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Kult

Corvus Corax rockt das Schloss

Die „Könige der Spielleute“ sorgen mit einer fulminanten Show für ein unvergessliches Erlebnis beim Open-Air im Kultur-Schloss Theuern.
Von Christina Röttenbacher

Corvus Corax begeisterte Hunderte von Fans mit dem mittelalterlichen LIedgut der Kelten und Wikinger. Foto: MIchaela Fichtner

THEUERN. Es ist Samstagabend – DER Samstagabend. Der Samstagabend, an dem die „Könige der Spielleute“, die Kultband „Corvus Corax“, über das Kultur-Schloss Theuern herfallen.

Im Mittelalter ergriffen die Menschen die Flucht, wenn bekanntwurde, dass die ruchbaren Wikinger ins Land einfallen. Am Samstagabend war das alles anders. Die Menschen strömten herbei, bauten Zeltlager auf, warfen sich in Gewandung und rabenschwarzes, Nieten behangenes Outfit.

Damit ist bereits belegt, was die Musik von Corvus Corax so einzigartig macht: die Verknüpfung von Authentizität mittelalterlicher Spielmannsmusik, Gaukelei und Tavernenspiel mit geballter musikalischer Kraft und einem Bühnen-Spektakulum der besonderen Art. Schon Wochen vor dem Konzert hatte der Run auf die Plätze im historischen Innenhof des Kultur-Schlosses Theuern begonnen, von Corvus-Corax-Fans aus ganz Deutschland bis Jülich, und aus dem deutschsprachigen Ausland. Verbunden mit dem Konzert war ein Fan-Treffen für die Hard-Core-Corvus-Freaks auf der Wiese vor dem Schloss.

Andrea und Andreas aus Schwandorf, Michael mit Freunden aus Bamberg, der die Spielleute das erste Mal beim Kaltenberger Ritterturnier gehört hatte und seitdem Fan der Band ist. Etwas bescheidener als die Kultband, vertrieb sich die kleine Musikgruppe „Musica fatale“ aus Nordrheinwestfalen die Wartezeit bis zum Konzert. Ein Holzscheit, ein Schlagstock, drei Flöten und eine Trommel waren ihre instrumentale Ausstattung. „Es ist tödlich, was wir machen, aber wir machen es gern“, grinst Spielmann Markus, der sich der Philosophie verschrieben hat, „man braucht nicht viel, um Musik zu machen“. Die göttliche „Freya“ ist mit Herrchen und Frauchen aus Miesbach in Oberbayern nach Theuern gekommen. Ihnen gefällt an Corvus Corax, „dass die Musik noch handgemacht ist, der Fanzirkel so viel Gelassenheit ausstrahlt“.

Wie immer, hatte auch diesmal der Leiter des Kultur-Schlosses Theuern, Michael Ritz, ein glückliches Händchen bei der Künstlerauswahl für die sommerlichen Open-Air-Konzerte. Immer auf der Suche nach außergewöhnlichen Events, traf er auf den Corvus Corax-Manager. Michael Ritz, der neben klassischer Musik auch ein Fan von Punk und Technomusik ist, fühlte sich von der „Aura der seit Jahrzehnten bekannten Band“ angesprochen. Als dann endlich, eine Stunde vor Konzertbeginn, das Tor in den musikalischen Wikingerhimmel geöffnet wurde, mussten sich die Corvus-Corax-Fans weiter gedulden. 45 Minuten später als angekündigt, kamen sie endlich – die Spielleute, mit ihren Liedern aus dem hohen Norden.

Ab da kann man sich nur noch überschlagen an Formulierungen zur Musik der „Raben“ (lateinisch: Corvus), die speziell mit den zahlreichen Songs aus ihrem neuesten Album „Sverker“ begeisterten. Nicht allein die Bühnenperformance hat Suchtpotenzial. Die Musik aus dem skandinavischen, dem irischen Norden, das mittelalterliche Liedgut der Kelten und Wikinger, in Gälisch, Altnordisch und Altdänisch gesungen, hätte sicher auch die „alten“ Wikinger hingerissen.

Die Bühne, bis auf den letzten Platz mit historischen und improvisatorischen Instrumenten gefüllt, die majestätischen Männergesänge aus dem mittelalterlichen Alltag – frivol, frech, düster und schwermütig, aber immer auch voller Lebensfreude und Unbeschwertheit – verknüpften konzertante Qualität mit New Age, Rock, Metal und dem Anspruch auf keltisches Kompositionsgut zu einem höllisch starken Mittelalter-Spektakel.

So hatte sich denn in Theuern wahrhaftig „ein sündiges Pack zusammengefunden“, das sich ganz der angekündigten „wilden Nacht“, dem mythischen Rausch des Nordens, hingab. Auch mehr als zwei Stunden eines pausenlosen Gigs, eine halbe Stunde Zugaben mit Dudelsack, Schalmei, Zimbel, Pauken, Percussion, Maultrommel und allerlei tongebenden Geräten, ließen keine Eintönigkeit aufkommen. Das war keine Mainstream-Musik, das war modernes Mittelalter. Techno-Demo und musikalischer Rausch. Die „Kolkraben“ dürfen gerne wieder ins Land, in Theuern, einfallen.

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