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Entscheidung

Das Naturparkzentrum ist auf Eis gelegt

Eine Mehrheit im Vorstand sprach sich zwar für den geplanten Neubau in Waldhaus aus – aber es geht nur, wenn alle mitziehen.
Von Michaela Fichtner

Isabel Lautenschlager, Geschäftsführerin des Naturparks Hirschwald, bedauert, dass das geplante Infozentrum nicht gebaut wird. Alles über den Naturpark vermitteln das „virtuelle Infozentrum“, die Internetpräsenz, und die verschiedenen Broschüren und Flyer. Foto: Babl
Isabel Lautenschlager, Geschäftsführerin des Naturparks Hirschwald, bedauert, dass das geplante Infozentrum nicht gebaut wird. Alles über den Naturpark vermitteln das „virtuelle Infozentrum“, die Internetpräsenz, und die verschiedenen Broschüren und Flyer. Foto: Babl

Ensdorf.Die große Begeisterung ist längst der allseitigen Ernüchterung gewichen. Jetzt hat der Vorstand des Naturparkvereins eine – für viele bittere – Entscheidung getroffen: das Aus für das Infozentrum für den Naturpark Hirschwald, das im Ort Waldhaus (Gde. Ursensollen) neu gebaut werden sollte. „Vorerst nicht“, wie Isabel Lautenschlager, die Geschäftsführerin des Naturparks einschränkt. Das Bedauern über diese unerfreuliche Entwicklung nach vielen Monaten intensiver und zeitaufwendiger Planungen und Beratungen kann und will sie im Gespräch mit unserem Medienhaus nicht verbergen. Aber sie will auch die Hoffnung nicht aufgeben, dass eines Tages in der Zukunft die Zeit reif sein wird für ein solches Gemeinschaftsprojekt.

Bemühen um einen Konsens

Der Markt Hohenburg hat das ehemalige Ackerbürgerhaus „Marktplatz 10“ angeboten und hätte es auch saniert. Foto: Archiv abp
Der Markt Hohenburg hat das ehemalige Ackerbürgerhaus „Marktplatz 10“ angeboten und hätte es auch saniert. Foto: Archiv abp

„Alle oder keiner“ – so einfach beschreibt Isabel Lautenschlager die Voraussetzung für ein solches gemeinsames Haus. Mit ganz konkreten Details zu den Funktionen, Planungen und zur Finanzierung waren Lautenschlager und der Ensdorfer Bürgermeister Markus Dollacker als 1. Vorsitzender des Naturparkvereins im November 2016 in die Versammlung aller Gemeindeparlamente gegangen. Die ersten, fast ausschließlich positiven, sogar begeisterten Reaktionen bei dieser Vorstellung hatten den Optimismus genährt, dass die Idee für das Naturparkzentrum Realität werden könne.

Doch bald schon tauchten Einwände auf. Vor allem mit dem Argument, doch leerstehende Gebäude zu nutzen, statt ein Haus neu zu errichten. Aus drei Gemeinden kam ein „Nein“ zum Projekt Waldhaus, das im Vorstand des Vereins eine Mehrheit hatte. „Wir haben uns bei einer Rundfahrt die Objekte angeschaut“, erinnert Isabel Lautenschlager an das Bemühen, einen Konsens zu finden, nachdem der Neubau so kontrovers diskutiert wurde.

„Die Mehrheit reicht nicht!“

Isabel Lautenschlager

Von Hohenburg kam auch ein konstruktiver Vorschlag“, anerkennt sie: Der Markt hatte ein Haus am Marktlatz vorgeschlagen, das er saniert und dann bezugsfertig für 20 Jahre mietfrei zur Verfügung gestellt hätte. „Ein sehr großzügiges Angebot“, so Lautenschlager. Doch für einige sei der Standort als nicht ideal eingestuft worden.

Ebenso habe Ensdorf Räume im ersten Obergeschoss des Klosters angeboten, an denen zwar noch einiges zu tun gewesen wäre, aber die Geschäftsführerin zeigt sich überzeugt, dass man auch in diesem Fall eine gute Lösung gefunden hätte.

Mehrheit war für den Neubau in Waldhaus

Die Broschüre über die Kunstwanderstationen im Naturpark Hirschwald (im Bild das Kunstwerk in Hausen) wird demnächst erscheinen. Foto: Hans Babl
Die Broschüre über die Kunstwanderstationen im Naturpark Hirschwald (im Bild das Kunstwerk in Hausen) wird demnächst erscheinen. Foto: Hans Babl

Doch: Die Mehrheit im Vorstand des Naturparks hatte sich in einem Empfehlungsbeschluss weiter für den Neubau in Waldhaus als ideale Lösung ausgesprochen, erzählt Lautenschlager. „Die Mehrheit aber reicht nicht“, macht sie deutlich. Wenn einige die Finanzierung nicht mittragen würden, könnten andere das nicht zusätzlich übernehmen, nennt sie einen ganz wesentlichen Aspekt. Und falls doch, würden sich auch andere Fragen ergeben. Beispiel: Wie geht man dann in einem neuen Naturparkhaus mit der Präsentation der Gemeinden um, die nicht mitgezogen haben? „Vielleicht ist es jetzt noch ein paar Nummern zu groß für uns“, sinniert Lautenschlager über diese Entwicklungen. Jedenfalls: Der Vorstand hat entschieden, das Projekt vorerst zurückzustellen.

„Vielleicht ist es jetzt noch ein paar Nummern zu groß für uns.“

Isabel Lautenschlager

Doch wie kann der Naturpark Hirschwald ohne das gemeinsame Haus die Menschen, ob es nun Einheimische sind oder Urlauber, informieren, für die Region begeistern? Für ihre Schätze an Natur und Kultur, für sie sensibilisieren und den Gedanken der Nachhaltigkeit voranbringen? „Natürlich kann man sich jederzeit an die Geschäftsstelle in Ensdorf wenden“, lächelt Lautenschlager. Und auch mit den Gastronomen und Zimmervermietern will sie das Miteinander verstärken, neue Auslegeplätze für Prospekte finden, denn die Rathäuser sind ja beispielsweise am Wochenende geschlossen. Präsentieren wird sich der Naturpark natürlich weiterhin bei den verschiedensten Veranstaltungen. 2018 soll auch wieder ein Naturparktag stattfinden – diesmal in der Stadt Amberg.

In unserer Bilderstrecke können Sie die Kunstwanderstationen im Naturpark Hirschwald virtuell „erwandern“!

Kunstwanderstationen Naturpark Hirschwald

Das Infozentrum – virtuell vorhanden

Und: „Das Infozentrum haben wir eigentlich schon lange – virtuell“, hebt Isabel Lautenschlager die vor rund einem Jahr neu gestaltete Internetpräsenz des Naturparks (www.naturparkhirschwald.de) hervor. Ein wichtiger Schritt war damals das Einbinden der vielen verschiedenen Veranstaltungen. So wirbt sie auch leidenschaftlich: „Ich kann jedem nur raten, auf die Homepage zu schauen, was es an Veranstaltungen gibt!“

Wer doch lieber in Papier-Broschüren blättert, auch dem kann geholfen werden: Die Prospekte kann man im Internet bestellen. Deren Auswahl wird künftig noch bereichert, denn die Geschäftsführerin will sich nach dem Aus für das Infozentrum auf kleinere, schon beschlossene Projekte konzentrieren. Beispiele: Die Broschüre für die Kunstwanderstationen wird fertiggestellt, die Beschilderung in allen Naturparkgemeinden entworfen und gestaltet, so dass sie 2018 zeitig an zentralen Stellen errichtet und die Menschen über den Naturpark und seine Orte informieren kann.

Und da ist ja auch noch das geplante Planetarium in Ursensollen. Ein Blick in die Sternenwelt – an sich ja Vergangenheit in Zeit und Raum, aber für Isabel Lautenschlager ein heller Stern am Himmel über dem Naturpark.

Der Naturpark Hirschwald

  • Ausdehnung

    Seit 2006 besteht der Naturpark Hirschwald. Er erstreckt sich über rund 280 Quadratkilometer von der Stadt Amberg im Norden bis Schmidmühlen im Süden und Kastl und Ursensollen im Westen. Neun Kommunen sind beteiligt.

  • Landschaft

    Charakteristisch sind für den Naturpark das große, relativ unzerschnittene Waldgebiet des eigentlichen Hirschwalds, die Flusstäler von Vils und Lauterach und die kleinteilige, noch land- und forstwirtschaftlich geprägte Landschaft der Jurahöhen und -täler.

  • Aufgaben

    Die Arbeit der Naturparke in Bayern beruht auf vier Säulen, die im Bayerischen Naturschutzgesetz festgelegt sind: Naturschutz und Landschaftspflege, Erholungsfunktion (sanfter Tourismus), Umweltbildung und Regionalentwicklung.

Über alle Themen rund um den Naturpark Hirschwald informieren wir in einem MZ-Spezial!

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