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kultur

Expressionistische Kollage von Brauchtum und Moderne

Lange Nacht in der Provinzialbibliothek bot hervorragendes Musikkabarett und Mundarttheater.
Von Christina Röttenbacher

„Rampenfieber“ gelang es ausgezeichnet, die Besonderheiten regionaler Dialektunterschiede hervorzuheben.

AMBERG. Dialektpflege muss nicht unbedingt etwas mit Heimattümelei zu tun haben. Im Bekenntnis zur Abstammung, speziell der Oberpfälzer Herkunft, hat sich einiges gewandelt. Dass die Oberpfalz mit Künstlern gesegnet ist, die Brauchtum und Moderne bis zu einer expressionistischen Kollage zusammenführen können, wurde bereits oft bewiesen.

So auch bei der „Aktionswoche der Bibliotheken“ die in diesem Jahr unter dem Motto „Treffpunkt Bibliothek – Information hat viele Gesichter“ stand. Dazu hatte die Provinzialbibliothek Amberg zur langen Nacht mit Musik und Theater in den barocken Lesesaal geladen. Es kamen weit mehr Zuschauer als erwartet. Schnell wurden Stühle aus den Büros und Räumen der Bibliothek herbeigeschafft, um allen einen Sitzplatz bieten zu können.

Modernes, szenisches Theater, launig und skurril aber auch mit ernsten Hintergründen und ungebrochener Leidenschaft zum Oberpfälzer Dialekt präsentierte die Theatergruppe „Rampenfieber“ unter der Regie von Winnie Steiner. Sie entführten das Publikum in die gesamten Verbreitungsgebiete des Oberpfälzischen, mit einer Theatercollage, die fast schmerzhaft gestochenes, überbetontes Hochdeutsch neben urtümlichen Dialekt stellte und damit auch dem Wesen des „Oberpfälzers“ und seiner „Oberpfalzismen“ den ihnen zustehenden Platz in er Welt zuwies.

Von der legendären „Mundfaulheit“ bis zur Liebe zum Diphthong, (Doppellaut aus zwei verschiedenen Vokalen), die im Oberpfälzischen leicht eine bellende Wirkung erzielen, nahmen die Akteure ihren Heimatdialekt auf die Schippe, nicht um auszulachen sondern um über sich selber zu lachen. Der Gruppe „Rampenfieber“ jedenfalls gelang es ausgezeichnet, die Besonderheiten der regionalen Dialektunterschiede hervorzuheben und diese lustig an den Zuhörer zu bringen.

Einen ganz anderen Weg der Kulturpflege ging das Duo „Bauernsfünfer“ mit „da Oine“ (Dominik Niklas) und „da Anner“ (Uli Radl). Wie zu erwarten bedienten auch sie sich des Dialektes, so unverfälscht und pur, dass er selbst von Einheimischen nur schwer verstanden wurde. Nicht nur stimmbandmäßig war das Duo ein Erlebnis für sich. Musikalisch lavierten sie mit Gitarre, Trompete, Klarinette und Klavier, Saxophon und kurzem Blatt, mischten sie bayerische Volksmusik auf und verpassten ihr einen mitreißenden Sound aus Jazz, Blues und einer Prise Dancefloor, der absolut unkonventionell und ungeniert die oberpfälzer Mundart revolutionierte. Dazu die frechen Texte und der elektronische Helfer „Kevin“. Der Applaus gab den Künstlern recht in ihrem progressiven Umgang mit dem heimatlichen Dialekt. Die Mundart ist tot – es lebe die Mundart.

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