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Die „Mutter der Sozialstation“ verabschiedet sich

Betty Bösl übergibt die Leitung zum Jahresende an Diakon Sellmeyer / Einrichtung ein beispielloses Lebenswerk

  • Wenige Wochen vor ihrem 80. Geburtstag nimmt Betty Bösl (Mitte) Abschied vom aktiven Dienst in der Caritas-Sozialstation, für die sie seit der Gründung als Leiterin tätig war. Für ihre Lebensleistung sprach ihr Stadtpfarrer Hans Peter Bergmann (l.) höchste Anerkennung aus. Diakon Richard Sellmeyer (r.) macht sich ab dem 1. Januar 2006 die Betreuung und Leitung der Sozialstation als Geschäftsführer zu einer seiner Hauptaufgaben.
  • Bis 1985, als die Sozialstation bereits 25 Mitarbeiterinnen zählte, spielte sich der gesamte Dienstbetrieb im Wohnzimmer der Familie Bösl ab.Fotos: asn

Mit seiner Aussage im Extra-Pfarrbrief der Seelsorgeeinheit Hirschau-Ehenfeld, dass man „von Frau Betty Bösl ein großes Erbe“ übernehme, traf Stadtpfarrer Hans-Peter Bergmann den Nagel auf den Kopf. Zugleich klingt auch deutliche Erleichterung darüber aus seinen Worten, dass die Zukunft der Sozialstation gesichert ist. Es sei eine „glückliche Fügung“, dass sich Diakon Richard Sellmeyer verpflichtet hat, die Betreuung und Leitung der Sozialstation zu einer seiner Hauptaufgaben zu machen.

Unterstützt wird er dabei in der Verwaltung durch die Fachwirtin und Bilanzbuchhalterin Gisela König, die diese Aufgabe bereits seit 15 Jahren verantwortungsbewusst und kompetent erfüllt. Die Pflegedienstleitung übernimmt Krankenschwester Angela Wittmann. Sie steht seit 25 Jahren in Diensten der Station und absolvierte im Jahr 2000 die notwendige Pflegedienstleitungsausbildung.

Sozialstation das Lebenswerk

Die Geschichte der Hirschauer Sozialstation wird für immer untrennbar mit dem Namen Betty Bösl verbunden bleiben, der „Mutter der Sozialstation“, wie Pfarrer Bergmanns Vorgänger Norbert Demleitner sie anerkennend nannte. Die Station ist zweifellos ihr Lebenswerk!

Man schrieb das Jahr 1977, als der damals von Betty Bösl geleitete Katholische Frauenbund einen Hauskrankenpflegekurs abhielt. Beim Kursabschluss ermunterte der damalige Stadtpfarrer Edwin Völkl die Frauen, ihre erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten alten, kranken und hilfsbedürftigen Gemeindemitgliedern zugute kommen zu lassen. Um die Organisationsleitung er die Vorsitzende Betty Bösl, die schon seit einigen Monaten „familienpflegerische Einsätze“ koordinierte. Innerhalb kurzer Zeit wurden die Dienste der „Zentrale für ambulante Pflegedienste“ immer stärker nachgefragt.

Bald wurde die Mobilität des Pflegepersonals zum Kernproblem. Bis Ende der 70-er Jahre diente der unentgeltlich zur Verfügung gestellte Privat-R 4 Betty Bösls den Schwestern als Einsatzauto. Das erste von nunmehr heute 50 Dienstfahrzeugen war 1981 ein Weihnachtsgeschenk der Firma AKW. Mit den Fahrzeugen, für deren Anschaffung Betty Bösl immer wieder großherzige Spender fand, legt das Pflegepersonal alljährlich rund 600000 Kilometer zurück. Ein nicht unerheblicher Teil der Fahrleistung wird für die Aktion „Essen auf Rädern“ erbracht, die auf Betreiben Betty Bösls bereits zu Beginn der 80-er Jahre in Angriff genommen wurde. Heute werden täglich bis zu 100 küchenfrische, warme Menüs mit Spezialgeschirren zu den Bedürftigen gebracht.

Kaum war das Mobilitätsproblem gelöst, tat sich immer deutlicher das Raumproblem der „Zentrale für ambulante Pflegedienste“ auf, die 1980 in „Caritas-Sozialstation“ umbenannt worden war. Bis 1985, als die Einrichtung bereits 25 Mitarbeiterinnen zählte, fanden sämtliche dienstlichen Veranstaltungen von den Einsatzbesprechungen über Schulungen bis hin zur Betriebsweihnachtsfeier im Wohnzimmer der Familie Bösl statt.

Eigenes Gebäude errichtet

Betty Bösl machte sich an den Bau eines eigenen Stationsgebäudes, für das Stadtpfarrer Völkl den Baugrund an der Marienstraße zur Verfügung stellte. Bei der Errichtung der beiden Bauabschnitte des Stationsgebäudes in den Jahren 1986/87 bzw. 1992/93 zeigten sich die heimischen Firmen AKW, Gebr. Dorfner und Conrad als großzügige Spender, auch die Stadt Hirschau und die anderen Betreuungsgemeinden Schnaittenbach, Freudenberg, Freihung und Gebenbach, ja sogar die „Glücksspirale“. Betty Bösl kann dank vieler Gönner und Spender den Gebäudekomplex samt der zugehörigen 30 Garagen und dem Fahrzeugpark schuldenfrei an ihre Nachfolger übergeben.

Als besonders wertvoll innerhalb des Gebäudes erweist sich der Unterrichtssaal. Dort werden regelmäßig Aus- und Fortbildungslehrgänge für das Personal sowie Angehörigentreffs, Info-Veranstaltungen zu Pflegethemen und Krankenpflegekurse abgehalten, auch die so genannten „LeA-Kurse“ und die wöchentlichen Zusammenkünfte der „Aktion Lichtstrahl“, die von Betty Bösl letztes Jahr zur Betreuung Demenzkranker ins Leben gerufen wurde.

Pioniergeist bewies Betty Bösl 1990 mit der Einführung von Lehrgängen zur „Heranbildung von Hilfskräften für die hauswirtschaftliche Versorgung in der Altenbetreuung“. Nach hartnäckigen Gesprächen mit dem Arbeitsamt wurde diese Lehrgangsform als Modellprojekt für ganz Deutschland anerkannt und gefördert. Über 500 Frauen haben den erfolgreichen Lehrgangsabschluss zum Einstieg ins Berufsleben genutzt.

Betty Bösls Dank gilt dem Team

Seit den Gründertagen der Station hat Betty Bösl gut 60000 Stunden ehrenamtlich und unentgeltlich als Leiterin der Station gearbeitet – damit ein Zeichen für gelebte Caritas gesetzt. Sie war, wie Gisela König und Angela Wittmann es beim 25. Stationsjubiläum formulierten – „Tag für Tag frühmorgens die erste, die die Station betreten, und spätabends die letzte, die sie verlassen hat“. Besonders dankbar sind die rund 7000 Patienten und deren Angehörige und vor allem auch die Kinder derjenigen Familien, denen Betty Bösl quer durch die ganze Oberpfalz eine „Ersatzmutti“ in Person einer Familienpflegerin zur Verfügung stellte.

Sie selbst ist in aller erster Linie ihrem Mitarbeiterteam dankbar, das tagtäglich „psychische wie physische Schwerstarbeit“ leistet. In den Dank schließt sie die zahllosen Gönner und Förderer ein, ohne die Vieles nicht machbar gewesen wäre.

Lang ist die Liste der Ehrungen und Auszeichnungen, die Betty Bösl in der Vergangenheit erhalten hat. Sie reichen von der Ehrenbürgerwürde der Stadt Hirschau, über die Bayerische Staatsmedaille bis hin zum Bundesverdienstkreuz.

Die Pfarrgemeinde wird Betty Bösl am Samstag, 14. Januar 2006, den verdienten Dank abstatten und ihr im Josefshaus einen würdigen Abschied bereiten. Dem Festakt wird ein Dankgottesdienst in der Stadtpfarrkirche vorausgehen, den Caritas-Direktor Bernhard Piendl zelebrieren wird.

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