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Die Noten lernt er auswendig

Der Musiker Franz Badura erhält gleich zwei hohe Auszeichnungen. Er kämpft gegen eine seltene Augenkrankheit.
Von Gerd Spies

Franz Badura an seinem „Lieblingsstück“, der Trompete. Er lernt wegen seiner Augenkrankheit alle Stücke auswendig.  Foto: Gerd Spies
Franz Badura an seinem „Lieblingsstück“, der Trompete. Er lernt wegen seiner Augenkrankheit alle Stücke auswendig. Foto: Gerd Spies

Amberg.Wer in den vergangenen beiden Wochen bei Franz Badura um einen Gesprächstermin nachfragen wollte, musste sich in Geduld üben. Der Amberger ÖDP-Stadtrat ist gerade ein gefragter Mann und in ganz Deutschland unterwegs. Gleich zwei Auszeichnungen durfte er kürzlich annehmen, das Bundesverdienstkreuz am Bande und die Theodor-Leber-Medaille. Geehrt wurde er für sein Engagement für Menschen mit der seltenen Augenkrankheit „Retinitis Pigmentosa“ , unter der auch er schon seit seiner Jugend leidet.

Etwas versteckt in der Amberger Altstadt, im Erdgeschoss von Fleischbankgässchen 10, befindet sich die Räumlichkeit der „Klangwerkstatt“, einer Amberger Musikschule. Franz Badura, der Inhaber, übt gerade ein paar Töne auf seiner Trompete. Wer dem Musiker zuschaut, käme nicht auf den Gedanken, dass dieser kaum etwas sehen kann. „Wie durch eine stark verschmierte Windschutzscheibe“, sagt er selbst, kann er nur noch die Umgebung wahrnehmen. „Retinitis Pigmentosa“ heißt die seltene Augenkrankheit, die bei dem jetzt 50-jährigen Musiker schon seit seinem 18. Lebensjahr diagnostiziert wurde. Eine Netzhaut-Erkrankung, die er von seiner Mutter geerbt hat, gegen die es bisher keine Medizin gibt. Schleichend führt sie zur vollständigen Blindheit.

Früh Trompete spielen begonnen

Gerade mal 14 Jahre ist Franz Badura alt, als er immer häufiger Schwierigkeiten beim Lesen bekommt. Auch beim Fußballspielen in seinem Heimatverein in Ammerthal werden die Schwierigkeiten immer größer, er sieht den Ball oft nicht mehr richtig. Es beginnt eine jahrelange Odyssee von Augenarzt zu Augenarzt. Bis schließlich kurz vor seinem 18. Geburtstag vom behandelnden Arzt der Augenklinik in Erlangen die niederschmetternde Diagnose kommt: „Sie werden blind, Führerschein brauchen Sie keinen machen!“

Trotzdem legt der Jugendliche sein Abitur am MRG ab, beginnt ein Biologie-Studium in Regensburg. Doch bereits ein Jahr später muss er wegen seiner Augenprobleme abbrechen. In Köln fängt er an, Musik zu studieren. Schon als 14-jähriger Junge hat er die Liebe zur Musik entdeckt, lernt das Trompetenspielen. 1995 schließt er das Diplom in Köln ab, mit der Note 1,0. Und das, obwohl er bei den Prüfungen bereits nicht mehr vom Blatt spielen konnte, alle Noten vorher auswendig lernen musste. Als Diplom-Instrumentalpädagoge gründet er 1996 in Amberg die „Klangwerkstatt“, eine private Musikschule. Zwölf freiberufliche Musiklehrer arbeiten derzeit bei ihm.

Neben der Musikschule ist Badura als freiberuflicher Trompeter viel unterwegs. Bei verschiedenen Anlässen, ob auf Hochzeiten, Beerdigungen oder kirchlichen Feiern, sind seine Trompetenklänge zu hören. Sogar für den emeritierten Papst Benedikt in Rom spielte er schon. Mit dem Organisten Bernhard Müllers hat er einen kongenialen Partner gefunden. „Ich habe mir eine Nische gesucht und die als Trompeter gefunden“, erklärte er. Dass er die Noten vorher auswendig lernen muss, ist natürlich aufwendig. Es schult aber auch sein Gedächtnis, was er gut brauchen kann. Denn im Alltag müsse er sich ja vieles merken, als Ausgleich für seine schlechten Augen.

Die Hoffnung gibt er nicht auf

Geehrt wurde jetzt Badura für sein ehrenamtliches Engagement als Vorstand der „PRO RETINA Deutschland“. Dieser Verein setzt sich für Menschen ein, die von dieser Augenkrankheit „Retinitis Pigmentosa“ betroffen sind.

Die Hoffnung, dass die Medizin noch etwas gegen seine erblich bedingte Augenerkrankung findet, gibt Badura nicht auf. Zumindest für die kommende Generation erhofft er sich positive Forschungsergebnisse. Einen Hoffnungsschimmer gibt es bereits. „Seit einem Jahr ist eine Gen-Therapie für erbliche Netzhauterkrankungen zugelassen worden“, informiert Badura.

Auszeichnungen

  • Theodor-Leber-Medaille:

    Von der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft erhielt Franz Badura in Berlin die Theodor-Leber-Medaille.

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