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Fasching

Ein Prinzenpaar, auch im echten Leben

Lena und Fabian Klieber sind verheiratet, haben anspruchsvolle Jobs – und herrschen im Fasching noch dazu über Schmidmühlen.
Von Jeff Fichtner

Auch als Prinzenpaar sind Lena I. und Fabian I. fröhlich und unkompliziert. Foto: Jeff Fichtner
Auch als Prinzenpaar sind Lena I. und Fabian I. fröhlich und unkompliziert. Foto: Jeff Fichtner

Schmidmühlen.Man muss ein gutes Stück rausfahren aus dem Ortskern von Schmidmühlen, um Lena und Fabian Klieber daheim zu besuchen. Nach dem Ortsschild, von der Lauterachtalstraße (Staatsstraße 2235) aus, geht es rechts ab, den Berg hinauf. Schnell ist man auf einer Bergstraße, und die heißt auch so. Da, wo die einigermaßen geschlossene Bebauung endet, geht es links ab. Und weiter, immer bergauf.

Wo soll das enden? In Ofen, einem stillen Weiler, der im Wesentlichen aus drei stattlichen Bauernhöfen besteht. Und wo bitte geht es jetzt zum Prinzenpaar? Eine Hausnummer 146, kann das stimmen, bei insgesamt drei Höfen? Es stimmt schon so, lacht später Lena Klieber, die hohe Hausnummer rührt offenbar von früher her. Still – das stimmt freilich nicht ganz. Im Hof schlägt, enorm wachsam und nicht zu überhören, der Hofhund an. Ohne den geht es nicht hier draußen, es muss einer da sein, der einfach immer auf der Hut ist. Das Anwesen gehört den Eltern von Prinzessin Lena I., Gertraud und Josef Färber.

Zusammen, auch mal ohne Worte

Lena I. und Fabian I. (hinten Mitte) haben in Schmidmühlen die Regentschaft übernommen. Foto: abp
Lena I. und Fabian I. (hinten Mitte) haben in Schmidmühlen die Regentschaft übernommen. Foto: abp

Der Empfang ist herzlich, unkompliziert, fröhlich. Lena und ihr Prinz, also Fabian I., bitten ins große, gemütliche Wohn- und Esszimmer. Während es draußen so frisch und zugig ist, dass selbst der Hofhund zu gern wieder unter sein Dach überm Kopf schlüpft, wird es einem drinnen im Haus warm ums Herz. In Ofen eben! Es wird so ruhig, dass man das Prinzenpaar um diese Stille beneiden möchte, die im Haus und drumherum die meiste Zeit über herrscht. Vom Tisch auf der Terrasse springt eine kräftige rote Katze hinunter, sucht ein besseres Plätzchen. Katze Nummer 2 bleibt oben auf dem Tisch. Sie schläft.

Die Lena schaut zum Fabian, der Fabian schaut zur Lena. Sie sind so zusammen, ohne Worte, dass die ersten Fragen gar nicht so leicht über die Lippen kommen. Hilft aber alles nichts, es geht schließlich darum, die ganz normalen Menschen „hinter dem Prinzenpaar“ kennenzulernen. Es zeigt sich sehr schnell und leicht, dass Fabian und Lena eine Menge zu erzählen haben über ihr Leben, wenn man sie nur danach fragt.

Lena Klieber ist 27 Jahre alt. Sie ist eine gebürtige Schmidmühlenerin, „hier vom Hof“. Ofen mag einsam liegen, aber das gehört schon alles zusammen, zur Marktgemeinde. Lena hat zuerst die Grundschule Schmidmühlen besucht, dann ging es ans Gymnasium ins nahe Burglengenfeld.

Die Prinzessin ist in Wirklichkeit Lehrerin – in Ingolstadt

Nach dem Abitur in der ehemaligen Kreisstadt stand der große Schritt in Richtung Beruf an. An der Universität Regensburg absolvierte Lena ihr Studium für das Lehramt an Mittelschulen. Es folgten zwei Jahre als Referendarin an der Mittelschule in Teublitz, auch wieder Altlandkreis Burglengenfeld, quasi nebenan. Seit September unterrichtet Lena Klieber nun an der Lessing-Mittelschule – in Ingolstadt. Inzwischen ist sie „Beamte auf Probe“.

Die Prinzenpaare bei der Übergabe der Rathausschlüssel Foto: abp
Die Prinzenpaare bei der Übergabe der Rathausschlüssel Foto: abp

Lena sagt auch gern, warum sie Lehrerin geworden ist. „Es war schon immer der Gedanke da, etwas mit Menschen voranzubringen, und kurz vor meinem Abschluss an der Schule war mir klar, dass ich diesen Weg gehen wollte.“ Dabei sei es ein meilenweiter Unterschied, ob man an einer Mittelschule oder beispielsweise an einer Realschule oder einem Gymnasium Schülerinnen und Schülern das Rüstzeug für Beruf und Leben vermittle. „Wir müssen weit stärker die Einzelschicksale unter den Schülern sehen. Wir haben auch viele weitere Aufgaben, neben der Vermittlung von Wissen.“ Lena Klieber sieht sich an der Mittelschule in Oberbayern, in der Großstadt, ebenso gefordert als Erzieherin und Sozialpädagogin.

„Die Berufssuche war gar nicht so einfach.“

Fabian Klieber, Faschingsprinz

Fabian Klieber, heute 31 Jahre alt, ist auch ein waschechter Schmidmühlener: „Ich bin einen Kilometer von hier aufgewachsen“, sagt er mit einem Schmunzeln. Nach der Grundschule im Markt folgten zwei Jahre Mittelschule, dann ging es an die Realschule nach Burglengenfeld.

„Die Berufssuche war gar nicht so einfach“, berichtet der Faschingsprinz. Ein Lehrer habe ihm nahegelegt, es doch mit der Fachoberschule zu probieren. „Ich wollte eigentlich in Richtung Büro, also Industriekaufmann oder Bürokaufmann.“ Aber es war schwer für ihn, eine Lehrstelle zu bekommen. Also dann doch der Weg an die „FOS“ in Amberg. Fabian erzählt weiter: „Nach dem Fachabitur habe ich mich um Studienplätze ebenso beworben wie um betriebliche Ausbildungsplätze, und beides hätte geklappt.“

Den Ausschlag gab dann ein persönliches Gespräch in einem Unternehmen. „In Schwarzenfeld habe ich in einem kleinen Betrieb die Lehre als Bürokaufmann gemacht.“ Insgesamt neun Jahre gehörte er dieser Firma an – aber für Fabian Klieber war damit das Ziel noch nicht erreicht.

Faschingskomitee

  • Nachwuchs:

    Bei einer Reihe traditionell sehr gefragter Veranstaltungen mit dem Faschingskomitee Schmidmühlen steht neben der Prinzengarde mit Prinzessin Lena I. und Prinz Fabian I. sowie der Jugend-, der Kinder- und der Bambinigarde auch das Kinderprinzenpaar im Blickpunkt - Prinzessin Aliya I. und Prinz Michael I.

  • Höhepunkte:

    Ein Höhepunkt ist am Sonntag, 24. Februar, der Ostbayerische Faschingszug in Amberg. Alles andere als ein Geheimtipp ist am Samstag, 2. März, der legendäre Wildererball im Gasthof „Zum Goldenen Lamm“ in Schmidmühlen. Hoch hergehen wird es auch wieder am Faschingsdienstag, 5. März, beim Faschingszug Schmidmühlen.

„Ich habe in Amberg in Teilzeit eine Weiterbildung zum Industriefachwirt gemacht, in der Abendschule.“ Der Wunsch nach Veränderung blieb, sagt Fabian, inzwischen ebenso ernst wie offen. Dann habe ihn, weil man sich eben kennt im Markt, ein Mitarbeiter des Autohauses Segerer Schmidmühlen angesprochen, ob er sich dort nicht mal umschauen wollte. Wollte er, und sagt heute: „Ja, das passt! Das ist heimatnah, dort sind viele Bekannte, dort wurde ich gleich gut aufgenommen.“ Seit Dezember 2016 fühlt sich Fabian „angekommen“.

Mehr als nur „gut angekommen“ ist der heutige „Prinz“ auch bei seiner Lena. „Wir kennen uns schon lang“, sagen sie beide, „gesichtsweise auf jeden Fall“. Vom Fortgehen, man hat sich gesehen, man hat auch mal miteinander geredet, ganz locker. Zuerst. Ein Zufall war es dann, der sie gemeinsam zum Ausgehen gebracht hat – „dann hat es seinen Lauf genommen“, sagt Lena.

Sehen Sie hier Bilder vom Faschingszug in Schmidmühlen 2017:

Faschingszug in Schmidmühlen

Zusammen sind Lena und Fabian jetzt seit Mai 2014. Standesamtlich geheiratet haben sie im Mai 2018, „und heuer im Mai gibt es die kirchliche Hochzeit“, freuen sich beide ganz offen – das fehlt halt bisher noch. Beide sind in größeren Familien aufgewachsen, mit Geschwistern, mit den Großeltern im Haus; das prägt: „Ja, wir wollen schon Kinder, zwei vielleicht“, so Lena mit einem feinen Lächeln.

Gemeinschaft hautnah erlebt haben Prinz und Prinzessin auch „immer schon“ außerhalb der Familien. Bei verschiedensten Veranstaltungen in Schmidmühlen. Da waren immer wieder mal auch Mitglieder des Faschingskomitees anzutreffen. Und es war beiden nie langweilig. Fabian: „Ich bin beim Sportverein, seit ich fünf war!“ Er spielte bei der Jugend, bei den Herren, wurde Jugendtrainer, Co-Trainer der Herren 1, machte die Trainer-C-Lizenz, war Beisitzer beim SV Eintracht. „Man hat mich gefragt, ob ich die Jugend mit übernehmen wollte, sogar Jugendspieler haben mich direkt danach gefragt“, erinnert sich Klieber. „Und auch da ist es immer am meisten um das Zusammensein gegangen, das ist ganz ähnlich gewesen.“

Fasching

Vorfreude auf fünfte Jahreszeit steigt

Beim Komitee Schmidmühlen ist einiges los. Den Faschingsruf „Schmidmühlen Oho“ haben die Aktiven bereits trainiert.

Man musste nicht lang betteln

Lena Klieber hat einen „kirchlichen Hintergrund“, nicht weniger intensiv. Sie spielt jetzt schon in der dritten Periode Orgel in der Pfarrkirche St. Ägidius, arbeitet mit im Pfarrgemeinderat. „Da geht es auch um Gemeinschaft, wie in einer Familie, wir machen Aktionen zusammen, stellen was auf die Beine.“ Lange hat Lena auch im Kirchenchor gesungen. „Und der Rest ist Hofleben, da arbeiten wir mit. Diese Verbindung ist ganz stark, wir sind hier daheim, wir sind hier sehr stark verwurzelt.“ Vielleicht deshalb macht es Lena Klieber auch wenig aus, jeden Tag (in Fahrgemeinschaft) von Schmidmühlen nach Ingolstadt und wieder zurück zu fahren.

Wie Fabian betont sie den Wert der Kirwagemeinschaft, die es seit 2006 gibt. Eine neue Art Zusammengehörigkeit. Wie Lena trägt er gern Tracht, geheiratet haben sie auch in Tracht. Und warum jetzt Prinzenpaar? „Heuer hat es einfach besser gepasst“, sagt Lena, „man musste uns auch nicht lang betteln“. Einmal müsse man das einfach gemacht haben, ist sie sich mit Fabian einig. Sie freuen sich auf alle Veranstaltungen mit dem Faschingskomitee: „Wir werden von vielen angesprochen, denen wir so gut gefallen. Man hat das Gefühl, die kommen, um uns zu sehen.“ Genauso ist es.

Alles rund um den Fasching in Amberg lesen Sie hier.

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