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Wirtschaft

Griechenland hilft der Region

Die Arbeitslosigkeit in der Region Amberg-Sulzbach hat sich in zehn Jahren fast halbiert. Jetzt werden Fachkräfte gesucht.
Von Gerd Spies

  • Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny, Markus Kitsch (Agentur für Arbeit) und Landrat Richard Reisinger (von links) stellen den Arbeitsmarktbericht vor. Foto: Gerd Spies
  • Dimitra und Efstathios Panagiotou aus Trikala in Griechenland fühlen sich in Amberg wohl. Foto: Gerd Spies
  • Fachkräfte wie Busfahrer im öffentlichen Personennahverkehr werden auch in Stadt und Landkreis händeringend gesucht. Foto: Uli Deck/dpa

Amberg.Die Agentur für Arbeit gab Einblick in den Arbeitsmarkt der vergangenen zehn Jahre in der Stadt Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach. Beim Pressegespräch war auch ein Ehepaar aus Griechenland dabei – aus einem ganz besonderen Grund.

„Gut, wenn man nach zehn Jahren mal Bilanz zieht“, begründet Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny gleich zu Beginn den Bericht von Markus Nitsch, dem Leiter der Agentur für Arbeit in Schwandorf, der sich auch für Amberg und den Landkreis Amberg-Sulzbach zuständig zeichnet. Markus Nitsch machte deutlich, dass sich seit der großen Wirtschaftskrise 2008/09 in der Region viel verändert hat. „Mittlerweile gibt es neue Herausforderungen“, sagt Nitsch.

Konjunktur zog kräftig an

Kaum war die Wirtschaftskrise 2009 überwunden, zog auch in der Region Amberg und Amberg-Sulzbach die Konjunktur kräftig an. Bis 2019 halbierte sich nahezu die Zahl der Menschen, die arbeitslos war. In Amberg von 8,3 Prozent auf 4,2 Prozent, im Landkreis Amberg-Sulzbach von 4,3 Prozent auf 2,2 Prozent.

Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Amberg um 20 Prozent , im Landkrei Amberg-Sulzbach um 22 Prozent. Fast 10 000 Arbeitsplätze sind in diesem Zeitraum in der Region entstanden.

Dabei kommt rund die Hälfte der Menschen, die neu in Arbeit gekommen sind, aus der Region selbst, die andere Hälfte durch Zuwanderung, entweder aus benachbarten Regionen oder aus dem Ausland. Dadurch erhöhte sich die Zahl der Einpendler, im LK um ein Drittel, in der Stadt um etwas mehr als 20 Prozent . „Die Mobilität nimmt zu“, kommentierte Markus Nitsch die Entwicklung.

„Mehr Stellen, weniger Arbeitslose“, fasst Nitsch die Entwicklung in der Region zusammen. Die Zahlen zeigen aus seiner Sicht klar, dass sich die Region in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt hat. Doch Nitsch sieht auch die große Herausforderung, die für den Arbeitsmarkt dadurch entstanden ist, der Fachkräftemangel. Immer schwieriger gestaltet sich für unternehmen die Aufgabe, gute Bewerberinnen und Bewerber zu finden.

Das gilt auch für die Region Amberg-Sulzbach. Beispiel Personal für den öffentlichen Verkehr: „Ich finde keinen Busfahrer in meiner Datei“, beschreibt Nitsch die Situation in der Agentur für Arbeit. Dabei gewinnt aber in Zeiten eines gestiegenen Umwelt- und Klimabewusstseins gerade der Öffentliche Personennahverkehr (OPNV) an Bedeutung. Außerdem erfordert der stetig ansteigende Pendlerverkehr in der Region den Ausbau des Nahverkehrsnetzes.

Landrat Richard Reisinger sieht den Fachkräftemangel in allen Bereichen des Handwerks. „Momentan hat Handwerk schon goldenen Boden“, sagt Reisinger.

Problem Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel dokumentiert sich auch in der Statistik der offenen Stellen. Waren es im Jahr 2009 noch lediglich insgesamt 309 offene Stellen in der Region Amberg-Sulzbach, sind es aktuell 1506 offene Stellen. Allerdings flacht derzeit die Kurve ab. „Wir haben bisher von einer Schere gesprochen, jetzt schaut die Kurve eher nach einer Grillzange aus“, meint Nitsch. Der Rückgang der offenen Stellen könne aber, so Nitsch, auch damit zu tun haben, dass sich manche Arbeitgeber nach vergeblichen Versuchen einfach aus dem Arbeitsmarkt zurückziehen würden.

Eine findige, wenn auch ungewöhnliche Idee hat die Stadt Amberg angestoßen. Da der Bedarf der Unternehmen mit heimischen Kräften nicht gedeckt werden kann, haben Politik und Verwaltung Initiativen gestartet, um Arbeitnehmer aus dem Ausland anzulocken. Eines der Vorhaben ist das „Trikala-Projekt“, mit dem man Menschen aus der griechischen Partnerstadt für ein Leben in Amberg begeistern möchte. Efstathios Panagiotou ist dem Ruf gefolgt, arbeitet seit drei Monaten als Pflegekraft im Heilig-Geist-Stift.

„Wir haben viel Unterstützung bekommen“, erzählt er von seinen Erfahrungen. Auch seine Frau Dimitra strebe einen Arbeitsplatz an, nach Verbesserung ihrer Deutschkenntnisse. Den Kontakt mit seiner Heimat hält Efstathios aufrecht, macht Werbung für Amberg. Weitere Interessenten seien schon auf das Werben der Stadt aufmerksam geworden. „Wir haben die Arbeitskräfte, die Ihr braucht“, macht er den Arbeitgebern in der Region Hoffnung.

Das Trikala-Projekt

  • Initiative:

    Eine dieser Initiativen ist das Trikala-Projekt. Gemeinsam mit der Agentur für Arbeit hat die Stadt Amberg dieses Projekt angestoßen. Ziel des Projekts ist, Menschen aus der griechischen Partnerstadt Ambergs für ein Leben in der mittleren Oberpfalz zu begeistern.

  • Ergebnis:

    Efstathios Panagiotou ist einer der ersten Bewerber aus Trikala, der in Amberg eine neue berufliche Heimat gefunden hat. Die Stadt hofft, dass weitere Menschen aus der Partnerstadt Trikala nach Amberg kommen. Efstathios Panagiotou hält weiteren Kontakt mit den Menschen in seiner Heimat und erzählt dort von seinen Erfahrungen in Amberg. Oberbürgermeister Michael Cerny berichtet, dass bereits weitere Interessenten auf die Initiative der Stadt aufmerksam geworden seien. Vier Personen hätten Interesse angemeldet.

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