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Geschichte

Die Gemeinde Bergheim lebt weiter

Die Burg war Keimzelle für den Ort nahe Schmidmühlen. Die Kirche im Übungsplatz Hohenfels ist ein Refugium für Fledermäuse.
von Josef Popp

„Abschied von Bergheim im Jahre 1939“ überschrieb der Fotograf diese Ansicht seines Heimatdorfes vom südlich gelegenen Petersberg. Foto: Archiv Markt Schmidmühlen/ Heimatkundlicher Arbeitskreis
„Abschied von Bergheim im Jahre 1939“ überschrieb der Fotograf diese Ansicht seines Heimatdorfes vom südlich gelegenen Petersberg. Foto: Archiv Markt Schmidmühlen/ Heimatkundlicher Arbeitskreis

Schmidmühlen.Eigentlich gehören sie längst der Geschichte an – die Dörfer und Weiler im Truppenübungsplatz Hohenfels. Nur wenige Menschen leben noch, denen diese Siedlungen eine Heimat waren. Aber dennoch: Das Interesse an den alten Orten, an deren Geschichte, den Geschichten der Häuser und Familien ist nach wie vor groß. So ist es auch bei der „Nachbargemeinde“ von Schmidmühlen, der ehemaligen Gemeinde Bergheim. Deren Geschichte ist durchaus interessant. Und sie rückte im Jahr 2013 bayernweit in den Fokus der Öffentlichkeit. Dieser Gemeinde widmet auch der Heimatkalender für das Jahr 2019 ein Foto.

Die Kirche St. Ägidius war eine Ruine, bevor sie renoviert wurde. Foto: Popp
Die Kirche St. Ägidius war eine Ruine, bevor sie renoviert wurde. Foto: Popp

Der Blick geht in den Truppenübungsplatz Hohenfels, zur ehemaligen Gemeinde Bergheim mit ihrer Kirche. Sie war wie die Pfarrkirche in Schmidmühlen dem Heiligen Ägidius geweiht. Die Gemeinde Bergheim umfasste die Orte Bergheim, Böhmöd, Fischereis, Madöd, Reiteröd, Schneideröd, Neuhof und Waltersheim. Das Gemeindegebiet war knapp 700 Hektar groß. Bergheim lag bei der Gründung des Truppenübungsplatzes in der Ablösezone II und musste 1939 komplett geräumt werden. 17 Anwesen mit 82 Einwohnern wurden aufgelöst beziehungsweise ausgesiedelt.

1951 kam das endgültige Aus

Während des Krieges war das Dorf vom militärischen Übungsbetrieb weitgehend verschont, so dass die Höfe unbeschadet erhalten blieben und nach dem Krieg von Flüchtlingen aus dem Böhmerwald wiederbesiedelt werden konnten. Im Zug der neuen militärischen Inanspruchnahme des Geländes mussten diese „Neusiedler“ im Jahr 1951 mit 61 Familienangehörigen ihre vorübergehend neue Heimat verlassen. Bergheim hörte auf als Ort und Gemeinde zu existieren.

Die Gemeinde gehörte zur Pfarrei Schmidmühlen. Die Kinder gingen auch nach Schmidmühlen in die Schule. Ursprünglich gehörte Bergheim zur Pfarrei Vilshofen, wurde aber 1813 von dort nach Schmidmühlen umgepfarrt.

Geschichte

Das Café Walbert ist schon legendär

1948 haben Guste und Wenzel Walbert in Schmidmühlen ihr Café eröffnet. Auf dem ersten Fernseher im Ort lief die Tagesschau.

Auch kleine Orte haben eine interessante Geschichte, wie Bergheim zeigt. Die Entstehung der Ortschaft dürfte in die Zeit des neunten bis zwölften Jahrhunderts einzuordnen sein. Es war damals ein Adelssitz der Perkheimer mit einer Burg, einer Burgkapelle, vielen Wirtschaftsgebäuden und Bauernhäusern. Sicher kann man aus historischen Quellen nachweisen, dass hier bereits sehr früh eine Burg existierte. Die Reste der Befestigungsanlage sind noch in Fragmenten zu erkennen. Die Burg war einst der Sitz des Edelgeschlechts der Perkheimer („Edlen de Perkheim“), die seit Karl dem Großen die Hoch- und Altstraße Hersbruck – Lauterhofen – Hohenburg – Schmidmühlen – Fromberg bewachten.

MZ-Spezial zum Heimatkalender Schmidmühlen: Spannende Geschichten, neue Entdeckungen und viel Interessantes über die Menschen und das Leben im Markt Schmidmühlen in früheren Jahren erzählen historische Fotos.

Von diesem Geschlecht der „Perkheimer“ stammt wohl auch der Name Bergheim. Erste urkundliche Zeugen sind Dietrich und Berthold de Perkheim, Ende des zwölften Jahrhunderts. Otto de Perkheim (1177 bis 1201) übergab dann als Besitzer der Hofmark seine Ansprüche dem Kloster St. Emmeram in Regensburg. 200 Jahre lang war Bergheim im Besitz dieses Klosters.

1403 und 1404 sitzen die Geblstorfer Pfleger zu Lutzmannstein von Hohenburg für Heinrich Meisse von „Pülnhofen“ in Perkheim.

„Es ist ein einzigartiges Projekt, was die Zusammenarbeit Naturschutz und Denkmalschutz betrifft.“

Hubert Weinzierl, früherer Vorsitzender des Bund Naturschutz

Nach einer Urkunde, die im Staatsarchiv München aufbewahrt wird (Gerichtsklage), werden die Amringer 1466 als Ritter und Landsassen in Perkheim geführt. Diese stifteten die Allerseelenbruderschaftskirche in Vilshofen. Im Lauf der Jahrhunderte wechselten die Landsassen: die Geblstorfer, die Amringer, die Bertholdshofer, die Gleißenthaler oder wie 1532 Hans Adam Wiesbeck. Ab 1711 war der kaiserliche Kämmerer Wilhelm Franz von Spiering Landsass in Bergheim. 1780 verkaufte von Spiering den Besitz Perkheim an das Kloster Pielenhofen.

Diese Herrschaft wirkte sich äußerst positiv auf Bergheim aus. Bis 1805 wurden sechs Höfe auf dem damaligen Burgplatz erbaut. Auf die Pielenhofer Herrschaft geht vermutlich auch der Bau des gotischen Chores und des Zwiebelturms der Kirche zurück. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurde der Ort allerdings zerstört. Als einziges Gebäude ist die Kirche übrig geblieben. Diese wurde 1972 gesprengt.

Beispielhaftes Projekt

Hubert Weinzierl übergab 2013 die Auszeichnung an Dr. Markus Perpeet. LTC John J. Strange, Kommandeur USAG Hohenfels freut sich sichtlich. Foto: Archiv Josef Popp
Hubert Weinzierl übergab 2013 die Auszeichnung an Dr. Markus Perpeet. LTC John J. Strange, Kommandeur USAG Hohenfels freut sich sichtlich. Foto: Archiv Josef Popp

Eine ungewöhnliche Fortsetzung fand die Geschichte der Ortschaft und der Kirche in den Jahren 2012 und 2013. Eigentlich war das Bauwerk dem Verfall preisgegeben – bis es eine neue „Nutzung“ erfuhr, nämlich als „Fledermauskirche“. Für das Projekt „Wiederaufbau der Kirchenruine Bergheim als Fledermausquartier“ erhielt im Sommer 2013 die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben die Auszeichnung als Projekt der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“. Die Auszeichnung wurde bei einer Feierstunde in Bergheim von Hubert Weinzierl (Ehrenpräsident des Bund Naturschutz) an Dr. Markus Perpeet, den Leiter des Bundesforstbetriebes Hohenfels, übergeben. Diese Ehrung wird für Projekte verliehen, die sich in nachahmenswerter Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen.

Der Wiederaufbau der Kirche Bergheim erfolgte von Juli 2012 bis Anfang November 2012. Ziel war es, eine Wochenstube für die vom Aussterben bedrohte Große Hufeisennase auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels zu schaffen, um damit einen wichtigen Beitrag zum Fledermausschutz in Bayern zu leisten. LTC John J. Strange, Kommandeur USAG Hohenfels, sah in diesem Projekt sogar eine europäische Dimension, wie er damals sagte.

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