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Kultur

Erasmus Grasser ist zurück

Drei Künstler werfen einen besonderen Blick auf Schmidmühlens berühmtesten Sohn. Die Werke sind im Hammerschloss zu sehen.
von Paul Böhm

Der Schmidmühlener Heimatmaler Friedberg Bruckmüller (rechts) gehörte zu den ersten Gästen der Erasmus-Grasser-Vernissage im Hammerschloss. Foto: Böhm
Der Schmidmühlener Heimatmaler Friedberg Bruckmüller (rechts) gehörte zu den ersten Gästen der Erasmus-Grasser-Vernissage im Hammerschloss. Foto: Böhm

Schmidmühlen.Ein Erasmus-Grasser-Brunnen, eine Erasmus-Grasser-Straße, eine Erasmus-Grasser-Schule und jetzt auch noch eine eigene Briefmarke samt Ausstellung erinnern an den Bildhauer, Künstler und Wasserbauarchitekten. Der bekannteste Sohn Schmidmühlens ist nun auch in seinem Heimatort angekommen.

Anlässlich des 500. Todestags Grassers zeigt der Markt in Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Kulturverein eine Auswahl von Bildern und Grafiken im Hammerschloss. Die Münchner Maler und Künstler Christoph Hessel, Michael von Cube und Yongbo Zhao haben das 500. Todesjahr Erasmus Grassers zum Anlass genommen, seine Biografie zu beleuchten und teilweise neu zu erfinden.

Morisken werden vermarktet

Wie Michael von Cube bei der Vernissage in der guten Stube der einstmaligen Hammerherren erzählte, habe man in der Aufarbeitung der Lebensgeschichte Grassers auf historische Fakten nur insoweit Rücksicht genommen, als die reale Persönlichkeit in verspielt-grotesken Assoziationen noch erkennbar bleiben sollten. Es bleibe doch einiges aus dem Leben von Erasmus Grassers nicht mehr nachvollziehbar, weil Unterlagen fehlen. Aber es dürften Elemente seiner Werke gewesen sein, eine sprechende Geste oder bizarre Mimik einer seiner Figuren, Relikte aus verfügbaren Chroniken sowie wenige, darunter durchaus drastische Urteile von Zeitgenossen, resümierte Michael von Cube bei der Ausstellungseröffnung.

Mit einem Präsent dankten Bürgermeister Peter Braun (links) und die Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, Martina de Wille (rechts) den Münchner Künstlern Yongbo Szao, Christoph Hessel und Michael von Cube (von links) für die Überlassung der Ausstellung. Foto: Böhm
Mit einem Präsent dankten Bürgermeister Peter Braun (links) und die Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, Martina de Wille (rechts) den Münchner Künstlern Yongbo Szao, Christoph Hessel und Michael von Cube (von links) für die Überlassung der Ausstellung. Foto: Böhm

Erasmus Grasser ist heute vor allen durch seine Moriskentänzer-Skulpturen eine touristische Attraktion geworden. Imitate der spätgotische Originale gibt es in allen nur denkbaren Größen aus Holz, Plastik und Pappmaché, aus dem Walsertal, aber auch aus China. „Deshalb fühlten wir uns als eingefleischte Münchener aufgerufen, Erasmus Grasser mithilfe unserer Arbeiten neues Leben einzuhauchen und ihn aus den krämerseelenhaften Zugriffen seiner Vermarkter wiederauferstehen zu lassen“, so von Cube.

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Entstanden sind aus dieser Idee fünf Zeichnungen von Michael von Cube, fünf Farbradierungen von Christoph Hessel und drei Ölbilder von Yongbo Zhao. Dass da Wahrheit, Erfahrung, Spiel, Sinn und Wahnsinn vermutlich nur mehr schwer auseinandergehalten werden können, war Teil des Konzeptes, merkte von Cube an. Heimat- und Kulturvereinsvorsitzende Martina De Wille sprach von einem Highlight mit Geschichtserinnerung an den bekanntesten Sohn Schmidmühlens: „Eine Brücke zu schlagen zwischen Altem und Neuen und die Morisken in neuem Licht zu zeigen“, ermögliche die Ausstellung.

Unter dem Titel romantische Lauterach sind beim 40. Marktfest auch die Metallskulpturen von Franz Schmid – eine Verbindung zu Erasmus Grasser und zur historischen Eisenverarbeitung – entlang der Lauterach zu sehen. Für die feine Hintergrundmusik der Vernissage sorgte „Jazzy Mills" unter der Leitung von Heiner Weigert aus Schmidmühlen mit passenden Musikstücken wie Bossa oder Hardbob.

Ausstellung

  • Dauer:

    Die Ausstellung zum 500. Todesjahr des Bildhauers und Schnitzers Erasmus Grasser im Hammerschloss ist am Sonntag, 29. Juli von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

  • Öffnungszeiten:

    Die Ausstellung ist auch beim 40. Marktfest am Samstag, 4. August von 16 bis 18 Uhr und am Sonntag, 5. August 2018 von 13 bis 17 Uhr zu sehen.

Michael von Cube erzählte auch Teile aus der Lebensgeschichte des jungen Erasmus Grasser. Schon früh soll er damit begonnen haben, auf dem elterlichen Hof in Schmidmühlen herumliegenden Holzscheite einzusammeln und Figuren aus ihnen zu schnitzen. Dafür erhielt er viel Lob, dass er bei der Sache blieb. Vermutlich der Zeitmode entsprechend italienisierten sie deshalb seinen damals in der Oberpfalz gängigen Vornamen zum weltläufigen „Erasmo“.

Sein Äußeres allerdings habe offenbar kein Mädchen dazu angeregt, seine sehnsuchtsvollen Blicke zu erwidern oder gar auf seine ungeschickten Avancen einzugehen. Kein Wunder, dass die Holzscheit-Madonnen ein Aussehen erhielten, das sein Umfeld wohl eher nicht mit religiöser Bestimmung in Verbindung brachte. So war man in Schmidmühlen wohl letztlich froh, als sich Grasser entschloss, diese Kunststücke der Zunft der Schnitzer, Seidennäher und Glaser in München vorzulegen, um dort eine eigene Werkstatt eröffnen zu können.

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In der Landeshauptstadt beschied man ihm, er sei ein „unfriedlicher, verworrener und arcklistiger Knecht“,. Die Kommissionsmitglieder redeten sich in Rage: Mit derart geschmacklosen, noch dazu ärgerlich provozierenden Gelumpe können doch kein Vorgarten nobiliert und erst recht keine Ratsstube geschmückt werden, zitierte von Cube.

Da war für Erasmo guter Rat teuer. Zurück nach Schmidmühlen zu gehen stand nicht zur Debatte, diese Blamage wollte er sich und seinen Eltern ersparen. Wie ihm das Glück zuspielte, begegnete er Dorothea Kaltenbrunner, der Tochter eines der reichsten Bürger Münchens. Damit war für ihn ein nicht unwesentlicher Teil seiner Zukunft abgesichert.

Karriere begann

Er lernte Meister Nithart mit dem Beinamen „Grünewald“ kennen und damit begann für den jungen Erasmo ein richtiger Karrieresprung. In Erinnerung an die Bräuche seiner bäuerlichen Heimat, die Tradition des Brauttanzes, entstanden zehn Tänzer in unterschiedlichen, mittelformatigen Größen. Jede Figur hatte ihren eigenen Tanzstil. Eine hoppste wie von der Tarantel gestochen, die andere schlug sich auf Waden und Schenkel, eine dritte und vierte imitierten hölzern einen klassischen Pas de Deux und wirbelten dann wie irre um sich selbst.

Erst bei einem Preistanz am 1. Mai in Fröttmaning erreichten seine Morisken als Gegenstück zu den Schäfflern Beachtung in der Münchner Schickeria von damals. Grassers Siegeszug nahm seinen Lauf.

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