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Initiative

„Dicke Luft“ beim Lernen muss nicht sein

Bei einem neuen Schulprojekt des ZEN Ensdorf geht es um das richtige Lüften. Schmidmühlener Grundschüler sind schon fit.
Von Hubert Söllner

Die Ergebnisse halten die Schüler in einem Messprotokoll fest. Foto: azd
Die Ergebnisse halten die Schüler in einem Messprotokoll fest. Foto: azd

Ensdorf.Es ist eine altbekannte Tatsache, dass frische Luft für Gesundheit und Geist sehr wichtig ist. Das gilt besonders für das Klima in Klassenzimmern. Die Lehrer wissen das und handeln danach. Dennoch nahm die Arbeitsgemeinschaft Schule des Zentrums für Erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit (ZEN) Ensdorf nun das Thema „Gute Luft im Klassenzimmer“ in ihren Angebotskatalog auf. Wenn nämlich der CO2-Gehalt der Luft in den Räumen mit einem entsprechenden Gerät gemessen wird, ergeben sich erstaunliche, sicher von den meisten Beobachtern unerwartete Ergebnisse.

Wie der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Schule, Manfred Klemm, berichtete, gestaltete unter dem Motto „Lüften, aber richtig!“ die Erasmus-Grasser-Grundschule Schmidmühlen in Kooperation mit dem ZEN in Ensdorf im Rahmen des Projekts „Energieschule Amberg-Sulzbach“ ein Unterrichtsangebot zum Thema. Förderlehrerin Eva Lichtenegger gehört zu jenen Lehrkräften, die frischen Wind in die Klassenzimmer bringen wollen.

Sie übernahm den Start der Maßnahme an ihrer Schule. Gespannt nahmen die Schüler der 3. bzw. 4. Klasse die Luft in ihrem Klassenzimmer unter die Lupe. „Gerade im Schulalltag ist dicke Luft für die Kinder ein ständiger Begleiter“, stellte die Lehrerin fest. Für Grundschüler hat sie ihr komplexes Wissen so anschaulich aufbereitet, dass auch schon Dritt- und Viertklässler damit etwas anfangen können.

Messgerät zeigt auch Unsichtbares an

Solche Messgeräte zeigen den CO2-Wert, die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit mit einer Ampelfunktion (grün – gelb – rot) an. Foto: azd
Solche Messgeräte zeigen den CO2-Wert, die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit mit einer Ampelfunktion (grün – gelb – rot) an. Foto: azd

Die Mädchen und Buben näherten sich der Raumklima-Lage mit einem Brainstorming und listeten die Bestandteile der Luft auf. Durch Messungen fanden die neugierigen Kinder selbst heraus, wie sie bedarfsgerecht lüften können, und lernten dabei auch, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsmangel vorzubeugen.

Meistens wird in Schulen über die Fenster gelüftet. Messreihen der CO2-Konzentration in Schulen wie in Nürnberg zeigen, dass vor allem in der Heizperiode Oktober bis März die CO2-Konzentrationen über weite Teile des Unterrichts im Bereich hygienisch auffälliger 1000 bis 2000 ppm und hygienisch inakzeptabler Werte über 2000 ppm liegen. Bei einer Konzentration von 1200 ppm (parts per million – „Teile von einer Million“) müsste unbedingt gelüftet werden.

Kinder über Neugier erreichen

Im Klassenzimmer von Lehrerin Eva Lichtenegger wurde eine sogenannte CO2-Ampel mit Datenlogger aufgestellt. Sie zeigt optisch und akustisch an, wann es Zeit wird, das Klassenzimmer zu lüften. Mit diesem CO2-Messgerät wird für die Schüler bisher Unsichtbares „sichtbar“: Strömung, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Kohlendioxid. Bei 800 ppm leuchtet sie gelb. Ab 1200 ppm springt sie auf Rot. Steigt der Kohlendioxid-Gehalt, sinkt die Konzentrationsfähigkeit und das Lernen fällt schwerer. Für mehrere Tage bleibt eine solche Ampel im Klassenzimmer: So werden die Kinder für richtiges Lüften sensibilisiert.

Der praxisorientierte Lösungsansatz der Pädagogin: Neugier wecken – selbst messen und Ergebnis ins Diagramm eintragen. Das Gerät mit dem CO2-Messdisplay und Datenlogger erfasst die Tagesverläufe des CO2-Gehalts in der Luft. Das ist Lichtenegger zufolge Voraussetzung dafür, einen Lüftungswettbewerb in der 3. und 4. Klasse zu starten, um die Klasse mit den besten Lüftungsaktivitäten herauszufinden. Schulleiterin Ursula Braun unterstützt die Kinder: „Durch die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden wird die Grundlage für engagiertes Arbeiten und erfolgreiches Lernen geschaffen.“

Das Schulprojekt

  • Ziele

    Zunächst zielt das neue Energieschule-Projekt der Arbeitsgemeinschaft Schule des ZEN Ensdorf darauf ab, Schüler und Lehrer für die Thematik zu sensibilisieren. Praktische Folge muss die Einführung eines Lüftungsdienstes sein. Schließlich soll sich das „Lüften, aber richtig!“ als Selbstverständlichkeit in allen Schulen in der Region etablieren.

  • Bewertung

    Zum Projekt „Gute Luft im Klassenzimmer“ betont Landrat Richard Reisinger ausdrücklich die Bedeutung der Energiebildung in den Schulen. „Um das Klimaschutzkonzept mit ehrgeizigen Zielen und die Energiewende im Landkreis nachhaltig zu verankern, muss Energie- und Klimabildung bei den Jüngsten jetzt einsetzen, wenn sie 2035 wirken soll!“

Lüftungsdienst einrichten

Und was nehmen die Schüler in Bezug auf ihr künftiges Verhalten mit? Die Einrichtung eines Lüftungsdienstes. „Keine gekippten Fenster! Es findet kein richtiger Luftaustausch statt, Energie geht verloren. Es ist besser, dass wir die Fenster und die Tür ganz öffnen“, brachte es Rebekka aus der 3. Klasse auf den Punkt.

Auch in der Krötensee-Mittelschule in Sulzbach-Rosenberg ist das Raumklima richtig in. Dort wurde laut Lehrer und AG-Mitglied Hermann Dotzler die CO2-Konzentration in der Raumluft in etwa halbstündigen Abständen gemessen. In drei Klassen waren die Lehrer verblüfft, wie schnell und hoch die CO2-Werte steigen und bei richtigem Lüften – quer Lüften, Fenster und Türen auf – wieder in den grünen Bereich fallen.

Auch die Suche nach „Energiefressern“ gehört zu den Schulprojekten des ZEN.

Das Projekt Energieschulen im Landkreis Amberg-Sulzbach.

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