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Region Amberg
Mittwoch, 18. Juli 2018 28° 3

Musical

Die Starken siegen, doch Hoffnung bleibt

Das Musical „Die Mondnacht“ rüttelt das Publikum in Ursensollen auf, aber magische 90 Minuten mit Darstellern aus der Region begeistern alle restlos.
Von Christina Röttenbacher

  • Das Licht geht aus - ein neues Licht wird symbolisch entzündet, dargestellt von der Magic Shoes Dance Company. Foto: Brückmann
  • Sie wollen ein Lied für eine bessere Welt schreiben. Die drei Hauptdarsteller Selina Mirz als Katy, Regina Spindler als Fiona und Nils Harbusch als Chris. Foto: Brückmann
  • Auf der Bühne agierten neben den Hauptdarstellern auch Mitglieder des Hausener Chors „ProFeel“ sowie der Musikkapelle Ursensollen. Foto: Brückmann

Ursensollen.Wie bei einem Märchen rechnet der Zuschauer auch bei einem Musical mit einem glücklichen Ende. Alle fallen sich in die Arme, das Böse ist besiegt und das Gute kann die Welt retten. Nicht so bei dem Fantasy-Musical „Die Mondnacht“, das am Freitag im Ursensollener Kultur- und Begegnungszentrum Kubus seine Uraufführung feierte. Die dramatische und schockierend unerwartete Schlussszene hinterließ ein aufgerütteltes Publikum. Es war „der starke Arm des Starken“, der Ordnungsmacht, des Militärs, des eingeschränkten Denkens, der in der Mondnacht die Oberhand behielt – und trotzdem den kleinen Funken Hoffnung auf Frieden in der Welt nicht mit vernichten konnte.

Bürgermeister Franz Mädler hatte den Zuschauern, darunter Landrat Richard Reisinger und MdL Reinhold Strobl, nicht zu viel versprochen, als er in seiner Begrüßung dem Komponisten und Autor des Musicals, Maximilian Köpl, den „Friedensgedanken“ als Inspiration für die Musik und den Text unterstellte. „Es ist klasse, dass solch ein wichtiges Thema, der Friede, künstlerisch dargestellt wird.“ Die Bewahrung des Friedens beschäftige die Menschen in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Zu etwas Besonderem würde „Die Mondnacht“ dadurch, dass die Darsteller wie auch der Autor und Komponist aus Ursensollen kommen. „Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass die Aufführung heute gelingt. Du gibst dem Kubus einen Sinn“, dankte Mädler dem Urheber des Musicals.

Dann öffnete sich der Vorhang zu einem magischen, ergreifenden und Gänsehaut verursachenden Musikspiel, das den Zuschauern noch lange in Erinnerung bleiben wird und das – darin bestand nach 90 Minuten Einigkeit – unbedingt über die Grenzen Ursensollens hinaus gezeigt werden müsse. Zu einer eindrucksvollen Bilderschau aus der Galaxis mit Sternennebeln, Sonneneruptionen und Gestirnen begann die Ouvertüre mit einer Lesung zur biblischen Schöpfungsgeschichte. „Die Erde war wüst und leer, und Gott schuf das Licht“.

Dann betritt der Mensch die Bühne der kosmischen Schönheit – mit Kampf und Krieg, mit Opfern und Verzweiflung. Der Vorhang hebt sich, eine Mutter hält ihren gefallenen Sohn im Arm, auf der Leinwand im Hintergrund laufen Filmaufnahmen von Bombardements, von marschierenden Soldaten, von zerstörten Städten. „Du sollst Verantwortung tragen für die Erde“, so der biblische Auftrag. Die Verantwortung haben Generäle und ihre Bomben übernommen.

Nur ein kleines Häuflein, von der Ordnungsmacht unterdrückter Menschen lehnt sich konspirativ gegen „den starken Arm der Starken“ auf. Sie wollen ein Lied komponieren, das die Menschen aufrüttelt, die Machthaber zur Umkehr bewegt und der Welt den Frieden beschert.

Phantastische Musik, ein tänzerisch ausgezeichnetes Ballett, ein ausdrucksstarker Chor und überzeugend agierende Darsteller haben die „Mondnacht“ zu einem Musical geformt, das eine tief gehende Gefühlsbreite verursachte, das Freiraum ließ für die Fantasie der Zuschauer, das in seiner fast naiven Schlichtheit den philosophischen Kern um so deutlicher hervortreten ließ.

Selbst ein General („Männer, harte Männer braucht das Land“) hat ein menschliches Gewissen. Wenn auch nur in der Nacht bei Vollmond. Dann widerruft er seine Angriffsbefehle, um sie in der Nüchternheit des Tages zurückzunehmen. Um dem Gewissenskonflikt zu entgegen, beschließt der General, den Mond mit einer Rakete zu zerstören. Das Häuflein Friedens-Menschen muss dem hilflos zusehen.

Kann die Kunst Frieden schaffen?. Hat die Musik eine Chance, hat die Musik diese Macht?. Der Applaus setzte erst zögerlich, dafür um so frenetischer ein, als sich der Vorhang über eine „Geschichte des Grauens, der Tränen und der Hoffnung“ senkte und ein aufgewühltes Publikum in „Die Mondnacht“ entließ.

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