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Region Amberg
Sonntag, 19. August 2018 29° 2

Jubiläum

„Der Tag ist ein Tag der Freude“

Die evangelischen Christen in Rieden feiern ihr Gotteshaus, das ihnen nun schon seit 60 Jahren eine religiöse Heimat gibt.

  • Dekan Karlhermann Schötz, Pfarrerin Birgit-Schwalbe-Eberius und Pfarrer Klaus Eberius (von links) gestalteten den Festgottesdienst zur Feier des 60-jährigen Kirchweihjubiläum. Foto: azd
  • Dekan Karlhermann Schötz spendete zum Abschluss des Festgottesdienstes den Segen. Foto: azd
  • Nach dem Festgottesdienst wurde mit Kaffee und Kuchen, Brotzeit und Getränken weitergefeiert. An der Kirchenmauer ist im Hintergrund das Kreuz zu sehen, welches aus den Achsen eines Fuhrwerks, das 1945 auf der Flucht aus Ostdeutschland dabei war, geschmiedet wurde. Foto: azd
  • Pfarrerin Birgit-Schwalbe-Eberius und Pfarrer Klaus Eberius nach dem Festgottesdienst im Gespräch mit den Bürgermeistern von Hohenburg und Rieden. Foto: azd

Rieden.. Für die wenigen Protestanten im Vilstal wurden seit 1918 in einem Betsaal im Schloss Vilswörth regelmäßig Gottesdienste gehalten.

Das Schloss Vilswörth. Dort stand von 1918 bis 1947 den evangelischen Christen ein Betsaal zur Verfügung. Foto: azd
Das Schloss Vilswörth. Dort stand von 1918 bis 1947 den evangelischen Christen ein Betsaal zur Verfügung. Foto: azd

Von den vielen Vertriebenen des 2. Weltkriegs fanden viele auch im Vilstal eine neue Heimat. Die evangelischen Gläubigen durften in Rieden, Schmidmühlen und Ebermannsdorf Gastrecht in katholischen Gotteshäusern genießen.

Nach dem 2. Weltkrieg konnten in der St. Georg-Kirche in Rieden die evangelischen Christen Gottesdienste und Konfirmation feiern. Foto: azd
Nach dem 2. Weltkrieg konnten in der St. Georg-Kirche in Rieden die evangelischen Christen Gottesdienste und Konfirmation feiern. Foto: azd

Pfarrer Klaus Eberius erinnert: „Alle katholischen Kollegen kamen uns entgegen, gaben uns Platz, ließen uns in ihren Kirchen, in Rieden in der St. Georg-Kirche, Gottesdienste und Konfirmation feiern.“

Grundstück als erster Schritt

Am 10. Januar 1953 wurde eine Tochtergemeinde Rieden gebildet, die damals etwa 800 Gemeindeglieder zählte. Ihrem langgehegten Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus kam die kleine Gemeinde im Sommer 1955 ein ganzes Stück näher, als die Witwe von Michael Singer der Kirchengemeinde ein Grundstück zur Verfügung stellte.

 Am Sonntag, dem 20. Juli 1958 wurde die Paul-Gerhardt-Kirche in Riede eingeweiht. Foto: azd
Am Sonntag, dem 20. Juli 1958 wurde die Paul-Gerhardt-Kirche in Riede eingeweiht. Foto: azd

Der Entwurf des Regierungsbaumeister Gustav Gsänger fand die Zustimmung des Landeskirchenamts. Ganz auf die landschaftliche Umgebung des Geländes abgestimmt, entwarf Gsänger ein ebenso reizvolles wie eigenwilliges Gotteshaus: Durch die schräg gesetzten Seitenwände verengt sich der Kirchenraum konisch zum Altar hin. Das Dachgebälk bleibt sichtbar und vermittelt dem Kirchenbesucher so den Eindruck eines Zeltes. Am 20. Juli 1958 konnte die Paul-Gerhardt-Kirche eingeweiht werden.

„Danken wollen wir besonders aber denen, die es damals gewagt haben ihren Traum umzusetzen und diese einmalige und wunderschöne Kirche gebaut haben,“ sagte Pfarrerin Birgit-Schwalbe-Eberius. foto: azd
„Danken wollen wir besonders aber denen, die es damals gewagt haben ihren Traum umzusetzen und diese einmalige und wunderschöne Kirche gebaut haben,“ sagte Pfarrerin Birgit-Schwalbe-Eberius. foto: azd

Mit einem Festgottesdienst feierte am Pfingstsonntag die evangelische Kirchengemeinde das 60-jährige Kirchweihjubiläum der Paul-Gerhardt-Kirche. „Herzlich willkommen“ hieß Pfarrerin Birgit-Schwalbe-Eberius neben Dekan Karlhermann Schötz viele Gläubige und zahlreiche Ehrengäste. „Nach der Erfahrung von Vertreibung und Flucht, nach dem allmählichen Ansässigwerden im Vils- und Lauterachtal, hatten die Evangelischen den Wunsch, auch geistlich ganz heimisch zu werden, ein eigenes Dach für ihren Glauben zu haben,“ betonte sie.

Der Posaunenchor unter Leitung von Sabine Müller und Svitlana Kamenetska an der Orgel umrahmten musikalisch den Festgottesdienst. Foto: azd
Der Posaunenchor unter Leitung von Sabine Müller und Svitlana Kamenetska an der Orgel umrahmten musikalisch den Festgottesdienst. Foto: azd

Und so konnte nach Grundsteinlegung am Reformationstag 1957 bereits am 20. Juli 1958 die Kirche eingeweiht werden. „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt …“, sangen eingangs alle, begleitet vom Posaunenchor unter Leitung von Sabine Müller und Svitlana Kamenetska an der Orgel, die den Gottesdienst musikalisch umrahmten.

Dieser Tag ist ein Tag der Freude, den wir feiern,“ hob Dekan Karlhermann Schötz bei seiner Predigt hervor. Foto: azd
Dieser Tag ist ein Tag der Freude, den wir feiern,“ hob Dekan Karlhermann Schötz bei seiner Predigt hervor. Foto: azd

„Dieser Tag ist ein Tag der Freude, den wir feiern,“ hob Dekan Karlhermann Schötz bei seiner Predigt hervor und erinnerte an das Wort des Propheten Nehemia „Die Freude am Herrn ist eure Stärke.“

Freude am Jubeltag

Dieses Bibelwort wollte er auslegen, indem er – und was liege in einer Paul-Gerhardt-Kirche näher – das Pfingstlied „Zieh ein zu deinen Toren“ dieses großen Dichters wählte. Paul Gerhardt helfe damit zu begreifen, was es bedeute, wenn man bekenne „Ich glaube an den Heiligen Geist.“ In trostloser Zeit bekenne der Dichter „Du bist ein Geist der Freuden, von Trauern hältst du nichts.“ Dies, so Dekan Schötz, passe zum heutigen Jubeltag. Es sei eine Grundaussage, die unter heutigen Verhältnissen eine hohe Aktualität besitze. Denn „ich habe den Eindruck, über der Christenheit liege hier in Westeuropa ein freudloses Gelähmtsein“.

Dekan Karlhermann Schötz wurde in seinen Predigtworten aber auch tagesaktuell. Zum Nahostkonflikt betonte er: „Alle Versuche zu einem gerechten Frieden für Israelis und Palästinenser zu kommen, sind bisher an der Sturheit der führenden Politiker gescheitert.“

Bei Kaffee und Kuchen, Weißwürsten, Wienern, Obatzdem. Lutherbier und nichtalkoholischen Getränken wurde nach dem Gottesdienst das Kirchwehjubiläum weitergefeiert. Foto: azd
Bei Kaffee und Kuchen, Weißwürsten, Wienern, Obatzdem. Lutherbier und nichtalkoholischen Getränken wurde nach dem Gottesdienst das Kirchwehjubiläum weitergefeiert. Foto: azd

Nach Abendmahl und Segen dankte Pfarrerin Birgit-Schwalbe-Eberius allen, „besonders aber denen, die es damals gewagt haben ihren Traum umzusetzen und die diese einmalige und wunderschöne Kirche gebaut haben.“ Anschließend lud sie dazu ein, bei Kaffee und Kuchen, Brotzeiten, Lutherbier und nichtalkoholischen Getränken weiter zu feiern. (azd)

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