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Brauchtum

Große Trauer um den leeren Geldbeutel

In Rieden machten sich am Aschermittwoch wieder die Männer zum Fischzug auf. 1975 wurde der Brauch im Markt neu belebt.

Phillip Haas und Christoph Hofrichter waren durch Losentscheid auserwählt, beim Fischzug die Misttrage mit dem Geldbeutel durch die Straßen Riedens zu tragen. Foto: azd
Phillip Haas und Christoph Hofrichter waren durch Losentscheid auserwählt, beim Fischzug die Misttrage mit dem Geldbeutel durch die Straßen Riedens zu tragen. Foto: azd

Rieden.In Frack und Zylinder waren die Herren der Schöpfung gewandet, die am Aschermittwoch beim Landgasthof „Zum Bärenwirt“ auf das Kommando „Fischzug, Achtung! Ohne Tritt marsch“ zum 44. Riedener Fischzug starteten. Es war um die Mittagszeit und es herrschte Stille, als die Männer sich auf den Weg machten, um sich dank freigebiger Wirte mit Freibier zu stärken – so konnten sie den traurigen Augenblick des Geldbeuteleingrabens am Abend besser überstehen. Sie mussten schon eine anstrengende Tour hinter sich bringen.

Jeder Teilnehmer bekommt vom Fischzug-Chef Stefan Fuchs einen Fisch auf die Anzugrückseite gezeichnet. Foto: azd
Jeder Teilnehmer bekommt vom Fischzug-Chef Stefan Fuchs einen Fisch auf die Anzugrückseite gezeichnet. Foto: azd

Stefan Fuchs, Chef und Prediger der reinen Männertruppe, weiß, der Fischzug mit dem Geldbeutelbegräbnis sei ein alter Brauch, „den schon unsere Großväter ausübten“. 1975 sei er wieder neu belebt worden. Während des Zuges von Wirtshaus zu Wirtshaus ist Reden und Lachen und in den Lokalen das Pfeifen und Singen verboten. Streng achtet Ordnungsstrafenhüter Norbert Scharl auf die Regeln, bei Verstößen kassiert er ab.

Auf einer alten Misttrage wird er von den zwei Auserwählten, dem Haas Phillip und dem Hofrichter Christoph, feierlich mitgetragen: der leere Geldbeutel, von brennenden Kerzen umrahmt, mit Blumen geschmückt. Und auch hier tritt Norbert Scharl in Aktion: Sollte der Geldbeutel entwendet werden – das soll schon öfter vorgekommen sein –, müssen die Träger einem saftigen Obolus entrichten.

Jürgen Wendl (rechts) und Markus Jaintzyk waren für den Fischverkauf zuständig. Foto: azd
Jürgen Wendl (rechts) und Markus Jaintzyk waren für den Fischverkauf zuständig. Foto: azd

Das Freibier der Wirte inklusive des letzten Tropfens zu vernichten, ist die vornehme Pflicht der Fischzügler. In allen Riedener Wirtshäusern und bei mehreren Privatleuten machten sie wieder Station. Damit dies zu bewältigen ist, werden Heringe und einige Wecken Brot vom Wendl Jürgen und dem Jaintzyk Markus mitgeführt und als Unterlage verzehrt, aber auch zum Verkauf angeboten.

Die Stationen des Fischzugs

  • Start

    Der Riedener Fischzug verläuft vom Landgasthof Zum Bärenwirt über die Straße zum Löwenwirt, von dort in die Hirschwalder Straße zum Hiller Hans und weiter zur Pension Rundblick.

  • Weitere Gasthäuser

    Zurück geht es dann zur Pizzeria Bierkönig, dann zum Gasthaus Zur Krone, in den Steitzerboch zur Kellner Petra, von dort über die Staatsstraße zum Gasthaus Haas, dem Poppn, dann zum Hirschenwirt und weiter zum Gasthaus Zur Brücke.

  • Der Abschluss

    Der Fischzug endet nach dem Geldbeutelbegräbnis vor dem alten Rathaus (jetzt Pfarrheim) mit dem Fischessen beim Bärenwirt. (azd)

„Hut ab zum Gebet“, kommandierte Fuchs, wenn sich die Matadore des Aschermittwochs bei den Wirten und edlen Spendern der flüssigen Nahrung artig bedankten. .„Oh mein lieber Geldbeutel, du armer Hund, musst von uns gehen – warst die letzte Zeit net g’sund“, lamentierte dann Prediger Stefan Fuchs, als am Aschermittwochabend gegen 19.30 Uhr dann vor dem ehemaligen Rathaus in Rieden der im Fasching arg geschundene Geldbeutel mit viel Tränen und unter Anteilnahme der Bevölkerung begraben wurde. „Die Faschingszeit warst du mir recht. Schau ich dich jetzt an, dann wird mir schlecht. Drum red’n man net weiter – wir graben dich jetzt ein. Sei uns net bös, des muss halt sein“, jammerten unisono die vom Fischzug arg gestressten Mannsbilder. Mit Gejammer und lautem Heulen wurde dann nach mehr als sieben Stunden angestrengten „Biervernichtens“ der leere Geldbeutel im Schein von Kerzen zu Grabe getragen. (azd)

Noch wenige Tage zuvor, am Faschingssonntag, steppte der Bär in Rieden beim Gaudiwurm.

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