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Bildung

Grundschullehrer gehen auf die Straße

Der BLLV protestiert gegen die Pläne des Kultusministeriums. Der Minister erhält demnächst Post.
Von Gerd Spies

Zum „Aktionstag Lehrermangel: So nicht!“ in Hahnbach versammelten sich rund 100 Lehrer. Foto: Gerd Spies
Zum „Aktionstag Lehrermangel: So nicht!“ in Hahnbach versammelten sich rund 100 Lehrer. Foto: Gerd Spies

(age) Hahnbach.Eigentlich wollten die Organisatoren diese Kundgebung zentral auf dem Amberger Marktplatz veranstalten. Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) hatte am vergangenen Freitag zu einem landesweiten „Aktionstag Lehrermangel: So nicht!“ aufgerufen. Man war sich aber nicht sicher, wie viele Lehrkräfte dem Aufruf folgen würden. Trotz Minusgraden hatten sich aber dann doch rund 100 Pädagogen auf dem Schulgelände bei der Hahnbacher Grund- und Mittelschule versammelt.

„Wir wollen ein Zeichen setzen“, lautet der Aufruf von BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann aus München. Seit Jahren habe der Lehrerverband vor dem Lehrermangel gewarnt. Seit Jahren würden sich die Lehrerinnen und Lehrer allein gelassen fühlen mit den Herausforderungen. „Der BLLV sagt Nein zum Arbeitskonto für Grundschullehrer, Nein zur Anhebung der Antragsaltersgrenze und Nein zu den Einschränkungen bei den Teilzeitmöglichkeiten“, heißt es im Aufruf des Lehrerverbands. Ursula Schroll, Schulleiterin in Neumarkt und bis zum vergangenen Jahr BLLV-Vorsitzende der Oberpfalz, geht es gar nicht um die eine Stunde mehr Unterricht. „Das ist nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat“, sagte sie in Hahnbach. Seit Jahren würden die Lehrer am Anschlag arbeiten, sei die Lehrerversorgung „auf der äußersten Kante genäht“. Von Bildungsqualität brauche man bei diesen Bedingungen nicht mehr reden.

Die Aufgabe der Lehrer habe sich, so Schroll, verlagert. Weniger als Vermittler von Wissen und Können als vielmehr als Psychologe, Sozialarbeiter, Therapeut, Vater- oder Mutterersatz sei man heute gefordert. Für Lehrer sei es inzwischen Alltag, dass von 25 Schülern in einer Klasse lediglich fünf „normal“, das heißt, ohne speziellen Förderbedarf, seien. Und dass sich laut Umfrage jeder fünfte Lehrer schon einmal bedroht gefühlt habe, will man im Ministerium gar nicht registrieren, sagte Schroll und fügte hinzu: „Wenn jetzt Kultusminister Piazolo erklärt, die Stunde Mehrarbeit ist ein Ausdruck von Wertschätzung, dann fühlen wir uns, gelinde gesagt, ziemlich verarscht!“

Neben der ehemaligen BLLV-Vorsitzenden kamen noch Anja Decker für die Grundschul-Lehrkräfte, Tanja Fahrnholz für die Mittelschul-Lehrer und Edith Ruppert-Groher für die Fachlehrer zu Wort. Anja Decker rechnete vor, dass die Unterrichtspflichtzeit eines Gymnasiallehrers 23 Stunden, die eines Mittelschullehrers 27 Stunden beträgt, ein Grundschullehrer dagegen jetzt 29 Stunden pro Woche unterrichten müsse. Tanja Fahrnholz erinnerte an die schon seit Jahren vom BLLV geforderte einheitliche Besoldung für alle Lehrer.

Als Teil der Protestaktion füllten die Teilnehmer Postkarten als persönliche Botschaft an ihren obersten Dienstherrn aus. Kultusminister Piazolo wird in den kommenden Tagen reichlich Post zugeschickt bekommen.

BLLV-Forderungen

  • Ja:

    Für bessere Arbeitsbedingungen, für A13 für alle Grund- und Mittelschullehrkräfte, für eine flexible Lehrerbildung, für Aufwertung der Fach- und Förderlehrkräfte.

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