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Museum

Eintauchen in altes Müller-Handwerk

Am Mühlentag stand die historische Mühle in Theuern im Mittelpunkt. „Müllerin“ Cornelia Platz entführte in vergangene Zeiten.
Von Hans Babl

Die interessierten Besucher begutachteten alles ganz genau. Foto: Hans Babl
Die interessierten Besucher begutachteten alles ganz genau. Foto: Hans Babl

Kümmersbruck.Am Pfingstmontag beim „Deutschen Mühlentag“ klapperte auch im Ostbayerischen Bergbau- und Industriemuseum Theuern wieder die alte Mühle aus dem Jahr 1680, in der früher Getreide zu Mehl gemahlen wurde. Museumsführerin Cornelia Platz wusste den Besuchern viel Wissenswertes über die Technik in der Mühle und manche Sagen zu erzählen.

So erfuhren die Gäste bei den Führungen, dass zwischen den riesigen Mühlsteinen – dem feststehenden Mühlstein und dem darüber befindlichen „Läufer“ – das Getreide gemahlen wird, zuerst zu Schrot, dann zu Kleie und zu grobem und feinem Grieß. Erst nach sieben Mahlgängen kommt das feine weiße Mehl heraus. So war es auch in der „Weißmühle“, einer der Außenstellen im Ostbayerischen Bergbau- und Industriemuseum in Theuern. „Sie stand früher bei Neunburg vorm Wald und wurde 1972/73 in Theuern wieder aufgebaut“, berichtete die Museumsführerin.

Müller waren etwas gefürchtet

Auch die Spiegelglasschleife und die Poliere wurden als Außenstellen des Museums in Theuern wieder originalgetreu errichtet. Cornelia Platz führte die Besucher nicht nur in Spiegelglasschleife und Poliere, sondern auch in die Wohnung des Poliermeisters. Foto: Hans Babl
Auch die Spiegelglasschleife und die Poliere wurden als Außenstellen des Museums in Theuern wieder originalgetreu errichtet. Cornelia Platz führte die Besucher nicht nur in Spiegelglasschleife und Poliere, sondern auch in die Wohnung des Poliermeisters. Foto: Hans Babl

Dass die Menschen Angst vor dem Müller und seinen Gesellen hatten, lag vor allem daran, dass Mühlen außerhalb der Orte lagen und sich damit der Kontrolle der Dorfgemeinschaft entzogen. „Müller war ein wenig angesehener Beruf“, so Cornelia Platz. Weil die Mühlen so rumpelten, habe man den Müllern auch oft nachgesagt, „mit dem Teufel im Bunde zu sein“, erzählte die Museumsführerin. Aber der Beruf war recht einträglich, bekam der Müller doch rund die Hälfte des Getreides als Lohn für ihre harte Arbeit.

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Eindrücke vom Mühlentag in Theuern

„Müller arbeiteten auch oft nachts, denn sie waren auf den Lauf des Wassers angewiesen. Dies war der Bevölkerung neben dem Poltern des Betriebes der Mühlen unheimlich und verunsicherte sie zusätzlich“, erklärte die Museumsführerin. Müllerarbeit war Schwerstarbeit. Die Getreidesäcke wogen zwischen zwei und drei Zentner, die Mehlsäcke immerhin noch eineinhalb Zentner. Es habe auch immer wieder schwere Unfälle gegeben, vor allem von Kindern, die im Mühlbach ertrunken sind. „Von einer Romantik, wie sie im Volkslied ‚Es klappert die Mühle am rauschenden Bach’ besungen wird, konnte in Wirklichkeit keine Rede sein“, so Cornelia Platz.

Besichtigen konnten die Besucher auch die Wohnung des Müllers, in der ein Herrgottswinkel nicht fehlen durfte. Neben dem Kachelofen wurden die kleinen, mit Roggen- bzw. Haferstroh gefüllten Betten bestaunt. Im Ehebett schliefen die Müllersleute halb sitzend. Foto: Hans Babl
Besichtigen konnten die Besucher auch die Wohnung des Müllers, in der ein Herrgottswinkel nicht fehlen durfte. Neben dem Kachelofen wurden die kleinen, mit Roggen- bzw. Haferstroh gefüllten Betten bestaunt. Im Ehebett schliefen die Müllersleute halb sitzend. Foto: Hans Babl

Neben genauen Erläuterungen von Mühle und der Arbeit eines Müllers wusste Cornelia Platz auch über viele Anekdoten um das Müllerwesen zu berichten. „Für die Menschen waren die Mühle und deren Bewohner stets von Geheimnissen umgeben. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass nur die Naturkraft des Wassers die Mühle betrieb. Da mussten Geister, Nixen oder gar der Teufel die Hand im Spiel haben. Die Angst vor der Maschine übertrug sich auch auf den Müller“, erklärte sie. Müller waren wie Bader, Totengräber und Henker nicht gerngesehen. Und sie wusste auch von dieser Besonderheit: Müller hatten den Galgen zu errichten, denn sie hatten auch Zimmerer gelernt.

Die Getreidemühle Weiß stammt aus dem Jahr 1680. Bis 1945 war sie in Baumhof bei Neunburg vorm Wald in Betrieb. Anfang der 1970er Jahre wurde sie abgebrochen und 1972/73 im Außenbereich des Museums original getreu aufgebaut. Foto: Hans Babl
Die Getreidemühle Weiß stammt aus dem Jahr 1680. Bis 1945 war sie in Baumhof bei Neunburg vorm Wald in Betrieb. Anfang der 1970er Jahre wurde sie abgebrochen und 1972/73 im Außenbereich des Museums original getreu aufgebaut. Foto: Hans Babl

Viele Geschichten, Sagen und Legenden ranken sich um die „Müllerei“, Müller und Mühlen kommen auch in vielen Märchen vor – Cornelia Platz erinnerte zum Beispiel an Rumpelstilzchen, Hans im Glück oder den gestiefelten Kater. Sprichwörter rund um die Müllerei kannten viele – wie „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!“. „Man glaubt sogar, dass das Mühlespiel älter ist als das Schachspiel“, berichtete Cornelia Platz.

Weitere Außenstellen erkundet

Im historischen Gewand einer Müllerin erklärte Museumsführerin Cornelia Platz den Besuchern die Getreidemühle. Sie erläuterte die Arbeit eines Müllers, wusste aber auch über viele Anekdoten rund um das Müllerwesen zu berichten. Foto: Hans Babl
Im historischen Gewand einer Müllerin erklärte Museumsführerin Cornelia Platz den Besuchern die Getreidemühle. Sie erläuterte die Arbeit eines Müllers, wusste aber auch über viele Anekdoten rund um das Müllerwesen zu berichten. Foto: Hans Babl

Gar mancher hielt sich die Ohren zu, als Cornelia Platz die Mühle in Betrieb setzte und der Antrieb der schweren Mühlsteine ein Rumpeln erzeugte. Beeindruckt zeigten sich die Besucher auch von der Wohnung des Müllers. Interessant war für die Gäste auch, die alte Spiegelglasschleife und die Poliere aus dem Jahr 1880 mit Cornelia Platz zu erkunden.

Übrigens hatten die Müller im ländlichen Bereich als erste elektrischen Strom, den sie ja mit Wasserkraft erzeugen konnten. So war es auch passend und interessant, dem Strommuseum in Theuern noch einen Besuch abzustatten. (abl)

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