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Grundlagen für diese Schulstadt gelegt

Die Jesuiten in Amberg: Ein Segen für die Stadt – der Orden hatte sich vor allem auch der Bildung der Jugend verschrieben.
Von Helmut R. Scheuck

Wie eine Trutzburg für den katholischen Glauben wirkt auch heute noch die ehemalige Jesuitenkirche St. Georg.Foto: Scheuck

Amberg. Als entscheidendes Element für die Bildung, vor allem der Amberger Jugend im 17. und 18. Jahrhundert sind die Jesuiten zu nennen. Sie haben unter anderen die Lateinschule gegründet, heute Erasmus-Gymnasium, und auch sonst viel für Bildung neben ihrer geistlichen Arbeit getan. Rund 150 Jahre wirkten sie in der Vilsstadt.

Nach Amberg waren sie im 30-jährigen Krieg gekommen. Nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 hatte der Winterkönig, Kurfürst Friedrich V. die böhmische Krone, Amberg und die „Herobere Pfalz“ sowie die Kurwürde verloren.

Letztere gingen an seinen Bayerischen Vetter Maximilian I. über. Als strengem Katholiken war es ihm Anliegen seine neuen Untertanen zum rechten Glauben zu bekehren. Denn unter den Pfälzern waren Amberg und die Oberpfalz protestantisch und calvinistisch. Um die Rekatholisierung durchführen zu können griff Maximilian auf den Ordensgemeinschaft Societas Jesu (SJ) zurück.

Jugend für Katholizismus gewinnen

Im Jahre 1621 besetzen bayerische Truppen die Oberpfalz, die Maximilian I. dann 1628 mit Einverständnis des Kaisers annektierte. Es war der Lohn für die finanzielle und militärische Hilfe des bayerischen Herzogs für Kaiser Ferdinand II. Mit dabei waren als Oberst Herliberg die Stadt 1621 besetzte zunächst lediglich zwei Jesuiten. Ende 1621 sollten jedoch weitere sechs Patres und ein Bruder nach Amberg kommen.

Warum Maximilian gerade die Jesuiten nach Amberg schickte ist wohl damit zu begründen, dass zum einen die einheimischen Geistlichen dieser Aufgabe nicht gewachsen erschienen und Maximilian selbst seine Ausbildung bei den Jesuiten erhalten hatte. Ferner galten sie als vorbildliche Geistliche. Selbstdiszipliniert, rhetorisch geschult, gelehrt und weltmännisch auftretend überzeugten sie.

Zunächst hielten sie ihre Gottesdienste im kurfürstlichen Schloss, was sich aber alsbald als zu klein erwies, so groß war die Resonanz. 1623 wurde ihnen die von den Calvinisten als Pferdestall zweckentfremdete Frauenkirche überlassen. Im gleichen Jahr erlaubte ihnen der Kurfürst auch die Nutzung der Georgskirche. 1624 erhielten sie als ständige Unterkunft den Pfarrhof von St. Georg. Dort eröffneten sie auch eine zunächst einklassige Lateinschule.

Laut Dekret vom 26.April 1628 mussten alle erwachsenen Bürger der Stadt innerhalb von sechs Monaten den katholischen Glauben annehmen oder die Stadt verlassen. Da nach Meinung der Jesuiten sicherlich nicht zu Unrecht viele Bürger nur notgedrungen zum neuen Glauben wechselten, versuchten sie die Jugend vom Katholizismus zu überzeugen. 1629 wurde die Georgskirche endgültig Kollegkirche und ein Kollegbau, das heutige Maltesergebäude, sollte errichtet werden, um Gymnasium und Schüler dort unterzubringen.

Anlass für das Bergfest geschaffen

Infolge von Krieg und Geldmangel stagnierte der Bau zunächst. 1726 wurde das Lyzeum offiziell eröffnet. Zu dieser Zeit wirkten rund 30 Patres in der Stadt. Als der Papst völlig überraschend den Orden 1773 aufhob verließen die Jesuiten Amberg. Erst 1781 übernahmen die Benediktiner als Nachfolger die Leitung der Studienanstalt.

Was blieb von den Jesuiten. Erfolgreich haben sie die Gegenreformation umgesetzt. Sie haben den Grundstein zur Schulstadt Amberg durch ihre Lateinschule gelegt und gründeten, kulturell interessiert, auch das Schultheater. Zudem waren sie aber auch der Bevölkerung selbstlose Helfer bei Seuchen und in Hungerjahren. Sogar das Amberger Gnadenbild auf der Bergkirche wurde vom Jesuitenpater Hell im Pestjahr 1634 gestiftet. Daraus entstand die Wallfahrt auf den Berg. Etwas salopp gesagt verdanken die Amberger daher auch ihr geliebtes Bergfest den Jesuiten.

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