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Lokalpolitik

Brigitte Netta in Amberg ausgebootet

Die SPD stellt die Weichen für die Kommunalwahlen 2020. Die Liste der Kandidaten sorgt schon im Vorfeld für viel Zündstoff.
Von Gerd Spies

Bürgermeisterin Brigitte Netta, die 2014 die zweitmeisten Stimmen erhielt, wurde nicht mehr nominiert.Foto: Gerd Spies
Bürgermeisterin Brigitte Netta, die 2014 die zweitmeisten Stimmen erhielt, wurde nicht mehr nominiert.Foto: Gerd Spies

Amberg. Die Stimmung war von Anfang an im Keller! Kein Wunder, die Nominierungsliste der SPD für die Kommunalwahl im Frühjahr 2020 sorgte bereits im Vorfeld für viel Wirbel. Besonders das Fehlen von Bürgermeisterin Brigitta Netta auf der Liste erregte bei so manchem eingefleischten SPDler Kopfschütteln.

Da nutzte auch der Appell von OB-Kandidatin Birgit Fruth nicht viel. Sie pries die Liste als ihre Wunschliste an, mit vielen jungen Leuten. Mit 28 Jahren ist Anna Götz die jüngste Kandidatin, SPD-Urgestein Dieter Amann mit 71 Jahren der Älteste. Er hat sich von Birgit Fruth noch einmal überreden lassen, will mithelfen, dass die AfD nicht in den Stadtrat einzieht.

Die Nominierungsversammlung zeigte aber auch, dass die SPD in Amberg zerrissen ist. Gleich zu Beginn wurde der Antrag von Heinz Netta, das Thema Europawahl auf die Tagesordnung zu setzen, abgelehnt. Netta, der Vater von Bürgermeisterin Brigitte Netta, kritisierte auch die Auseinandersetzung in den Medien im Vorfeld: „Das, was in der Presse abgelaufen ist, war ein Verriss ersten Grades!“

Vorstand schlägt Liste vor

Es ging um die Liste der 40 Kandidaten, mit der die SPD bei der Kommunalwahl im März 2020 antreten will. 40 Plätze deswegen, weil 40 Stadtrats-Mandate zu vergeben sind. Die vom geschäftsführenden Vorstand bestimmte Gruppe von sechs Parteimitgliedern um Birgit Fruth hatte die Liste erstellt. Dass da plötzlich mit Daniel Holzapfel, Roland Pirner und Hannelore Zapf drei amtierende Stadträte fehlten, erstaunte schon. Dass aber mit Brigitte Netta die Stimmenkönigen der Wahl 2014 nach dem damaligen OB-Kandidaten Florian Fuchs fehlte, sorgte dann doch für erheblichen Wirbel. Die Liste trägt die Handschrift der SPD-Chefin Birgit Fruth. „Ich gestehe, es ist meine Wunschliste. Ich brauche eine Liste mit 40 Freunden“, erklärte sie.

Darüber, was im Vorfeld der Nominierung zwischen Brigitte Netta und dem Parteivorstand schiefgelaufen ist, gibt es auch noch im Nachgang unterschiedliche Sichtweisen. Ein Angebot des SPD-Vorstands, Netta auf Platz 7 zu setzen, sei von ihr abgelehnt worden. Netta bestätigte dies so nicht.

Die Nominierungskonferenz drohte dann ab dem Zeitpunkt aus dem Ruder zu laufen, als Florian Fuchs Brigitte Netta als Gegenkandidatin für Platz 7 vorschlug. „Mir geht es darum, dass wir optimal aufgestellt sind. Man kann hier den Stimmen-Magneten Brigitte Netta nicht außen vor lassen“, forderte Fuchs. Brigitte Netta, mit der Fuchs Antrag im Vorfeld abgestimmt war, erklärte sich jetzt auch bereit, zu kandidieren: „Einer schwierige Situation für mich! Ich bin aber bereit, zu kandidieren. Nicht gegen jemanden, sondern für die SPD!“ Unglücklicherweise war aber Elisabeth Heuberger, die vom Vorstand auf Platz 7 gesetzt worden war, aus „triftigen Gründen“ gar nicht anwesend. Eine Kampfabstimmung musste entscheiden. Und hier fiel das Ergebnis eindeutig aus. Mit 41:24-Stimmen stimmte die Versammlung gegen Netta. Birgit Fruth und der Parteivorstand hatten sich durchgesetzt.

Mit überwältigender Mehrheit wurden dann in einem Mammut-Verfahren alle anderen Kandidaten der Vorschlagsliste gewählt. Lediglich Florian Fuchs, der einstige Frontmann der SPD in Amberg, wurde für seinen Vorstoß pro Netta abgestraft. Für seine Kandidatur auf Platz 20 der Nominierungsliste erhielt er nur 46 Ja-Stimmen bei fast 20 Nein-Stimmen.

Die Liste ist weiblicher

Nicht nur mit einer jüngeren, sondern auch mit einer weiblicheren Liste will die SPD nun bei der Kommunalwahl antreten. „Wir müssen im Gegensatz zu anderen Parteien nicht weiblicher werden, wir sind es schon“, erklärte Birgit Fruth. Paritätisch im Reißverschlussverfahren präsentiert die SPD-Liste 20 Männer und 20 Frauen. Von diesen Kandidaten verspricht Spitzenkandidatin Fruth neue Ideen für Amberg. Sie hofft, die „seit Menschengedenken rückwärts gerichtete CSU-Politik in Amberg“ endlich ablösen zu können. Für den Kampf um das Amberger Rathaus bei der Kommunalwahl 2020 hätte sie sich aber sicher einen besseren Start gewünscht.

Die vorderen Plätze

Von Platz 1 bis 6: Birgit Fruth führt die Liste an. Sie ist auch die SPD-Kandidatin für das Amt des Oberbürgermeisters. Auf den Plätzen 2 bis 6 folgen Uli Hübner, Simone Böhm-Donhauser, Dieter Weiß, Liane Braun, Martin Seibert.

Bis auf Liane Weiß bildeten diese 5 Spitzenkandidaten der SPD auch die Nominierungsversammlung, die die Liste erstellte.

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