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Region Amberg
Sonntag, 19. August 2018 28° 2

Engagement

Die Seelen-Helfer gaben tiefe Einblicke

Eindrucksvolle Vorträge fesselten die Besucher in der Historischen Druckerei. Ehrenamtliche stellten dabei ihre Arbeit vor.

Die Stimmen der „Feel The Gang“-Formation um Chorleiterin Kathrin Heidner umrahmten die Vorträge und den Abend in der Druckerei Seidel. Foto: Landkreis
Die Stimmen der „Feel The Gang“-Formation um Chorleiterin Kathrin Heidner umrahmten die Vorträge und den Abend in der Druckerei Seidel. Foto: Landkreis

Sulzbach-Rosenberg.Die Historische Druckerei Seidel in Sulzbach-Rosenberg war dieser Tage Schauplatz für eine Veranstaltung der besonderen Art. Dort, wo sich in Sulzbachs Altstadt normalerweise renommierte Künstler die Klinke in die Hand geben, waren zum einen die Mitarbeiter der Notfallseelsorge und Krisenintervention im Landkreis Amberg-Sulzbach, die Autoren Edith Pickel und Thoralf Fricke, und zum anderen der regional beheimatete Chor „Feel the gang“ zu Gast.

Sie alle zusammen zauberten eine Atmosphäre in das alte Gemäuer, das dem ein oder anderen Besucher gelegentlich sogar ein Tränchen hervorlockte. Peter Bublitz, als Leiter der Notfallseelsorge und Krisenintervention im Landkreis, begrüßte erfreut die zahlreichen Gäste. Um den Besuchern die Arbeit der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) etwas zu veranschaulichen, stellten sich einige der ehrenamtlichen Mitarbeiter vor und beschrieben kurz die Eckpunkte ihrer Arbeit. Gibt man beispielsweise den Begriff „PSNV“ bei Google ein, erscheint folgender Text: Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) ist die Gesamtheit aller Aktionen und Vorkehrungen, die getroffen werden, um Einsatzkräften und notfallbetroffenen Personen (Patienten, Angehörige, Hinterbliebene, Augenzeugen und Ersthelfer) im Bereich der psychosozialen Be- und Verarbeitung von Notfällen zu helfen.

Peter Bublitz betonte: „Wir sind die, die einem Feuerwehrmann, der einen toten Freund aus dem Auto geschnitten hat und daraufhin eine Zeit lang schlecht geschlafen hat, sagen, dass er trotz allem noch ein guter Feuerwehrmann sein kann. Wir sind die, die mit der Polizei zu einer Familie gehen, wenn ein Sohn oder eine Tochter verunglückt ist und nie wieder nach Hause kommt. Wir sind die, die einer Mutter sagen, dass sie dem toten Kind, das sie im Arm hält, durchaus eine Haarsträhne abschneiden darf, weil es das Einzige ist, was ihr von ihrem toten Kind noch bleibt.“

Zwei Praktikantinnen helfen mit

Der Vortrag bot einen kurzen, aber sehr anschaulichen Einblick in die Arbeit der PSNV. Es wurde davon erzählt, wie die Seelen-Helfer alarmiert werden, wer entscheidet, wer in den Einsatz geht oder aber auch, wie die Ehrenamtlichen persönlich mit den Dingen zurechtkommen, die sie im Einsatz erleben. Alle Mitarbeiter der PSNV-Gruppe sind ehrenamtlich tätig. Sie alle arbeiten in ihrer Freizeit für die PSNV und gehen ansonsten einem Beruf nach: Pfarrer und Diakone bilden die Gruppe der Notfallseelsorger. Medizinische Fachangestellte, Krankenschwestern, Hausfrauen, kaufmännische Angestellte oder Handwerker sind die Kriseninterventionshelfer. Es kommt also nicht darauf an, welchem Beruf man im „normalen Leben“ nachgeht, jeder kann dort mitarbeiten. Seit kurzem gehören dem Team auch wieder zwei Praktikantinnen an.

Auch die beiden „Neuen“ mussten eine umfangreiche Ausbildung durchlaufen. Grundkurs in PSNV, Sanitätsausbildung und aktive Rettungsdiensterfahrung sind Voraussetzung dafür, den Fachlehrgang PSNV absolvieren zu können. Nach einer ausführlichen Hospitationszeit darf man sich dann schließlich Kriseninterventionshelfer nennen. Auch Edith Pickel, kaufmännische Angestellte, und Thoralf Fricke, Sozialpädagoge, sind Mitarbeiter bei der Krisenintervention. Pickel im Kreisverband Amberg-Sulzbach, Fricke im Kreisverband Passau. Die beiden hatten sich vor rund zehn Jahren bei einem Fachlehrgang für Psychosoziale Notfallversorgung kennengelernt und eine „Brieffreundschaft“ begonnen.

Im Leben einen Platz finden

Daraus ist im Laufe der Jahre, sozusagen als Nebenprodukt, ein Buch entstanden: „Von Adlern, Hühnern und anderen verrückten Vögeln“ – daraus lasen die beiden einige Episoden vor. Es geht dort nicht um Krisenintervention im herkömmlichen Sinne. Es handelt von Freundschaft, von Sehnsucht und davon im Leben seinen Platz zu finden. Umrahmt und getragen wurde die Veranstaltung aber von den atemberaubenden Stimmen der „Feel The Gang“-Formation um Chorleiterin Kathrin Heidner.

Diejenigen, die nicht schon zu Beginn feuchte Augen hatten, bekamen sie spätestens bei der Interpretation von „Weit weit weg“ oder „Bridge over troubled water“. Aber auch Stücke, wie „Still haven’t found, what I’m looking for“ oder „Up where we belong“ überzeugten von den Fähigkeiten der jungen Frauen. Die Lieder waren perfekt abgestimmt auf die Texte, so dass sich ein runder Hörgenuss entwickelte.

Am Ende konnte die Truppe um Peter Bublitz auf einen gelungenen, zauberhaften Abend blicken, der alle Besucher glücklich in den Abend entließ, der auch die auf Spenden angewiesene Kasse des PSNV-Teams ein wenig aufgefrischt haben dürfte.

Abgerundet hat die Stimmigkeit des ganzen Abends die Versorgung durch das Café Minerva.

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