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Region Amberg
Montag, 21. Mai 2018 22° 4

Gesundheit

Das Bewusstsein für Demenzerkrankung steigt

Beim 10. Demenzforum, das im Kloster Ensdorf stattfand, referierte Gertrud Schollwöck über Wirkungen der Aromatherapie.

„Du kannst nicht immer siebzehn sein“ sang Siegi, von Beppo auf der Gitarre begleitet. Foto: azd

Ensdorf.. „Wir erleben eine Trendwende. Mehr und mehr kommt das Thema Demenz aus der Tabuzone heraus,“ betonte Regierungsdirektorin Christine Leike vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege beim 10. Landkreis-Demenzforum im Fürstensaal des Klosters.

Regierungsdirektorin Christine Leike vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege foto: azd

Das Bewusstsein dafür, dass Demenz jeden betreffen könne – ganz unmittelbar oder durch die Demenzerkrankung einer nahestehenden Person – wachse.

„Du kannst nicht immer siebzehn sein“ sang Siegi, von Beppo auf der Gitarre begleitet. Mit ihren Liedern umrahmte sie die Vorträge. „Musik, wie sie eben dargeboten wurde, tut uns, aber besonders Dementen gut,“ hob einführend Manfred Lehner, Leiter der Volkshochschule Amberg-Sulzbach, hervor.

Gertrud Schollwöck bei ihrem Vortrag über Wirkungen der Aromatherapie Foto azd

Wohltuend für Demente seien aber auch Düfte und Aromen, welche die Aroma- und Gesundheitspraktikerin Gertrud Schollwöck aus Regensburg in ihrem Vortrag vorstellen werde. Den demografischen Wandel zu gestalten, sei eine der wichtigsten Aufgaben des Landkreises in Zusammenarbeit mit Volkshochschule, Gesundheitsamt, SEGA – dem Verein zur Förderung seelischer Gesundheit im Alter und der AOVE.

Allzu gerne vergesse man das Thema Demenz in unserer Gesellschaft, solange man nicht betroffen sei, betonte in seinem Grußwort Bürgermeister Markus Dollacker. Eine der wichtigsten Hilfen für Betroffene und ihre Angehörigen seien Erfahrungsaustausch und Informationen. Dass das 10. Demenzforum in Ensdorf stattfinde, sei ihm Freude und große Ehre.

•Mit einer Ensdorfer Geschenkbox dankte Bürgermeister Markus Dollacker Regierungsdirektorin Christine Leike Foto: azd

„Das Durchschnittsalter der Menschen steigt, Siebzigjährige fühlen sich fitter als Gleichaltrige vor 20 Jahren,“ sagte der Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Roland Brey. Jedoch fürchteten sich 60 Prozent der Siebzigjährigen vor einer Demenzerkrankung. Demenz sei jedoch kein Schicksal. Es sei möglich Risikofaktoren durch geistige Herausforderung und Sport zu vermeiden – „und dazu ist es nie zu spät.“

Mit den Worten „Eine Demenz verändert das Leben der Betroffenen auf allen Ebenen“ stieg Gertrud Schollwöck in ihr Thema „Aromatische Substanzen bei Demenz“ ein. Körper, Geist und Seele litten gleichermaßen. Die Alltagskompetenz werde zunehmend eingeschränkt, dies wiederum führe zu Befindlichkeitsstörungen wie Angst, depressive Verstimmung und Schlafstörungen. Daneben leiden sie unter altersbedingten Erkrankungen mit weitreichenden Folgen. Im Laufe ihrer Erkrankung zögen sich demente Menschen, so Gertrud Schollwöck, mehr und mehr in ihre eigene Welt zurück, die ihnen Halt und Sicherheit gebe. Ein Zugang zu dementen Menschen werde jedoch durch aromatische Substanzen wie naturreine ätherische Öle, Hydrolate, naturbelassene oder kaltgepresste Pflanzenöle möglich. Diese Aromastoffe wirkten ganzheitlich, da sie die individuelle Person in den Mittelpunkt jeglichen Handelns stellten.

Die Verknüpfung, Duft, Nähe und Zuwendung schaffe vertrauen, wecke Erinnerungen, reduziere Befindlichkeitsstörungen, mildere somatische Beschwerde. Die Verwendung dieser Substanzen führe zu Wohlbefinden und Lebensqualität in allen Phasen der Erkrankung, nicht nur die dementen Menschen, auch Pflegende profitierten davon.

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Vortrag der Regierungsdirektorin Leike

  • Strategie:

    Demenz sei mehr als eine pflegerische und medizinische Herausforderung, betonte Regierungsdirektorin Christine Leike. Um den damit verbundenen gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen habe die Bayerische Staatsregierung die Bayerische Demenzstrategie erarbeitet, die von fünf Leitzielen getragen werde.

  • Leitziele:

    So solle der Bewusstseinswandel in der Gesellschaft im Umgang mit Demenz vorangetrieben werden, die Lebensbedingungen und die Lebensqualität der Erkrankten und ihrer Angehörigen sowie deren Teilhabemöglichkeit verbessert werden. Eine angemessene Betreuung, Pflege und medizinische Versorgung solle sichergestellt und die Selbstbestimmung und Würde der Betroffenen in allen Phasen der Erkrankung bewahrt werden.

  • Beispiele:

    Regierungsdirektorin Leike konkretisierte dies an zehn Handlungsfeldern, die sie anhand von Beispielen aufzeigte. Dies seien etwa die Wanderausstellung „was geht. Was bleibt. Leben mit Demenz,“ die Bayerischen Fachtage Demenz, die Verleihung des Bayerischen Demenzpreises, das Projekt „Sport und Bewegung trotz(t) Demenz,“ natürlich auch Fort- und Weiterbildung sowie die häusliche Versorgung und Entlastung pflegender Angehöriger.

  • Einrichtungen:

    Weiter ging die Regierungsdirektorin explizit auf die stationäre Versorgung im Krankenhaus, in geriatrischer Rehabilitation und Pflegeeinrichtungen, die Sterbebegleitung und insbesondere auf die sektorenübergreifende Versorgung und den Ausbau und die Förderung regionaler und überregionaler Netzwerke ein. (azd)

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