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Jubiläum

Gründung vor 125 Jahren

Die jüdische Kultusgemeinde blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück, richtet aber auch den Blick in die Zukunft.
Von Gerd Spies

  • Schriftzug und Judenstern über dem Eingangsportal der Synagoge in Amberg. Foto: Gerd Spies
  • Der Rabbiner der Amberger jüdischen Gemeinde Elias Dray Foto: Gerd Spies

Amberg.„Gesegnet ist, der kommt im Namen des HERRN ...“ (Psalm 118,26). Diese Inschrift ziert das Eingangsportal der Synagoge in Amberg in der Salzgasse. Ihr Gründungsjubiläum zum 125-jährigen Bestehen feierte die Jüdische Gemeinde in Amberg an diesem Wochenende. Viel politische Prominenz hatte sich angesagt. Neben Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny feierten auch der ehemalige Bayerische Kultusminister und jetzige Antisemitismus-Beauftragte Ludwig Spaenle sowie der Bundestagsabgeordnete Alois Karl und der Landtagsabgeordnete Dr. Harald Schwartz mit. Stadtheimatpfleger Dieter Dörner blickte auf die Sternstunden der vergangenen 125 Jahre zurück.

Es war der 18. Oktober 1894, als von der Königlichen Regierung der Oberpfalz die Statuten der Israelitischen Kultusgemeinde in Amberg genehmigt wurden. Da zu jeder Gemeinde eine Synagoge gehört, kaufte die Gemeinde die beiden benachbarten Häuser in der Salzgasse, richtete dort eine Synagoge im liberalen Ritus ein, d. h. dass die Frauen mit den Männern in einem Raum sitzen. Die Synagoge überstand die NS-Zeit aber nur, weil der Sprengmeister sich gegen eine Sprengung aussprach.

Erste Erwähnung vor 725 Jahren

Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Amberg begann aber schon viel früher. Bereits 1294 wurde sie zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Auch eine Synagoge gab es zu dieser Zeit in Amberg schon. Im 14. Jahrhundert lebten jüdische Familien im sogenannten Judenviertel in der Umgebung der heutigen Frauenkirche. 1384 wurde die erste Synagoge errichtet. Doch schon wenige Jahre später, 1391, wurden die jüdischen Mitbürger auf Anweisung des Pfalzgrafen Ruprecht II vertrieben, die Synagoge abgerissen. An ihrer Stelle steht heute die Frauenkirche.

Lange Zeit war dann Juden der Aufenthalt in Amberg verboten, im Gegensatz zu Sulzbach. Die Sulzbacher Juden wurden von Amberg aus regiert, durften aber die Stadt nicht betreten. Noch 1859 war es jüdischen Handelsleuten untersagt, sich länger als 24 Stunden in der Stadt aufzuhalten. Doch schon zwei Jahre später, mit der Aufklärung, wurden Juden und Nicht-Juden gleichgestellt. Vor allem aus Sulzbach zogen nun viele jüdische Familien nach Amberg und gründeten dort viele Geschäfte. Um 1900 lebten über einhundert Juden in Amberg, waren integriert, teilweise sogar assimiliert. So durfte es z. B. keinen Verein, ob Kanarienzüchterverein, Fußballclub oder Feuerwehr, ohne jüdische Mitglieder geben. Antisemitismus war ein Fremdwort. Dies sollte sich nach dem verlorenen 1. Weltkrieg ändern.

Spätestens mit Beginn der NS-Zeit 1933 häuften sich auch in Amberg die Repressalien und Restriktionen, die jüdischen Bürgern in Amberg das Leben unmöglich machten. Ein Großteil von ihnen emigrierte; andere versuchten, in Großstädten unterzutauchen. In der Reichsprogrom-Nacht am 10. November 1938 wurde die Inneneinrichtung der Amberger Synagoge auf der Straße verbrannt, nachdem der Sprengmeister festgestellt hatte, dass eine Sprengung des Gebäudes in diesem dicht bebauten Stadtteil zu gefährlich wäre.

Die Fenster wurden zugenagelt, die Innenräume wurden fortan als Lebensmittellager genutzt. Alle Amberger Juden wurden in Schutzhaft genommen, die Männer in das KZ Dachau gebracht. Mindestens 38 Amberger Juden sind Opfer des Holocaust geworden. Im Jahr 2012 wurden auf Initiative des Gregor-Mendel-Gymnasiums 15 Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Amberg verlegt.

Nach dem 2. Weltkrieg kamen Hunderte von Juden aus Polen nach Amberg. Die meisten von ihnen wanderten aber nach Israel und in die USA wieder aus. 1989 gab es nur noch 26 Juden in Amberg. Ab den 90er-Jahren stieg die Anzahl jüdischer Bürger wieder an, durch Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion. Heute zählt die jüdische Gemeinde rund 130 Mitglieder.

Seit 2013 hat die jüdische Kultusgemeinde auch einen eigenen Rabbiner, Elias Dray. Dray ist in Amberg geboren und aufgewachsen. Bis zu seiner Ernennung als Gemeinderabbiner in seiner Heimatstadt arbeitete er als Jugendrabbiner in München. Ambergs Oberbürgermeister schätzt an ihm, dass er nur so vor Ideen sprudelt. So will Dray Amberg zu einem jüdischen Zentrum in der Oberpfalz neben Weiden und Regensburg machen, indem er es zu einem Präventionszentrum gegen Rassismus ausbaut.

Außerdem will Elias Dray das Gemeindezentrum sanieren. Unter anderem soll der Gebetsraum neu gestaltet werden, Bestuhlung und Boden ausgetauscht werden. Auch der Toraschrein soll restauriert werden. In dem neuen Schrein könnte dann die 227 Jahre alte Tora ihren Platz finden, die zurzeit noch in Sulzbach aufbewahrt wird.

Großes Projekt für die Zukunft

Ganz besonderen Wert legt der Amberger Rabbiner aber auf den Kontakt mit den Schulen. Für die Schüler jüdischen Glaubens hält er wöchentlich Religionsunterricht. Mit dem Max-Reger-Gymnasium startet er jährlich Projekte. „Ausgrenzung früher und heute“ hieß z.B. im vergangenen Schuljahr ein Workshop für die 9. Jahrgangsstufe des MRG.

Mit der Errichtung eines Präventionszentrums im Gemeindehaus in der Salzgasse plant der Rabbiner Elias Dray ein großes Projekt für die Zukunft. Da passte es gut, dass die jüdische Gemeinde in Amberg die prominenten Gäste zu ihrer Feier einladen konnte, um mit ihnen auch einen Blick in die Zukunft der jüdischen Gemeinde in Amberg zu wagen.

Mit dem Antisemitismus-Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung Ludwig Spaenle und der ehemaligen Amberger Bundestagsabgeordneten Barbara Lanzinger hat Dray ja zwei wichtige Fürsprecher auf seiner Seite, die die Umsetzung seiner Ideen unterstützen.

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