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Das Kriegsende in Hohenburg

Die Zeitzeugin Karolina Wein erinnert sich an die gefährlichen Tage im April 1945. Amerikaner marschierten im Dorf ein.
von Paul Böhm

  • Die 90-jährige Karolina Wein aus Hohenburg erinnert sich an die letzten Kriegstage in Hohenburg. Von dieser exponierten Stelle ihres Elternhauses aus verfolgte sie 1945 die Kriegsereignisse in Hohenburg. Foto: Paul Böhm
  • Auch in Hohenburg hieß der Marktplatz damals Adolf-Hitler-Platz. Das wurde nach dem Krieg aber dann schnell geändert. Foto: Paul Böhm
  • Die Idylle trügt – in den letzten Kriegstagen wurde die untere Lauterachbrücke von SS-Leuten noch gesprengt. Der junge Bursche im Kahn ist Hans Gmach. Foto: Paul Böhm

Hohenburg.„D´Ami san scho in Berghausen.“ Die 90-jährige Karolina Wein schilderte die letzten Kriegstage in ihrem Heimatort Hohenburg: „aufregende und gefährliche Tage zugleich für uns in Hohenburg. Die Kriegsnachrichten überstürzten sich gegen Ende April 1945 – auch in Hohenburg. Fast täglich waren über die Volksempfänger Warnmeldungen über anfliegende Bomberverbände und Tiefflieger zu hören. Würzburg und Nürnberg waren bereits erobert.

Amerikanische Truppen der 65. Infanteriedivision waren gegen Neumarkt gezogen, das durch einen verheerenden Luftangriff dem Erdboden gleichgemacht worden war. Diese Nachrichten brachten ausgebombte Familien, Flüchtlinge und zurückweichende Wehrmachtseinheiten mit ins ansonsten beschauliche Lauterachtal.

„Ich bin damals 16 Jahre alt gewesen und da haben wir jeden Tag von unserer Haustüre aus auf die obere Lauterachbrücke geschaut, wer da alles durchgezogen ist“, sagte Karolina Wein exakt von derselben Stelle aus, wo sie 1945 gestanden hat.

Bedrohliche Lage

Es sei auch in Hohenburg bedrohlich geworden, denn im Ort und der Umgebung hätten immer noch SS-Verbände gestanden. „Wir konnten es ganz deutlich sehen, dass die Hohenburger Brücken für eine Sprengung vorbereitet wurden. Der Volkssturm hatte zwar beschlossen, den aussichtslosen Kampf abzulehnen, konnte sich letztendlich aber nicht durchsetzen“, sagte die 90-Jährige.

Furchteinflößend hätten überall die massigen Hindernisse der Panzersperren an den Straßen und Wachen an den sprengbereiten Brücken gestanden. „Es kam Unruhe auf in der Bevölkerung“, berichtete Wein. „Wir bekamen es mit der Angst zu tun. Was ist, wenn sich der Krieg ins Tal herunter wälzt und Hohenburg verteidigt wird, hat meine Mutter gefragt.“

Eine nervös wirkende Flackabteilung sei noch wenige Tage vor dem Eintreffen der Amerikaner rund um Hohenburg in Stellung gegangen und hätten die Rohre ihrer Vierlingsflak auf den Markt gerichtet gehabt.

„Auf einmal war auch der Krieg direkt vor unserer Haustüre angekommen“, erzählte die damals 16-Jährige. „Am 19. April 1945 suchten erneut zwei Flieger die Gegend ab. Man war allmählich vorsichtiger geworden und verdrückte sich meist rasch in die Keller, besonders wir im Ort.“ Die wie Silber glänzenden Flugzeuge hätten über dem Burgberg eine scharfe Kurve gezogen und dann sei auch schon ein Feuerstrahl auf die Häuser eingeprasselt.

„Als wir uns später aus dem Haus trauten, quoll eine dicke schwarze Rauchwolke über den ganzen oberen Markt. Von unserem Haus hat es so ausgesehen, als ob der ganze Markt in Flammen stehen würde“, beschrieb Wein den Fliegerangriff in Hohenburg.

„Glück hatte damals auch meine Freundin Barbara Bruckmüller aus dem Markt. Sie wollte über den Hühnersteig, den Lauterachsteg über die Brücke auf die Wiese hinter dem Rathaus gehen, als plötzlich ein Flugzeug über den Burgberg brummte und mit Bordwaffen in den Markt zu feuern begann. Sie duckte sich hinter einen Holzstoß an der Lauterach. Wie sich später herausstellte, steckten die Projektile der Bordwaffen in den Holzscheiten, hinter denen sie gelegen war.

Als die beiden Lauterach-Brücken zur Sprengung vorbereitet wurden, versuchte Bürgermeister Michael Dieling auf den befehlenden Offizier einzureden – eine Auseinandersetzung, die mit einem längeren Disput endete. Denn der Bürgermeister wollte die Sprengung verhindern.

Als am Sonntag, 22. April 1945, gegen 16 Uhr die letzten Reste der Wehrmacht abzuziehen schienen, sei nochmals eine Abteilung Soldaten in Eile in die Altach zurückgelaufen gekommen und habe sich hinter dem Kupferfelsen geduckt, um die Brücke noch schnell zu sprengen. „Dabei wurden die Dächer vom Reindl-Haus, Seiler, Höllriegl, Schmiethamer, Hölzl und Donhauser arg beschädigt“, berichtete die 90-jährige Karolina Wein über die Brückensprengung der oberen Lauterachbrücke.

Panzer fuhren auf

Am Abend des 22. April sei auch eine größere Panzerabteilung in der Hölzricht am hinteren Golaner aufgefahren und in der Nacht in Stellung gegangen. Auch Jakob Donhauser sei in der Dämmerung aus Lammerthal in den Markt gekommen und habe uns erzählt: „Droben in Thonhausen ist schon alles voll Panzer und die ersten Soldaten sind schon in Berghausen eingerückt.“

Am Montag, 23. April 1945, habe sich der Reiterbauer Josef Spies aus Berghausen ganz vorn auf einen Panzer setzen müssen und den Weg nach Lammerthal weisen, wo die Amerikaner erneut Stellung bezogen hätten, ehe sie nach Hohenburg ins Lauterachtal gefahren seien.

Auch in Allersburg hätten die amerikanischen Soldaten nach einer kurzen Pause den Kreuzermüller Donatus Lorenz als lebende „Kühlerfigur“ auf einen Spähwagen gesetzt und seien vorsichtig nach Hohenburg eingefahren. Über die Hammermühle und die „Seepoint“ seien die amerikanischen Soldaten in Hohenburg eingerückt und hätten den Bürgermeister zu sprechen verlangten. Auf der anderen Seite seien unterdessen erste amerikanische Panzer und Infanterie über die Altach nach Hohenburg gekommen.

Nach dem Krieg

  • Plünderungen:

    Ihre Ankunft bedeutete vor allem auch das Nachlassen der fast täglichen Plünderungen in Hohenburg und den umliegenden Dörfern und Weilern.

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