Wohnart und -ort, Unterstützungsangebote und Assistenzen für ein selbstbestimmtes Leben. Menschen mit Behinderung sollen die gleichen Möglichkeiten haben wie alle Menschen. Zum Beispiel: Kinder mit Behinderung gehen auf eine allgemeine Schule, Jugendliche mit Behinderung machen eine Lehre oder studieren. (ajp)

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