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Region Amberg
Dienstag, 25. September 2018 12° 1

Geschichte

Den Krieg in Erinnerung behalten

Die Amberger Stadtwache hat eine Ausstellung zum 30-jährigen Krieg gestaltet, die die Menschen zum Nachdenken anregen soll.
Von Christian Danzer

Gewandete der Stadtwache Amberg und der Altdorfer Landsknechte entführten in die vergangenen Jahrhunderte. Foto: Christian Danzer
Gewandete der Stadtwache Amberg und der Altdorfer Landsknechte entführten in die vergangenen Jahrhunderte. Foto: Christian Danzer

Amberg.Die Amberger Stadtwache hat sich für die Eröffnung ihrer Ausstellung „400 Jahre 30-jähriger Krieg“ am vergangenen Mittwoch etwas Besonderes einfallen lassen: Rund 50 Gewandete versammelten sich am Wingershofer Tor zu einem kleinen Schauspiel: Amberger Stadtpfeifer, die Stadtwache Amberg und die Angreifer, die Altdorfer Landsknechte, die die Stadt einzunehmen versuchten.

Mägde in Rock und Schürze, Ritter in ihrer Rüstung, Junker in Hemd und ledernen Hosen und so manch holde Maid in schönem Gewand waren am Tor zu bestaunen. Mit lautem Johlen, mit Äxten und Sperren bewaffnet und unter den Rufen der jeweiligen Oberhäupter griffen die Altdorfer an. Doch sie wurden natürlich von der Stadtwache zurückgeschlagen.

Altdorfer bewunderten Exponate

Bürgermeisterin Brigitte Netta hat in der Funktion des Obristen die Ausstellung eröffnet. Foto: Danzer
Bürgermeisterin Brigitte Netta hat in der Funktion des Obristen die Ausstellung eröffnet. Foto: Danzer

Getroffen hatten sie sich aber bereits am Schmalzstadel in der Innenstadt, wo die Altdorfer die teilweise mehr als 300 Jahre alten Utensilien bewundern konnten. Albert Holzner, zweiter Vorsitzender der Amberger Stadtwache, stellte außerdem die Münzen vor, die Prägestempel, die zum Signieren von Briefen genutzt wurden. Vom Schmalzstadel aus zogen sie weiter zum Rathaus, um Bürgermeisterin Brigitte Netta abzuholen, die ebenso wie die Stadtwache in mittelalterliches Gewand gekleidet war. Sie vertrat Obrist Michael Cerny, der in „fernen Gefilden weilt“, wie sie erklärte.

Nachdem die Gäste am Tor gebührend begrüßt worden waren, stellte der Hauptmann der Stadtwache, Walter Hellmich, die Ausstellung und deren Ziel vor: „Wir wollen, dass die Menschen sich in Erinnerung rufen, welche Schrecken entstehen können, allein aufgrund des Glaubens.“ Keinesfalls solle die Ausstellung ein Denkmal, Gedenkstein oder ähnliches für den Krieg darstellen. Welch katastrophale Auswirkungen fanatischer Glaube noch heute haben könne, werde im Nahen Osten ja nach wie vor deutlich.

„Eine der größten Katastrophen“

Die Amberger Stadtwache ist bereit zur Verteidigung. Foto: Danzer
Die Amberger Stadtwache ist bereit zur Verteidigung. Foto: Danzer

Eröffnet wurde die Ausstellung von Bürgermeisterin Brigitte Netta: Von der Musik der Amberger Stadtpfeifer begleitet schnitt sie das symbolische rote Band durch. „Wir haben eine Ausstellung mit anfassbaren Exponaten erstellt, so dass die Besucher sich besser in diese Welt hineinversetzen können.“ Sie solle zum Nachdenken anregen. Der 30-jährige Krieg sei der Auslöser dafür gewesen, dass „Amberg beziehungsweise die ganze Oberpfalz in einen Dornröschenschlaf fielen. Man kann sagen: in die Bedeutungslosigkeit.“

Die Ausstellung befindet sich im oberen Rundgang und in den Türmen des Wingershofer Tores am Wingershofer Torplatz. Initiator war Klaus Günther, der die Ideen für die Ausstellung entwickelte, wie Hellmich erklärte. Er war auch der Organisator des Events am Mittwochabend.

In detaillierten Beschreibungen ist der Ablauf des Dreißigjährigen Krieges, der seinen Anfang im Prager Fenstersturz hatte, beschrieben. Er sei eine der größten Katastrophen der Menschheitsgeschichte, wie Netta sagte. „Dieser Krieg ist ja auch von Amberg ausgegangen.“ Friedrich V., genannt der „Winterkönig“, ist vom Amberger Schloss aus mit über 300 bepackten Wagen nach Prag gezogen, wo er sich zum König krönen ließ, obwohl ein anderer meinte, einen Anspruch darauf zu haben.

Die Amberger Stadtpfeifer Foto: Danzer
Die Amberger Stadtpfeifer Foto: Danzer

Auch die Schrecknisse, die sich über das ganze Land und über die Region Amberg verstärkt ausbreiteten, sind in der Ausstellung dargestellt. Hellmich erläuterte: „Wir haben viele Bilder hier, die die damalige Situation darstellen. Wir haben sie bewusst schwarz-weiß belassen und nicht nachkoloriert, so wie es heutzutage oft geschieht.“ Die Schwarz-Weiß-Bilder hinterließen seiner Meinung nach einen noch stärkeren Eindruck.

Amberg selbst war während des 30-jährigen Krieges kaum in Kampfhandlungen verwickelt. Aber, wie Netta weiter schilderte: „Die Amberger wurden mehrfach von Einquartierungen heimgesucht. Die Folge waren schwerstverletzte und/oder ausgeraubte Bürger und verwüstete Häuser.“ Die vielen Söldner brachten auch kranke Menschen mit, die sie hier zurückließen. Seuchen wie die Pest, die mehrfach in der Stadt wütete, taten ihr Übriges. „Nach dem Krieg waren ein Drittel der Häuser leer.“ In der weiteren Umgebung gab es Dörfer, die komplett ausgestorben waren.

Mitwirkende

  • Stadtwache Amberg

    Gegründet 1995, hat sich dem Erhalt und der Geschichte des Wingershofer Tores und des Schmalzstadls verschrieben. Sie ist Repräsentant der Stadt Amberg wirkt beim alle fünf Jahre stattfindenden Welttheater mit.

  • Obrist der Stadtwache

    Der Oberbürgermeister oder seine Vertretung fungiert als Obrist der Stadtwache. Zu allen wichtigen Terminen ist er oder sie anwesend und ebenfalls mit entsprechender Uniform bekleidet. Gewänder und Ausrüstung sind im Stil des 16. und 17. Jahrhunderts.

  • Amberger Stadtpfeifer

    Gegründet 1990, umfasst er Musikerinnen und Musiker von acht bis 85 Jahren. Der Spielmannszug steht seit seiner Gründung unter der musikalischen Leitung von Roman Gallus, 1. Vorsitzender ist Stephan Sabisch.

  • Landsknechte Altdorf

    Die Geschichte beginnt bereits 1967 – als Eisstockschützen, die am Lagerleben am Schlossplatz in Altdorf teilnahmen, das während der Wallensteinfestspiele stattfindet. Der Verein zählt etwa 100 Mitglieder, mittlerweile zum Teil auch Studenten. (kcd)

Plastischer Einstieg

Die Altdorfer Landsknechte Foto: Danzer
Die Altdorfer Landsknechte Foto: Danzer

Von alledem zeugen auch die Exponate. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die beteiligten Persönlichkeiten gelegt. An Schautafeln und -bildern sind Biografien und Porträtzeichnungen der wichtigsten Protagonisten aufgehängt. So entsteht ein schneller, aber doch sehr genauer Einblick in das Thema des 30-jährigen Krieges. In Verbindung mit den realen Exponaten wird mit einfachen Mitteln ein sehr plastischer Einstieg in das Geschehen erzeugt. Beispielsweise sind in den Türmen Original-Waffen aus jener Zeit, in einer Gefängniszelle ein Prangerblock und Daumenschrauben zu sehen. In einem kleinen Saal können Geschirr und Gefäße betrachtet werden, aus denen damals gegessen wurde.

In lauen Temperaturen und bei einem stärkenden Mahl ließen die Mägde, Ritter, Junker und holden Maiden den Abend ausklingen. Die Ausstellung kann nach vorheriger Anmeldung einer Gruppe von mindestens acht Personen besucht werden oder beim Tag der offenen Tür während des Altstadtfestes.

Mehr über den Schmalzstadel und die Exponate der Stadtwache finden Sie hier!

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