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Brauchtum

Das Wehklagen der Männer war groß

Das Eingraben des leeren Geldbeutels bildet am Aschermittwoch kurz vor Mitternacht das Ende des Schmidmühlener Fischzugs.
Von Paul Böhm

Kurz vor Mitternacht am Aschermittwoch begann der letzte Teil des Fischzuges am Hammerplatz mit dem Geldbeuteleingraben unter Heulen und Wehklagen. Foto: abp
Kurz vor Mitternacht am Aschermittwoch begann der letzte Teil des Fischzuges am Hammerplatz mit dem Geldbeuteleingraben unter Heulen und Wehklagen. Foto: abp

Schmidmühlen.Zu Ende gegangen ist der Fischzug in Schmidmühlen am Aschermittwoch erst eine Stunde vor Mitternacht am Hammerplatz in Schmidmühlen: Dort wurde der Geldbeutel im Kirwabaumloch eingegraben. Eine Zeremonie, wie sie jedes Jahr aufs Neue zu sehen ist.

Sie flehen um die Erlösung von der Bier- und Umsatzsteuer, der Einkommensteuer, der Baunotstandssteuer und der Bürgersteuer: Mit 70 Teilnehmern hatte sich der Fischzug mittags um „Oans“ auf den Weg durch den Markt gemacht, ehe die Männer kurz vor Mitternacht wieder zurück in die warme Wirtsstube beim Ochsenwirt gekommen sind. Hier wird das letzte Scherzl Brot samt Fisch verteilt. Mit dem Zeigefinger drückten die Männer dann ein Loch in den Bierdeckel, so dass ein Weihnachtskerzl durchpasst – der letzte Akt dieses besonderen Brauchtums beginnt.

Der letzte Akt des Fischzuges hat begonnen. Zeremonienmeister Thomas Wagner trägt die Geldbeutellitanei vor und bittet um die Erlösung von allerhand Steuern. Foto: abp
Der letzte Akt des Fischzuges hat begonnen. Zeremonienmeister Thomas Wagner trägt die Geldbeutellitanei vor und bittet um die Erlösung von allerhand Steuern. Foto: abp

Sobald die Fischzügler das Wirtshaus verlassen haben, setzt jämmerliches Heulen und Wehklagen ein – über die ausgedörrten Geldbeutel. Am Hammerplatz scharen sich alle um das Kirwabaumloch. Die Holzkraxe mit dem Geldbeutel wird postiert, dazu die große Laterne, um zu solch später Stunde noch ein wenig Licht zu bekommen. Dann beginnt Zeremonienmeister Thomas Wagner auf seinem wackeligen Stuhl mit der Litanei zum Geldbeutel-Eingraben. Von „du sanftmütiger“, „du zaundürrer“, oder auch „du treuer Geldbeutel“ bis zu „Zuflucht der Armen“ und „du schwindsüchtiger Geldbeutel“ reichen die Anrufungen.

Neben den Bitten um Erlösung von diversen Steuern werden auch viele weltliche Fürbitten verlesen, deren Hintergründe schon lange verschwunden sind. Sie erinnern an die „noudige Zeit“ der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Im Trachtenheim gab es anschließend zu Ehren des zu Grabe getragenen Geldbeutels dann noch einen Leichtrunk. Erst ab Mitternacht wird wieder Fleisch gegessen, meist in Form von Leberkäse und saurer Lunge.

Wer die Fischzügler aber kennt, weiß dass hier niemand an Blasphemie denkt: Dieser Brauch ist vielmehr der Ausdruck der angeborenen Freude am Feiern und der dramatischen Darstellung. Auch dies macht den Schmidmühlener Fischzug zu einem der wichtigsten gesellschaftlichen und gemeinschaftsfördernden Ereignisse im Jahreskreis der Gemeinde. Entsprechend große Bedeutung hat dieses Brauchtum bei den Akteuren und ihren Zuschauern. Genau deshalb wird Schmidmühlen diesen Brauch aber auch genau so lassen, wie er ist und nicht „modernisieren“, macht auch Zeremonienmeister Thomas Wagner deutlich. „Dann wäre nämlich der Fischzug nicht mehr der Fischzug!“

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