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Theater

Die verlockende Macht des Geldes

Zum Nachdenken regte die Theatergruppe des MRG Amberg an, die Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ eindrucksvoll spielte.
Von Katharina Augustin und Brigitte Bodensteiner

Eindrucksvoll interpretierten die jungen Schauspieler des MRG Dürrenmatts Werk „Der Besuch der alten Dame“. Foto: Reichert
Eindrucksvoll interpretierten die jungen Schauspieler des MRG Dürrenmatts Werk „Der Besuch der alten Dame“. Foto: Reichert

Amberg.Einmal reich sein. Davon träumen viele Menschen. So auch die Bürger der Stadt Güllen. „Der Besuch der alten Dame“, dem Klassiker von Friedrich Dürrenmatt, hat sich die Theatergruppe des Max-Reger-Gymnasiums bei den Schultheatertagen 2018 angenommen.

Früher ist alles besser gewesen, darüber sind sich die Stadtbewohner (überzeugend: Samara Stapler, Nina Ringer, Nadja Rein und Paula Keppler) einig. Mittlerweile ist der Pfändungsbeamte (authentisch gespielt: Greta Reber) ein unbeliebter Dauergast in dem verarmten Nest.

Hoffnung geweckt wird durch die Ankündigung des Besuchs der Milliardärin Claire Zachanassian (überragend und brillant gespielt von Julia Wenkmann), einer ehemaligen Bürgerin. Nicht nur die Stadtbürger, sondern auch der Bürgermeister (hervorragend: Lea Eckert), die Lehrerin (mitreißend dargestellt von Jana Zinnbauer), der Pfarrer (lebendig: Alexandra Schwarz) und ihr ehemaliger Geliebter Alfred Ill (ausdrucksstark: Silas Klemm) planen eifrig einen angemessenen Empfang.

Schon bald jedoch schlägt die mit dem Aufenthalt verbundene Hoffnung in Verwunderung über das merkwürdige Verhalten der Milliardärin um. Nach dem Motto „Geld regiert die Welt“ tritt sie als männerverbrauchende, machthungrige und rachsüchtige Schicksalsgöttin auf. Zum Erstaunen aller hat sie nicht nur einen mit Geld um sich werfenden Butler (überzeugend: Lia-Maline Müller), sondern auch einen Sarg im Gepäck.

Ja, durch Alfred Ills Hilfe soll alles in Güllen besser werden, denn in ihm ruht die Hoffnung darauf, dass die Milliardärin den Glanz der guten alten Zeit in die Stadt zurückbringt. Hat er es doch vor 45 Jahren auch geschafft, sie um den Finger zu wickeln.

Doch das gemeinsame Schwelgen Claires und Alfreds in Erinnerungen schlägt bald um. Freut sich Alfred noch über das versprochene Geld, wird er bald von seiner Vergangenheit eingeholt. Die junge Claire ist damals von ihrer Jugendliebe schwanger geworden, jedoch hat dieser vor Gericht die Vaterschaft verleugnet. Gedemütigt und verarmt hat die Frau daraufhin Güllen verlassen und ihr Glück in der großen, weiten Welt gesucht.

Bilanz der Aufführung

  • Der Theatergruppe

    des MRG unter Leitung von Bianca Rauchenberger und Nina Kohl gelang mit ihrem wunderbaren und flott gespielten Stück eine moderne Umsetzung von Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“. Die Thematik, welche Macht das Geld über die Gesellschaft und den einzelnen Menschen hat, ist nach wie vor aktuell und regt den Zuschauer zum Nachdenken an.

  • Die Schauspieler,

    tatkräftig unterstützt durch die Regieassistentin Magdalena Probst sowie die beiden Techniker Katharina Wenkmann und Johannes Trummer, verkörperten ihre Rollen überzeugend und wuchsen über sich hinaus. Bei dem Theaterstück „Der Besuch der alten Dame“ zeigten alle Mitwirkenden offensichtlich große Spielfreude und Engagement.

Claire ist nun durchaus bereit, ihrer Heimatstadt mit einer Milliarde unter die Arme zu greifen mit der Absicht, sich damit Gerechtigkeit zu erkaufen. Doch stellt sie eine unmoralische Bedingung: Die Stadt erhält das Geld nur, wenn jemand Alfred Ill tötet. Die Bürger reagieren, wie man es erwartet, zunächst mit großer Empörung. Jedoch zeigt sich, dass die Güllener nach und nach von dem verlockenden Reichtum verführt werden und Verständnis für Zachanassians Plan zeigen.

Nicht nur die Polizistin kauft sich blaue Schuhe (ausdrucksstark: Hanna Schallmeier), der Pfarrer investiert in eine neue Kirchenglocke und Ills Frau (überzeugend: Laura Taller) modernisiert den Krämerladen. Nun scheint all dies auf Kredit möglich zu sein. Jeder möchte von dem Kuchen ein Stück abhaben, aber niemand möchte sich seine Finger schmutzig machen und den dafür notwendigen Mord begehen. Es folgt eine verdeckte Hetzjagd, symbolisiert durch anonymisierende weiße Masken, auf den misstrauischen Ill, der bei jedem Anzeichen des Wohlstandes den nahenden Tod spürt und die Hoffnung auf Rettung schließlich aufgibt. Selbst die Presse (gekonnt: Maximilian Maier) zeigt Interesse für die merkwürdigen Geschehnisse in dieser verkommenen Stadt. Verurteilt bei einer Bürgerversammlung, stirbt Alfred Ill. War es ein Gemeinschaftsmord oder war der Herzstillstand eine Folge des Stresses? Die Interpretation ist dem Zuschauer selbst überlassen.

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