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Kunst

Die ’68er werden wieder lebendig

Seit Freitag ist die Ausstellung „Amberg progressiv ’68’18“ im Amberger Kulturstift zu sehen. Sie wirkt wie eine Zeitreise.
Von Karin Hegen

Großer Besucherandrang herrschte bei der Ausstellungseröffnung im Kulturstift. Foto: Karin Hegen
Großer Besucherandrang herrschte bei der Ausstellungseröffnung im Kulturstift. Foto: Karin Hegen

Amberg.Große Mengen Weintrauben und Käsestücke fallen beim Betreten des Kulturstifts als erstes ins Auge. Dazu holt sich mancher noch ein Glas Wein und schlängelt sich durch die Besucher. Beinahe stolpert eine Dame über das Objekt von Professor Gerhard Wendland, das sich am Boden äußerst ästhetisch, aber halt auch gefährdet befindet.

Die Räume, in denen die Ausstellung „Amberg progressiv ’68’18“ am Freitagabend eröffnet wird, platzen beinahe aus allen Nähten. Vor allem Ältere sind gekommen, die sich noch an die damalige Zeit erinnern können. „Lass’ uns mal auf den Fotos schauen, ob wir noch jemanden erkennen“, fordert eine Interessierte ihren Begleiter auf. Zur allgemeinen Einstimmung spielen Cash und Helmut Schuster „How many roads“ und der halbe, textsichere Saal singt mit.

Besucher begutachten die Fotos von 1968. Foto: Karin Hegen
Besucher begutachten die Fotos von 1968. Foto: Karin Hegen

Günter Dollhopf war zu Lebzeiten der Initiator dieser Hommage an eine künstlerische Provokation, die vor 50 Jahren im Baustadel der Stadt ihre Spuren hinterließ. Zu Zeiten, in denen ein Zeichenlehrer Picasso als Pinscher bezeichnete, Brecht zum Kommunisten gemacht wurde und der Stadtrat verhinderte, dass dieser im Stadttheater gespielt wurde. „Man wollte dem Amberger Spießertum etwas vor den Latz knallen“, erzählt Hans Graf, Vorsitzender des A.K.T. und selbst zu jener Zeit als 17-Jähriger auf der Suche nach künstlerischer Freiheit.

Wiedererkennen beim Blick auf die Werke

Mithilfe seiner rührigen Mitglieder hat man die heute ausgestellten Werke zusammengetragen. Manche wurden auf Mutterns Dachboden gesucht und gefunden „...was man ganz deutlich sieht“ so Graf. Das Grundprinzip ist, dass nur Originale, die ’68 hingen, wieder zu Ehren kommen. Bei Griebl ist es nicht gelungen, er hat einfach zwei ausgesucht und mitgegeben. Anders sieht die Sache bei Heini Hohl aus. Er war Debütant bei „Amberg progressiv“ und es gibt ein klares Wiedererkennen beim Blick auf seine Werke, die ein halbes Jahrhundert zurückliegen.

„Man wollte dem Amberger Spießertum etwas vor den Latz knallen.“

Hans Graf, Vorsitzender des A.K.T

Einen Besuchermagneten hatte man damals auch: die Malmaschine. Diese existiert nicht mehr, wurde aber vom „Bastler“ Stefan Stock nachgebaut und im Hof des Kulturstifts installiert. „Das war keine gute Idee, die hier bei der schlechten Beleuchtung hinzustellen“, lacht er und pfriemelt mit bekleckerten Händen an den Farbkartuschen herum. Das erste „Werk“ zieht er aus der Trommel und hängt es zum Trocknen auf. Dieses „sich selbst nicht zu ernst nehmen“ ist ein angenehmer Grundton, der bei dieser Reise zurück in die Kunstgeschichte der Stadt Amberg mitschwingt und diese Ausstellung für alle Altersklassen sehenswert macht.

Film, der Widerstand hervorrief

Auf den am folgenden Tag ausgestrahlten Film „Kollisionen“ macht Hans Graf besonders aufmerksam, denn dieser sei „...damals dringend notwendig“ gewesen. Durch den Widerstand der Stadt und dem drohenden Verbot bekam er so viel Aufmerksamkeit, dass man ihn mehrmals ausstrahlen musste. Zudem wird im November mit einer Theateraufführung einer zweiten „zeitgenössischen“ Kunstausstellung und abschließender Podiumsdiskussion das runde Jubiläum der damaligen Revoluzzer gebührend geehrt.

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