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Flüchtlinge sollen sich Zuhause fühlen

Studierende der Sozialen Arbeit an der OTH Regensburg entwickeln zusammen mit neun Jugendlichen, die in einer Amberger Wohngruppe leben, Ideen.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Zabi aus Afghanistan zeigt das Foto seines Lieblingsartes in Amberg. Foto: Knobloch
  • Die neun minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge, die in der Wohngruppe „a capella“ in Amberg leben, besuchten am Mittwoch die OTH regensburg. Foto: Knobloch

Regensburg.Wie kann man dazu beitragen, dass sich junge unbegleitete Flüchtlinge in Deutschland zu Hause fühlen und sich aktiv in die Gesellschaft einbringen? Mit dieser Frage haben sich 15 Studierende des Masters „Soziale Arbeit – Inklusion und Exklusion“ an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg im Rahmen des Projektseminars „Sozialraumorientierung und Lebenswelt“ beschäftigt. Ihre Dozentin Petra Ellert ist zugleich pädagogische Mitarbeiterin in der Wohngruppe „a capella“ in Amberg. Seit Juli 2013 werden hier neun unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unter anderem aus Afghanistan, Gambia und Pakistan betreut.

Beim Konzept der Sozialraumorientierung steht die Umgebung, in der ein Mensch lebt, im Mittelpunkt. „Es geht darum, vorhandene Gegebenheiten weiterzuentwickeln und neue Netzwerke aufzubauen“, beschreiben die Studierenden das Konzept. Die Ideen, die sie in mehreren Arbeitsgruppen zusammen mit den jungen Flüchtlingen erarbeitet haben, stellten sie am Mittwoch an der OTH Regensburg vor. Unter dem Motto „Du in Amberg“ machten sich drei Studentinnen mit den Jugendlichen auf die Suche nach deren Lieblingsplätzen in der Stadt. Die Bilder, die unter anderem einen Sportplatz oder den Stadtpark zeigen, wurden dann auf einem Stadtplan angebracht. Eine zweite Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit dem Thema „Praktikum“. Die Jugendlichen, die eine Vorklasse an der Berufsschule besuchen, hätten ein starkes Bedürfnis nach beruflicher Orientierung, erfuhren die Studierenden im Gespräch mit einer „a capella“-Mitarbeiterin.

Ein sogenannter Ressourcencheck soll den Flüchtlingen dabei helfen, herauszufinden, was sie wollen und wo ihre Stärken liegen. ´Mehrsprachigkeit, eine hohe Motivation und eine große Selbstständigkeit seien Kompetenzen, die viele der Jugendlichen mitbringen würden, so die Studierenden. Dies müsse man bei der Bewerbung um einen Praktikumsplatz gegenüber den Unternehmen auch kommunizieren. Als vorbildliches Beispiel stellten die Studierenden zudem ein Projekt aus Ingolstadt vor. Dort werden Mittelschüler ab der 8. Klasse von sogenannten Jobpaten unterstützt. Diese helfen bei der Praktikums- oder Lehrstellensuche und geben Tipps für die Bewerbung und das Vorstellungsgespräch. Eine solche Beziehung, die sich über einen längeren Zeitraum aufbauen könnte, wäre für die jungen Flüchtlinge positiv, sagte Ramona Scheunemann, die Leiterin der Wohngruppe.

Welche Möglichkeiten sich für die Jugendlichen bieten, sich in Bayern ehrenamtlich zu engagieren, beleuchtete eine dritte Arbeitsgruppe. Für manche Tätigkeiten wie etwa die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sei ein polizeiliches Führungszeugnis erforderlich – dieses sei für die Flüchtlinge schwer zu bekommen. „Ehrenamtliches Engagement würde zur gesellschaftlichen Anerkennung der Flüchtlinge beitragen“, ist Petra Ellert überzeugt.

Den Studierenden hat das praxisnahe Seminar Spaß gemacht. „Die Jugendlichen haben sehr motiviert und begeistert mitgemacht“, erzählt Studentin Antonia. Die entwickelten Ideen in die Praxis umzusetzen, ist nun der nächste Schritt.

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