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Ökologie

Einsatz für Quappen, Barben und Nasen

Die Schmidmühlener Fischer haben Setzlinge unbekannter Arten in Vils und Lauterach entlassen. Es geht um die Artenvielfalt.
Von Josef Popp

So sehen die kleinen Quappen bzw. Rutten aus, die in die Vils eingesetzt wurden. Foto: ajp
So sehen die kleinen Quappen bzw. Rutten aus, die in die Vils eingesetzt wurden. Foto: ajp

Schmidmühlen.Die Herbst- und Wintermonate sind für die Mitglieder des Fischereivereins Schmidmühlen eher ruhige Monate. Das Vereinsleben und die Aktivitäten ruhen aber nicht ganz. Abgesehen davon, dass die Fischer gerade mit Hochdruck an ihrem Vereinsheim bauen, sind die Mitglieder auch am Wasser aktiv. Nicht beim Fischen, sondern es geht um den Besatz.

Mit dem jährlichen Besatz im Herbst setzt der Verein nicht Fische zum Angeln, sondern man kümmert sich um die Artenvielfalt – wie schon seit der Gründung des Vereins. Im Naturpark Hirschwald wird viel geleistet, um die Vielfalt von Pflanzen und Tieren zu erhalten und diese auch weiter zu sichern – der Fischereiverein Schmidmühlen trägt seinen Teil bei. Dies bleibt dem Betrachter meist verborgen, weil sich die Erfolge unter Wasser einstellen, quasi unsichtbar.

Qualität der Gewässer verbessern

Viele größere, aber auch gezielte kleinere Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Qualität der Fließgewässer zu verbessern. Gerade mit dem Einbringen von Kies für Kieslaicher in die Vils oder von Totholz hat der Fischereiverein mit sehr zeitintensiven Arbeitseinsätzen schon seinen Teil zum Erhalt der Artenvielfalt beigetragen. Weniger zeitintensiv, aber dennoch „ökologisch wertvoll“ waren die jüngsten Maßnahmen in der Vils und Lauterach. Eingesetzt wurden die für die meisten wohl unbekannten Quappen, Nasen, Barben, aber auch kleine Bachforellen.

Einer der sicher interessantesten, aber wohl auch einer der unbekanntesten Fische, der nun in die Vils „entlassen“ wurde, ist die Quappe oder auch Rutte, wie sie in Fachkreisen genannt wird. Sie gehört in Deutschland zu den stark gefährdeten Arten und unterliegt deshalb in vielen Bundesländern teilweise strengen Schonbestimmungen, so 1. Vorsitzender Josef Deml. 2002 war die Quappe „Fisch des Jahres“ – eine „Ehre“, auf die der Fisch verzichten könnte, weil dies seine Bedrohung dokumentiert.

Schon die Römer liebten die Quappen

Während andere Fische dieser Ordnung „der Dorschartigen“ im Salzwasser vorkommen, ist die Quappe der einzige Fisch, der im Süß- oder Brackwasser lebt – auch in der Vils im Amberg-Sulzbacher Land. Die Quappe galt seit jeher als exzellenter Speisefisch. Bereits zur Zeit des Römischen Reiches war er als Delikatesse bekannt – vor allem die während der Laichzeit große und fettreiche Leber.

Bei Besitzern oder Pächtern von Salmonidengewässern ist die Quappe aufgrund ihrer winterlichen Tätigkeit als Laichfresser nicht gerne gesehen. Die Quappe lebt bevorzugt in Süßwassergewässern mit einem Temperaturbereich von vier bis 18 Grad Celsius. Die Schmidmühlener Fischer haben nun 160 Quappen in die Vils eingesetzt.

Barbe braucht vielfältige Flüsse

Die Barbe Foto: Bezirk Oberfranken
Die Barbe Foto: Bezirk Oberfranken

Weiter wurden bei der jüngsten Aktion 1000 Barben in die Vils gesetzt. Einst waren sie wichtige und damit auch bekannte Speisefische. Diesen Stellenwert haben sie aber mittlerweile verloren: Zu grätenreich ist der Fisch, da greift der Gourmet lieber zu einem grätenfreien Fischfilet.

Die Fischbiologen haben nach dieser Art eine ganze Flussregion benannt, nämlich die Barbenregion. Auch die Vils wird als „Barbenregion“ geführt.

„Barbus barbus“, so die lateinische Fachbezeichnung, bevorzugt die abwechslungsreichen mittleren Regionen großer und kleinerer Flüsse, in denen das Wasser noch strömt und der Untergrund steinig bis sandig ist.

In einem vom Menschen veränderten Gewässer sind solche reich strukturierten Flussbetten mit ruhigeren und stärker durchströmten Zonen aber kaum noch zu finden. Die teilweisen baulichen Veränderungen der Flussläufe und die Verschmutzung sind für den Bestand der Barben allerdings nicht förderlich.

Die Barbe braucht zum Ablaichen kiesigen Grund. Dieser findet sich vor allem in den Oberläufen der Flüsse. So schwimmt die Barbe zum Ablaichen (die Eier sind übrigens giftig) im Frühjahr oft viele Kilometer flussaufwärts. Wenn sich ihr aber Staustufen in den Weg stellen, steht es schlecht um den Nachwuchs.

Die Gewässer und ihre Fische

  • Die Vils

    Die fischereibiologische Einordnung der Vils lautet „Barbenregion“. Dabei ist die Barbe nur das typische Beispiel. In der Vils ist die Artenvielfalt viel größer – von A wie Aal bis Z wie Zander. Das Spektrum ist sehr breit; es reicht von der Forellenregion bis zur Kaulbarschregion, von der Quelle bis zur Mündung kommen hier fast alle Arten vor. Allerdings ist im Lauf der vergangenen Jahrzehnte durch bauliche Veränderung der Vils und an der Vils die Ursprünglichkeit oft verlorengegangen.

  • Die Lauterach

    Die Lauterach wird fischereibiologisch als „Forellenregion“ eingestuft. Die Wasserqualität der Lauterach kann als sehr gut bezeichnet werden. Bei verschiedenen Abfischaktionen, die im Rahmen der Hochwasserfreilegung in Schmidmühlen durchgeführt wurden, konnten auch Tausende von Bachneunaugen und Mühlkoppen gefangen und umgesetzt werden. Die Bachneunaugen und die Mühlkoppen gelten als Indikatoren für eine hervorragende Wasserqualität in der Lauterach. (ajp)

2700 Nasen wieder eingebürgert

Mit zu den Fischen, die man im Zuge dieses Artenschutzhilfsprogramms berücksichtigte, waren die für die meisten genauso wenig bekannten Nasen. Diese Fische gehören zu der großen Familie der Karpfen und sind Schwarmfische. Nasen können bis zu 40 Zentimeter groß und bis zu 1000 Gramm schwer werden.

Mancherorts sind diese Fische in ihrem Bestand gefährdet oder schon ausgestorben. In der Schweiz sind die Nasen beispielsweise sogar ganzjährig geschont. In Deutschland war die Nase 1994 und in Österreich im Jahr 2003 „Fisch des Jahres“. Insgesamt wurden heuer durch den Fischereiverein Schmidmühlen 2700 Nasen in die Vils wieder „eingebürgert“.

Unterstützung vom Landesverband

Die Mühlkoppe, ebenfalls eine seltene Fischart, hat in der Lauterach einen Lebensraum gefunden. Foto: Archiv ajp
Die Mühlkoppe, ebenfalls eine seltene Fischart, hat in der Lauterach einen Lebensraum gefunden. Foto: Archiv ajp

Die vierte Fischart, die berücksichtigt wurde, ist die Bachforelle: Exakt 2515 Bachforellensetzlinge haben die Schmidmühlener in die Vils und in die Lauterach eingesetzt. Bei der Besatzmaßnahme hat der Fischereiverein Unterstützung vom Landesverband Oberpfalz und durch das laufende Artenhilfsprogramm erhalten. Die Kosten belaufen sich aktuell auf 4468 Euro.

Auch wenn es mit Hecht, Zander oder Barsch, aber auch dem Kormoran, Reiher und Eisvögel viele Räuber gibt, die den Bestand reduzieren werden, so hofft 1. Vorsitzender Josef Deml dennoch, dass sich diese Fischarten in den nächsten Jahrzehnten in der Vils wieder mehr etablieren werden. Diese Aktion war sicher wieder ein kleiner Baustein, um die „ökologisch orientierte Gewässerbewirtschaftung“ des Fischereivereins Schmidmühlen weiter voranzubringen, machte er deutlich.

Engagiert ist der Fischereiverein Schmidmühlen aktuell auch beim Bau seines Vereinsheims.

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