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Region Amberg
Sonntag, 24. Juni 2018 18° 5

Wald

Der Natur wird etwas zurückgegeben

Bei Palkering wurde eine alte Eiche gefällt, weil sie ein Sicherheitsrisiko war. Ihr Holz nützt aber der Natur weiterhin.

Die alte Eiche bei Palkering musste gefällt werden, da von ihr Gefahr für Spaziergänger auf dem Forstweg ausging. Foto: Verron
Die alte Eiche bei Palkering musste gefällt werden, da von ihr Gefahr für Spaziergänger auf dem Forstweg ausging. Foto: Verron

Rieden.Aus Verkehrssicherungsgründen musste in der vergangenen Woche eine starke Eiche in Palkering (Markt Rieden) im Hirschwald gefällt werden. Schon seit Monaten begutachtete der zuständige Taubenbacher Staatswaldrevierleiter Hubert Hecht die anmutige starke Eiche am Wegesrand zum ehemaligen Reviersitz Palkering nach jedem Sturm und Starkregen, berichtete Thomas Verron, Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten.

Die Eiche habe drei Sicherheitsrisiken in sich geborgen: Durch die steilen Astansätze mit bis zu 15 Meter langen Ästen waren äußerlich schon an beiden Seiten Bruchstellen bis zum Fuß des Stammes erkennbar. Zu sehen war auch, dass im Stamm bereits eine Fäule beginnt. Und die alte Eiche drohte sich zu spalten. „Das Gefahrenpotenzial, dass bei einem Sturm ein Ast durch die vorgegebene Längssollbruchstelle abbricht, wurde zunehmend größer“, so Verron.

Entscheidung fiel nicht leicht

Da der Baum an einem Forstweg steht, auf dem Menschen gern und viel unterwegs sind, und Spaziergänger durch einen herabstürzenden Ast schwerste bis tödliche Verletzungen erleiden können, fiel für die Bayerischen Staatsforsten die Entscheidung für die Fällung – „schweren Herzens“, wie Verron sagte. Hecht beriet sich zuvor noch mit Forstbetriebsleiter Thomas Verron und zur technischen Begutachtung mit Forstwirtschaftsmeister Martin Lehmeier, die zu der gleichen Entscheidung kamen.

„Einem Förster fällt es bestimmt nicht leicht, so einen imposanten Baum fällen zu lassen. Man steht schon ehrfürchtig und demütig vor so einer alten dicken Eiche“, so Verron. Mit rund 170 Jahren habe sie zwei Menschengenerationen erlebt und könnte von vielen Ereignissen in Palkering erzählen.

Wie der Forstbetriebsleiter erläutert, werden im Naturschutzkonzept der Bayerischen Staatsforsten solche alten, dicken Laubbäume prinzipiell als „Methusaleme“ geschützt. In diesem Fall seien aber die Verkehrssicherungspflicht und die Sorge für Leib und Leben der Spaziergänger vorgegangen. „Glücklicherweise stehen weitere zahlreiche alte Eichen und Buchen im Revier, die der Natur überlassen werden. Generationen von Förstern hielten ihre schützende Hand über sie und werden es weiter tun“, betonte Thomas Verron.

Ein Platz zum Entdecken

Beim Fällen der alten Eiche wurde zuerst die Forststraße gesperrt. Um die Gefahr für die fällenden Mitarbeiter zu entschärfen, brach ein Rückezug die dürren Äste sicher herunter. Anschließend wurde der Stamm mit einer Stammpresse gegen ein Aufplatzen gesichert und der Baum in sechs Metern Höhe mit einer Seilwinde angehängt. Rückezugfahrer Robert Ried stellte sich mit seiner Maschine in 80 Meter Entfernung auf und wartete auf das Signal der Forstwirtschaftsmeister Jonas Hofmann und Michael Fischer, den Baum mit und nach dem Fällschnitt umzuziehen.

Blick in die Zukunft

  • Neuer Lebensraum

    Nachdem der Hauptstamm der bei Palkering gefällten alten Eiche vor Ort in eine eigens gegrabene Mulde kam, bleiben etwa acht Kubikmeter Holz der Natur inklusive grüner und dürrer Äste. Sie werden künftiger Lebensraum für Moose, Flechten, Pilze und Insekten werden, so Forstbetriebsleiter Thomas Verron. Es wird Jahrzehnte dauern, bis der Stamm verrottet.

  • Heimat für Käfer

    Mit etwas Glück siedelt sich auch dort der seltene Hirschkäfer an, der altes Eichenholz als Brutraum benötigt. Der Eichenmulm in der späteren Zersetzungsphase bietet auch zahlreichen anderen seltenen Käferarten einen Lebensraum. Somit ließ sich aus der notwendigen Sicherungsaktion heraus immerhin noch eine künftige Symbiose für Mensch und Natur gestalten, so Verron.

Die Idee von Hubert Hecht war es, den Baumstock in 70 Zentimetern Höhe abzuschneiden und den Hauptstamm dahinter gesichert in einer gegrabenen Mulde zu lagern. Künftige Besucher des Naturparks Hirschwald, Kindergarten- und Schulkinder, die von Amts- und Privatwaldförster Anton Preischl hier öfter geführt werden, haben somit die Gelegenheit, sich auf den Stock und Stamm zu setzen, Brotzeit zu machen, die Jahrringe der alten Eiche zu zählen und den Baum am Geruch zu erkennen, blickte Verron nach vorn. Und von dieser Stelle aus habe man auch eine schöne Aussicht auf die Wiesenlandschaft von Palkering mit ihren Streuobstbäumen.

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