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Literatur

Brandl erzählt „immer in Sichtweite“

Der „Stadtschreiber“ von Amberg stellt sein neues Werk vor.
Von Gerd Spies

Aus seinem neuen Buch las Friedrich Brandl vor. Foto: Gerd Spies
Aus seinem neuen Buch las Friedrich Brandl vor. Foto: Gerd Spies

Amberg.Seine Fangemeinde ist ungebrochen groß. Die Stadtbibliothek war wieder bis auf den letzten Stuhl besetzt, als der „Fritz“, wie seine Freunde den Amberger Schreiber Friedrich Brandl nennen, sein neues Werk „Immer in Sichtweite“ vorstellt.

Sogar Oberbürgermeister Michael Cerny erwies dem Autor seine Referenz und ließ es sich nicht nehmen, den Geschichten des Amberger-Urgesteins zu lauschen. „Für uns bleibst Du unser „Ziegelgassler“, sagte Cerny bei seinem Grußwort in Anspielung auf den von Brandl 2009 verfassten Prosaband mit diesem Titel. Sein letztes Werk veröffentlichte der pensionierte Lehrer 2016. „Inmitten meiner grünen Insel“, hießen die Gedichtbände.

Der inzwischen 73-jährige Amberger hielt auch bei seinem siebten Buch an Bewährtem fest. Wieder im „lichtung verlag“ erschienen, wieder im handlichen Taschenbuch-Format, wieder mit seiner Frau als „strenger“ Lektorin, wie er selbst sagte. Und wieder mit Illustrationen von Ina Meillan, seiner Tochter, die als Illustratorin und Graphikerin in Ingheim am Rhein lebt und arbeitet. Auch bei der musikalischen Begleitung blieb alles beim Alten, sie lag wieder in den Händen von Mike Reisinger. Nur der Einband des neuen Buches leuchtet dieses Mal in hellem Blau.

Geschichten, wie das Leben ist

45 Geschichten hat Brandl in diesem Büchlein zusammengefasst. Alle haben sie mit seinem Leben zu tun. „Sie sind, wie das Leben halt so ist, mal lustig, mal weniger lustig“, sagt er. Wegen ihrer Besonderheit sind sie in seinem Gedächtnis haften geblieben, hat er sie als Episoden niedergeschrieben. Er erzählt vom Studium in Regensburg, von seinem ersten Lehrersein in Dentlein, einem kleinen mittelfränkischen Ort, wo die Schüler seiner Klasse, ein Haufen von 45 Kindern, einfach „Fritz“ zu ihm sagen wollten und dies auch durften. Viele Geschichten erlebte er auf seinen Reisen, eine Leidenschaft des Autors. Auf eine zeitliche Reihenfolge verzichtet er, seine Erzählungen sind alphabetisch angeordnet, in einem bunten „Abecedarium“. Munter springen die Geschichten durch sein ganzes bisheriges Leben. „Von A wie Amberg bis Z wie Zermatt“, erklärt Brandl.

Leben und Werke von Friedrich Brandl

  • Leben:

    1946 in Amberg arbeitet er zunächst als Industriekaufmann, war von 1973 bis 2008 Volksschullehrer. Seit 1983 schreibt er Lyrik und Prosa. In de 80er Jahren engagierte er sich gegen den Bau der WAA in Wackersdorf.

  • Werke:

    Sieben Werke verfasste bisher der Autor, alle erschienen im „lichtung verlag“ Viechtach. Davon erschienen drei Bücher als Gedichtbände, mit seinem neuen Buch „Immer in Sichtweite“ jetzt vier als Prosabände.

Mit Amberg fängt er an, mit Amberg beendet er nach gut einer Stunde seine Lesung, immer wieder musikalisch aufgelockert von Mike Reisinger. Einmal zieht er sogar selbst seine Gitarre aus der Tasche und greift in die Saiten. Überhaupt zieht sich seine Heimatstadt wie ein roter Faden durch dieses Buch. Und die zufälligen Begegnungen sind es, mit denen er sich beschäftigt. So zum Beispiel beim Bergfest auf dem Mariahilfberg, wo der Zufall es will, dass er neben dem 100-Meter-Olympiasieger Armin Hary am Tisch sitzt. Oder beim Urlaub am Wolfgangsee, als er in den 80er-Jahren dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl begegnete und die Gelegenheit nutzte, auf seinen Widerstand gegen den Bau der WAA aufmerksam zu machen.

Brandl liebt seine Heimatstadt

Andere Kapitel widmen sich z. B. Erlebnissen bei seinen Leidenschaften Laufen und Wandern. Beim Buchstaben E wie Eglsee geht es um eine konfrontative Begegnung mit einem Traktor auf dem „Eselsweg“, seiner Joggingstrecke, die aber versöhnlich ausgeht. Mit dem Traktorfahrer und Bauern Scharl begräbt er schließlich das Kriegsbeil. Bei I geht es um eine Flüchtlingsfamilie aus der syrischen Stadt Idlib, für deren Familienzusammenführung Brandl sich erfolgreich dank politischer Unterstützung einsetzte. 2017 konnten die Eltern ihre Kinder in Amberg wieder in die Arme schließen. Die syrische Familie saß auch unter den Zuhörern.

Mit Amberg fing er seine Erzählungen an, mit einer Episode über Amberg beendet Brandl seine Erzählungen. Den Grund erklärt er selbst: „In Amberg lebe ich gerne, die Stadt ist nicht zu groß und nicht zu klein!“ Siebeneinhalb Geschichten trug der Autor vor, manche davon regten zum Schmunzeln an, manche zum Nachdenken. Wer alle 45 Geschichten kennen will, muss das Büchlein „Immer in Sichtweite“ mit dem blauen Einband kaufen. Es lohnt sich.

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