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Kultur

Ein Festspiel für Lola Montez

Im Sommer geht für Vilseck ein Wunsch in Erfüllung. Der Theatervorhang hebt sich für die Montez, „die falsche Spanierin“.
Von Petra Schoplocher

Die Burg Dagestein wird im Sommer zur Kulisse – und Vilseck zur „Festspielstadt“. Foto: Stadt Vilseck
Die Burg Dagestein wird im Sommer zur Kulisse – und Vilseck zur „Festspielstadt“. Foto: Stadt Vilseck

Vilseck.Es sind ein paar wenige Tage. Wenige Tage, die ganz eng verbunden sind mit der großen bayerischen Geschichte – und die Stoff für einen Roman bieten. Oder ein Theaterstück. Darin kommen vor: ein König (Ludwig I.), eine Femme fatale (Lola Montez) und ein Geliebter, Elias Peißner, Türmersohn aus Vilseck.

Türmersohn verhalf Lola zur Flucht

Letzterer, der als Jurastudent in München jene Lola Montez kennenlernte, die die Monarchie 1848 in ihren Grundfesten erschütterte und deretwegen Ludwig I. schließlich abdanken musste; dieser junge Mann aus der Provinz verhalf der „spanischen Gräfin“ nachweislich zur Flucht.

Die Titelheldin: Lola Montez, eigentlich Elizabeth Rosanna Gilbert und dank Ludwig I. später Gräfin Marie von Landsfeld, hatte nachweislich eine Affäre mit Elias Peißner. In zehn Aufführungen wird ihre Geschichte erzählt. Premiere ist am 29. Juni. Foto: Archiv/dpa
Die Titelheldin: Lola Montez, eigentlich Elizabeth Rosanna Gilbert und dank Ludwig I. später Gräfin Marie von Landsfeld, hatte nachweislich eine Affäre mit Elias Peißner. In zehn Aufführungen wird ihre Geschichte erzählt. Premiere ist am 29. Juni. Foto: Archiv/dpa

Ob sie auch nach Vilseck führte?

Gut möglich bis wahrscheinlich – und damit auch der ebenso einfache wie geniale Anknüpfungspunkt für ein Projekt, das Stefan Voit und Adolfine Nitschke angestoßen haben. Die beiden „Kulturmacher“ – Nitschke von Berufs wegen bei der Stadt Vilseck und Voit als rühriger, ehrenamtlicher Überzeugungstäter – wollten vor gut einem Jahr „etwas mehr machen als die etablierten Veranstaltungen in Vilseck“. Ein Freilichttheater, das war das, was sich beide sofort vorstellen konnten.

Eine großartige Kulisse

Und es war etwas, das von Anfang an auf offene Ohren bei den Stadtverantwortlichen traf, die – allen voran Bürgermeister Hans-Martin Schertl – hingerissen waren von der Aussicht auf das Prädikat „Festspielstadt“. Zumal Vilseck mit der Burg Dagestein über einen Kulissen-Schatz verfügt, der jeden Regisseur würde jubeln lassen – was später auch so sein sollte. Doch stopp: Noch vor einem Regisseur bedarf es eines Autors. Und da konnte der Weidener Stefan Voit dank jahrzehntelangen Wirkens im Kultursektor aus dem Vollen schöpfen. „Autor? Ich kenn’ da einen ...“

Der Schatz: Dieses Kleid soll Lola Montez auf der Flucht in Vilseck zurückgelassen haben. Ausgestellt ist es nun in Deutschlands einzigem Türmermuseum in Vilseck. Türmersohn Elias Peißner half ihr bei der Flucht, sie verbrachten eine Nacht miteinander in einem Zimmer in Blutenburg. Foto: gz
Der Schatz: Dieses Kleid soll Lola Montez auf der Flucht in Vilseck zurückgelassen haben. Ausgestellt ist es nun in Deutschlands einzigem Türmermuseum in Vilseck. Türmersohn Elias Peißner half ihr bei der Flucht, sie verbrachten eine Nacht miteinander in einem Zimmer in Blutenburg. Foto: gz

So kam der Chamer Bernhard Setzwein ins Gespräch. Er macht keinen Hehl daraus, dass er von den drei von Nitschke-Voit als möglich eingestuften Themen – die Stadtgeschichte hätte ein Ritter- oder Räuberstück hergeben – die dramatische Verbindung von Lola Montez und Elias Peißner sofort favorisiert hatte. „Die hat so ziemlich alles, was ein Theaterautor braucht: Liebe und Eifersucht, Aufruhr und Rebellion, ein Schuss Bauerntheater, ein Hauch Verwechslungskomödie“, erläutert der Autor. Auch für die Regie hatte Voit frühzeitig einen Namen: Christian Höllerer. Dieser ließ sich – noch bevor feststand, welchen Inhalt das Theaterstück haben sollte – mit ins Boot holen. Alles schien sich perfekt zu fügen. Bis Anfang März, als der namhafte Inszenator und Schauspieler sein Engagement krankheitsbedingt absagen musste.

„Der Stoff war zu gut, der Reiz zu groß.“

Theatermann Till Rickelt

„Daraufhin hatten wir manche schlaflose Nacht“, erinnert sich Adolfine Nitschke. Denn woher so kurzfristig einen erfahrenen Regisseur nehmen, wo alle Spielzeiten schon durchgeplant sind? „Das Vorhaben stand auf der Kippe“, urteilt Stefan Voit im Rückblick.

Die Rettung kam in Gestalt von Till Rickelt und Tina Lorenz. Beide angestellt am Landestheater Oberpfalz (LTO) und vor allem Rickelt zeitlich in einem engen Korsett. Aber „der Stoff war zu gut, der Reiz zu groß“, als dass die Zusatzbelastung nicht irgendwie zu stemmen sein könnte. Nachdem auch der Arbeitgeber und das LTO-Ensemble „grünes Licht“ gaben, sagte das Paar für eine sogenannte Co-Regie zu.

Die Macher: Sie stehen hinter dem Projekt „Lola Montez“: Von links Stefan Voit (Initiator), Tina Lorenz (Regie), Bernhard Setzwein (Autor), Barbara Trottmann (Schauspielerin), Till Rickelt (Regie), Adolfine Nitschke, Ulrich Scherr (Schauspieler) und Bürgermeister Hans-Martin Schertl. Foto: ps
Die Macher: Sie stehen hinter dem Projekt „Lola Montez“: Von links Stefan Voit (Initiator), Tina Lorenz (Regie), Bernhard Setzwein (Autor), Barbara Trottmann (Schauspielerin), Till Rickelt (Regie), Adolfine Nitschke, Ulrich Scherr (Schauspieler) und Bürgermeister Hans-Martin Schertl. Foto: ps

Erleichtert wurde die Entscheidung, weil sowohl Hauptdarstellerin Barbara Trottmann als auch Ulrich Scherr (Ludwig I.) beim LTO feste Größen sind. Und, weil Till Rickelt genau genommen schon vor Monaten Blut geleckt hatte; als er nämlich mit Bernhard Setzwein über dessen Auftragsstück für Vilseck gesprochen hatte, war er gleichermaßen angefixt wie traurig, dass dies nicht sein Projekt werden würde – so noch die damalige Faktenlage. Die Stadt ihrerseits war auch noch einmal gefragt, um die Festspiele zu retten, indem sie das Budget aufstockte. „Es ist ganz außergewöhnlich, wie Kultur hier unterstützt wird“, sagt Voit.

Mehr als „nur“ Theater

Noch einmal zurück zur Geschichte: Nach ihrer Flucht aus München verliert sich am 11. Februar 1848 kurzzeitig die Spur von Lola Montez, Tänzerin, Gespielin, Spanierin. Das sind eben diese wenigen Tage, die Dreh- und Angelpunkt für das Theaterstück, genannt „eine bayerische Staatskomödie“, sind. Bernhard Setzwein macht daraus ein spannendes Bühnengeschehen mit überraschendem Schluss: Sowohl Lola als auch Elias verschlug es unabhängig voneinander später in die USA. Eine Ironie des Schicksals, die den Autor zu Spekulationen über ein mögliches Wiedersehen verführte.

Der König: Schon alleine die Tatsache, dass eine „spanische Tänzerin“ die Monarchie in eine Krise stürzen konnte, ist mehr als eine Geschichte der Geschichte. Folglich nimmt Ludwig I. auch im Stück eine gewichtige Rolle ein. Am 20. März 1848 dankte der bayerische König ab. Foto: Archiv/dpa
Der König: Schon alleine die Tatsache, dass eine „spanische Tänzerin“ die Monarchie in eine Krise stürzen konnte, ist mehr als eine Geschichte der Geschichte. Folglich nimmt Ludwig I. auch im Stück eine gewichtige Rolle ein. Am 20. März 1848 dankte der bayerische König ab. Foto: Archiv/dpa

360 Stühle werden im Innenhof der Burganlage aufgestellt, nach der Premiere am Freitag, 29. Juni, sind neun weitere Aufführungen geplant. Die angehende Festspielstadt hat zudem ein Rahmenprogramm gestrickt, unter anderem mit kulinarischem Krimiabend (am 15. April) und einer Kunstausstellung (ab 15. Juni) und schickt sich mit Lola-Pralinen, -Bier und Co. an, das Freilichttheater zu einem Rundum-Erlebnis werden zu lassen. Einem mit Alleinstellungsmerkmal, denn wer hat schon so eine Geschichte zu bieten?

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