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Bildung

Die Mittelschulen sind in Gefahr

Die künftige sechste Klasse an Wirtschaftsschulen macht Sorgen. Die SPD Ensdorf organisierte eine Diskussion mit Fachleuten.
Von Hubert Söllner

„Still und leise werden weitere Mittelschulen im Landkreis verschwinden, da ihnen auch die Schüler durch diese eklatante Fehlentscheidung der Staatsregierung, die Einführung der 6. Jahrgangsstufe der Wirtschaftsschule, fehlen werden“, betonte Albert Schindlbeck, BLLV-Kreisvorsitzender Amberg-Stadt. Er saß mit Innungsobermeister Richard Siegler, Schulleiterin Michaela Bergmann und SPD-Vorsitzenden Hans Ram (v.r.) im Podium. Foto: Hubert Söllner
„Still und leise werden weitere Mittelschulen im Landkreis verschwinden, da ihnen auch die Schüler durch diese eklatante Fehlentscheidung der Staatsregierung, die Einführung der 6. Jahrgangsstufe der Wirtschaftsschule, fehlen werden“, betonte Albert Schindlbeck, BLLV-Kreisvorsitzender Amberg-Stadt. Er saß mit Innungsobermeister Richard Siegler, Schulleiterin Michaela Bergmann und SPD-Vorsitzenden Hans Ram (v.r.) im Podium. Foto: Hubert Söllner

Ensdorf.Bei einer Informationsveranstaltung des SPD-Ortsvereins übte Vorsitzender Hans Ram harsche Kritik an der Entscheidung der bayerischen Staatsregierung, die Wirtschaftsschule mit der 6. Jahrgangsstufe beginnen zu lassen. „Wir wollen nicht jammern“, betonte er, „aber wir wünschen, dass unsere Mittelschulen auf dem Land eine faire Chance erhalten, um von Eltern und Kindern auch angenommen zu werden“.

Wenn nun betont werde, dass diese Neuerung nur drei Prozent der Schüler betreffe, so müsse man bei genauerer Betrachtung der einzügigen Mittelschulen auf dem Land feststellen, dass das Fehlen dieser drei Prozent an Schülern das Aus für manchen Standort bedeuten könne.

Schulsterben beschleunigt

Nach den Angaben von Albert Schindlbeck könnte auch die Mittelschule Ensdorf betroffen sein.  Archivfoto: Hans Babl
Nach den Angaben von Albert Schindlbeck könnte auch die Mittelschule Ensdorf betroffen sein. Archivfoto: Hans Babl

Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal der Mittelschulen sei die starke Berufsorientierung, sagte Ram. Deshalb waren neben Albert Schindlbeck, dem Kreisvorsitzenden des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) Amberg-Stadt, und Michaela Bergmann, der BLLV-Kreisvorsitzenden Amberg-Land, auch der Innungsobermeister der Schreinerinnung Amberg, Richard Siegler, als Referenten gekommen. Siegler sprach zur Entwicklung der Berufsausbildung in ländlichen Gemeinden.

Bildung

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„Mit einem früheren Beginn der Wirtschaftsschule wird der Mittelschule erheblicher Schaden zugefügt und das Schulsterben beschleunigt“, brachte es Albert Schindlbeck aus seiner Sicht auf den Punkt. Voraussichtlich würden weitere Mittelschulen im Landkreis „still und leise verschwinden, da ihnen auch die Schüler durch diese eklatante Fehlentscheidung der Staatsregierung fehlen werden“.

Schindlbecks Darstellung erregte den Widerspruch einer Vertreterin der Amberger Wirtschaftsschule. Sie legte ihre Meinung detailliert dar und war dabei der Ansicht, drei Prozent Schülerverlust seien zu gering für Schließungen von Mittelschulen.

Zahlen und Fakten

  • Mittelschulen:

    Laut Albert Schindl-beck vom BLLV hat es im Schulamtsbezirk Amberg-Sulzbach im Jahr 1970 noch 29 Hauptschulen (Mittelschulen) gegeben. 30 Jahre später sei die Schullandschaft im Landkreis auf 19 Hauptschulen geschrumpft, im September 2019 würde es nur noch zehn geben.

  • Lehrlinge:

    Der Innungsobermeister der Schreinerinnung Amberg, Richard Siegler, zeigte auf, dass im Jahr 1980 im Landkreis Amberg-Sulzbach insgesamt 50 Schreinerlehrlinge ausgebildet wurden, heute seien es nur noch 15. „Und bei Bäckern und Metzgern ist es noch schlimmer“, wusste Siegler.

Michaela Bergmann, Schulleiterin einer Grund- und Mittelschule im Landkreis, erläuterte, die Mittelschulen bekämen ein Budget an Lehrerstunden zugeteilt, die in Lehrstunden pro Schüler aufgeteilt würden. „Aber wir brauchen die Lehrerstunden nach den Klassen“, machte sie deutlich. Zudem würden Grund- und Mittelschulen zu wenige Lehrkräfte zugeteilt. „Ich habe noch nicht erlebt, dass alles perfekt war“, betonte sie. Außerdem würde auch ein anderes Ausbildungsmodell für Pädagogen gebraucht, „damit das Wechseln von Realschullehrern an Mittel- und Grundschulen ohne solche Probleme wie derzeit geht“, sagte Michaela Bergmann.

Der Mangel an Nachwuchs, den das Handwerk größtenteils aus den Mittelschulen bekommt, bereitet dem Innungsobermeister der Schreinerinnung, Richard Siegler, große Sorgen: „Wir könnten höhere Umsatzsteigerungen erzielen, unsere Kunden zeitnaher bedienen, wenn wir mehr Fachkräfte hätten.“ Es sei für Handwerksbetriebe nicht einfach, Auszubildende zu bekommen, viele hielten aber auch nicht durch.

Handwerk braucht Nachwuchs

In der anschließenden Podiumsdiskussion, die der stellvertretende SPD-Ortsvorsitzende Bastian Bartmann leitete, betonte Albert Schindlbeck, dass die Probleme mit Inklusion und Integration an den Mittelschul-Lehrern hängen blieben. Schulleiterin Michaela Bergmann erinnerte an den Fehler, dass über Jahre Lehrer ausgebildet, aber nicht eingestellt wurden. „Jetzt fehlen sie, das ist ein Kardinalfehler.“ Auch seien Lehrer immer in der erzieherischen Pflicht, müssten viel auffangen; zudem sei die Digitalisierung in der Schule angekommen, „wir arbeiten mit Computer und Tablets“.

Dies begrüßte Innungsobermeister Siegler, denn die neue Technik habe auch in den Handwerksbetrieben Einzug gehalten. Er bedauerte das Sterben der Handwerksbetriebe. „Uns ist es egal, aus welcher Schule wir Auszubildende bekommen, das Handwerk braucht einfach Nachwuchs.“

SPD-Vorsitzender Hans Ram betonte zur Wertigkeit der Lehrkräfte: „Der, der das Fundament legt, hat die größte Verantwortung“. Zum Ende der Veranstaltung stellte Albert Schindlbeck die Forderung in den Raum: „Wir wollen für unsere Mittelschulen Bestandsschutz haben und auch, dass Lehrkräftezahlen nach Klassen und nicht nach Schülern berechnet werden.“ (azd)

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