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Baukunst

Glaskathedrale feiert Jubiläum

Die Stadt Amberg besitzt seit 1970 ein kaum wahrgenommenes Architektur-Juwel. Jetzt soll es würdig gefeiert werden.
Von Gerd Spies

Bauhaus wird im nächsten Jahr 100 Jahre alt, die Amberger Glaskathedrale 50 Jahre. Foto: Gerd Spies
Bauhaus wird im nächsten Jahr 100 Jahre alt, die Amberger Glaskathedrale 50 Jahre. Foto: Gerd Spies

Amberg. Es liegt am Rande der Stadt und ist gar nicht so leicht zugänglich. Die Amberger haben schon früh dem eigenwilligen Bauwerk am Bergsteig den Namen „Kathedrale“ verpasst. Es ist das ehemalige Rosenthal-Glaswerk, in dem auch heute noch Glas produziert wird, sehr viel mehr als vor Jahrzehnten. Die heutige Kristall-Glasfabrik Amberg GmbH gehört der österreichischen Riedel-Gruppe.

Der Architekt dieses inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Industriegebäudes ist kein Geringerer als Walter Gropius, der Begründer des legendären Bauhauses zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Bauhaus war eine zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Weimar gegründete bahnbrechende Kunstschule, die auch heute noch die Architektur in Deutschland prägt. Die Amberger Glaskathedrale war das letzte Bauwerk von Walter Gropius. Er erlebte selbst die Fertigstellung 1970 nicht mehr, er starb ein Jahr zuvor.

Jetzt zum 100-jährigen Jubiläum der Bauhausgründung und dem 50. Todestag von Walter Gropius soll die Glaskathedrale, die inzwischen als eines der bedeutendsten Industriebauten des 20. Jahrhunderts gilt, gewürdigt werden. Seit vergangenem Wochenende widmet sich eine Sonderausstellung im Stadtmuseum das Industriedenkmal, dem Erbauer Gropius und besonders der Firma Rosenthal und ihren in Amberg produzierten Erzeugnissen aus Glas. Ab Anfang 2019 wird es einen Ausstellungsraum in der Glasfabrik zu den Themen Bauhaus, Walter Gropius und Glaskathedrale geben.

Reise hat sich gelohnt

Die beiden Väter der Idee, die beinahe vergessene Amberger Glashütte wieder in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken, sind Wolfgang Dersch, Kulturreferent der Stadt, und Markus Kühne, der Baureferent. Vor gut einem Jahr reisten sie sogar nach Boston/USA zu dem heute fast 95-jährigen Alex Cvijanovic, dem damaligen Partner von Gropius, der gemeinsam mit ihm die Glaskathedrale am Bergsteig entwarf. Aus den privaten Unterlagen des weltberühmten Architekten und aus der Universitätsbibliothek des berühmten Massachusetts Institute of Technology konnten sie reichlich Material sammeln, das jetzt der Öffentlichkeit in der Ausstellung präsentiert werden soll. „Die Reise über den Teich hat sich gelohnt“, erklärten die beiden Referenten damals dem Stadtrat.

„Eine geniale Lösung, vor 50 Jahren ersonnen!“ Aus den Worten des Architekten Markus Kühne spricht die Begeisterung für dieses Bauwerk. Für ihn ist das Gebäude ein Paradebeispiel für das Prinzip von Gropius, das da hieß: „Die Architektur soll dem Menschen dienen!“ Gropius, so Kühne, sei ein „sozialer“ Architekt gewesen. „Es ist ein menschlich Kreuz, Glas zu machen“, steht in der Empfangshalle der Fabrik. Der Spruch weist darauf hin, dass die Arbeitsbedingungen nicht angenehm waren an den Brennöfen durch die Hitze. Den Glasbläsern die schweißtreibende Arbeit zu erleichtern, war Kernpunkt der Planung von Gropius. Das spitze Dach der Amberger Glashütte diente dabei als Lüftung, die Hitze wurde nach oben geführt. Mit den großen Fensterflächen und den Innenhöfen als Ruhezonen ergab sich insgesamt ein beispielloses ökologisches und soziales Gesamtkonzept, so Kühne.

Netzwerk geschaffen

Mit Stolz berichtete der Kulturreferent Wolfgang Dersch, dass es gelungen sei, für das Jubiläum 2019 ein Netzwerk mit Selb zu schaffen. In der oberfränkischen Porzellanstadt steht ja ein weiteres, in den 60er Jahren von Gropius für den Porzellanhersteller Rosenthal entworfener Industriebau. Im Netzwerk Selb & Amberg haben sich jetzt für das Jubiläumsjahr Institutionen zusammengeschlossen mit dem Ziel, die vielfältigen Facetten des Wirkens von Walter Gropius zu präsentieren. Dadurch kommen Ambergs Bürger in den kommenden Monaten in den Genuss eines umfangreichen Programms mit Ausstellungen, Workshops, Konzerten etc. Die Protagonisten der Feierlichkeiten stellten sich jetzt in einer Medienkonferenz im Industriegebäude der Öffentlichkeit vor. Die Stadt Selb, Rosenthal, der Kunstverein Hochfranken Selb, das Staatliche Museum Porzellanikon und andre haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Die Sonderausstellung im Amberger Stadtmuseum ist da erst der Anfang eines umfangreichen Programms.

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