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Tradition

Die Lauterach wird ein Lichtermeer

In Schmidmühlen hat es vielfältige Bräuche rund um Allerseelen gegeben. Das „Allerseelenschiffchen“ wurde 2002 neu belebt.
Von Josef Popp

Am Allerseelentag gedenken Kinder und Jugendliche mit den Allerseelenschiffchen ihrer Verstorbenen.  Foto: Josef Popp
Am Allerseelentag gedenken Kinder und Jugendliche mit den Allerseelenschiffchen ihrer Verstorbenen. Foto: Josef Popp

Schmidmühlen.Der November gilt als „stiller“ Monat. Das liegt an den Feiertagen wie Allerheiligen, Allerseelen, Totensonntag oder auch Volkstrauertag. Das Nachdenken über den Tod und das Gedenken an die Toten rücken in den Vordergrund. Auch viel weltliches Brauchtum hat sich besonders für Allerheiligen und Allerseelen herausgebildet.

Im Jahr 2002 wurde nach einem fast 60 Jahre dauernden Dornröschenschlaf in Schmidmühlen das Allerseelenschiffchen neu belebt. In Schmidmühlen war es ein christlicher Brauch, dass früher in der Allerseelenwoche jeden Tag in der Friedhofkirche St. Georg ein Rosenkranz gebetet wurde. Da es noch bis in die 1940er-Jahre nicht in jeder kleinen Kirche elektrischen Strom gab, brannten auf den Kirchenbänken kleine Kerzen und Wachstöckeln. Diese Rosenkranzgebete waren immer gut besucht. Mit in der Kirche waren natürlich auch die Kinder der Pfarrei, die vielleicht weniger Interesse am Rosenkranzgebet hatten, sich wohl vielmehr auf das Ende gefreut haben. Das hatte durchaus seinen Grund, wie sich Ortsheimatpfleger Michael Koller erinnerte.

Kerzen auf der Lauterach

Nach dem Rosenkranz nahmen die Kinder – vor allem waren es Buben – die brennenden Kerzen und Wachsstöckl mit aus der Kirche, setzten sie auf kleine Rindenschiffchen oder Holzbretter, und ließen sie auf der Lauterach schwimmen. Dies geschah vereinzelt nach jedem Rosenkranz. Am Allerseelentag wurden dann nach dem Rosenkranz von allen Kindern die Allerseelenschiffchen mit Kerzen auf ihre Reise geschickt. Das Einsetzen in die Lauterach bot sich geradezu an. Die Friedhofskirche ist von der Lauterach nur einen Steinwurf entfernt.

Überhaupt gab es in Schmidmühlen ein vielfältiges Allerseelenbrauchtum, so auch das Allerseelenbetteln oder das Backen der Allerseelenspitzel. Mit dem 2. Weltkrieg kam das Ende für das Allerseelenschiffchen. Aus Angst vor Luftangriffen wurde offenes Licht verboten. Dieser alte Brauch, so ist man heute noch in Schmidmühlen überzeugt, sieht die Wurzeln des Allerseelenschiffchens mit Sicherheit in der tiefen Gläubigkeit der damals lebenden Leute. Der Brauch hat sicher einen tiefen theologischen Hintergrund. Zumal vor dem „Ins-Wasser-setzen“ der Schiffchen mit den Erwachsenen und Kindern ein Rosenkranz in der Friedhofkirche gebetet wurde. Nur um eine Gaudi oder einen „Event“ zu machen – dazu war die Zeit in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts mit Blick auf Armut, harte Arbeit und die aufkeimende Diktatur einfach nicht.

Zu einem „Leben am Fluss“ gehört auch das „Sterben am Fluss“. Heute ist dieser Brauch fast wie eine Licht- oder Naturmeditation. Das Allerseelenschiffchen wird und soll auch weiterhin auf einfache Weise praktiziert werden: keine Show, kein Rummel, kein Kommerz. Dies soll auch unter der neuen Vorsitzenden Martina De Wille so bleiben. Sicher sind sich die Organisatoren allemal: Mit dem ruhigen Dahingleiten der leuchtenden Schiffchen auf der Lauterach gleiten viele Gedanken zu den Verstorbenen.

Christliches Gedenken

Zwar wird in der St. Georgskirche kein Rosenkranz gebetet, aber dem Einsetzten der Schiffchen geht ein Gottesdienst in der Pfarrkirche voraus. Es ist ein erlebnisreicher Augenblick, wenn bis zu 100 Allerseelenschiffchen die Lauterach in ein mystisches Lichtermeer verwandeln. Bei diesem Brauch sind verschiedene Generationen in Gedanken und im Gedenken an die Verstorbenen vereint. Bereits bei der Einführung des Brauchs legte der Kulturverein großen Wert darauf, dass dieser Brauch einhergeht mit dem christlichen Gedenken, so wie es früher war.

Der Allerseelentag

  • Teilnehmer:

    Auch Kinder und Jugendliche aus den Nachbargemeinden dürfen teilnehmen. Alle werden gebeten, Taschenlampen mitzubringen und auf geeignete, feste Schuhe zu achten. (ajp)

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