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Lebenswerk

Harte Arbeit und viel Kunstgefühl

18 Jahre dauerte die Sanierung des historischen Aschacher Pfarrhofs durch die Künstler Hanna Regina Uber und Robert Diem.
Von Michaela Fichtner

Die Künstler Hanna Regina Uber und Robert Diem haben sich im Barockensemble des alten Aschacher Pfarrhofs ein besonderes Heim geschaffen. Foto: Michaela Fichtner
Die Künstler Hanna Regina Uber und Robert Diem haben sich im Barockensemble des alten Aschacher Pfarrhofs ein besonderes Heim geschaffen. Foto: Michaela Fichtner

Freudenberg.Ruhe umfängt den Besucher am Schmiedberg. Das Zwitschern von Vögeln und ein leiser Wind bilden hier am Ortsrand von Aschach die Hintergrundmusik, nur der Schlag der Glocken von St. Ägidius unterbricht ab und an die Stille. Im Schatten des Kirchturms zieht ein stattliches Haus samt Nebengebäude und Scheune unweigerlich die Blicke an: Es ist der denkmalgeschützte Ökonomie-Pfarrhof aus dem Jahr 1585, Heimat von Hanna Regina Uber und Robert Diem. Ihr Lebensmittelpunkt, der Ort ihres kreativen Schaffens ebenso wie ihr ganz persönlicher Rückzugsort.

Viel Grün findet sich an diesem Ort. Und vor allem Kunst. Nicht von ungefähr: Aus Emotionen, Fantasie und Gedanken über die Welt mit den verschiedensten Materialien Kunstwerke zu schaffen – das bestimmt das Leben des renommierten Künstlerpaares. Ihre schöpferische Arbeit mit Geist und Händen prägte aber auch die behutsame Sanierung des alten Pfarrhofes. 20 Jahre lang – nicht minder ein Lebenswerk. Nun erstrahlt das historische Gebäude in neuem Glanz, und die früheren Sorgen, das Denkmal würde einfach zusammenbrechen, sind gebannt.

Glücksfälle und harte Zeiten

Mehrere Jahre dauerten allein die Arbeiten in der ehemaligen Remise (Foto von 2001). Foto: Uber-Diem
Mehrere Jahre dauerten allein die Arbeiten in der ehemaligen Remise (Foto von 2001). Foto: Uber-Diem

„Wir waren schon ein bisschen blauäugig“, gibt Robert Diem unumwunden zu, wenn er erzählt, wie alles begann. Der Berliner war 1982 in einen Einödhof bei Kastl gezogen. Im gleichen Jahr kam die Stuttgarterin Hanna Regina Uber in die Künstlergemeinschaft Ziegelhütte. In einer Kneipe haben sie sich kennengelernt – und wurden ein Paar. Nach der Geburt der Tochter haben beide Jahre lang in ganz Deutschland und in Frankreich nach einem größeren Heim, vor allem auch mit Platz für Werkstätten, gesucht. Vergeblich.

Der damalige Landrat Dr. Hans Wagner aber wollte das Paar, das sich durch Kunst im öffentlichen Raum schon einen Namen gemacht hatte, im Landkreis halten und versprach Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Objekt. „Der nächste Termin war ein Gespräch mit dem Freudenberger Bürgermeister Norbert Probst“, erzählt Robert Diem von jenem schicksalhaften Tag 1997. An der Tür habe der Landrat Probst gefragt, ob er etwas wüsste – er hat den Aschacher Pfarrhof vorgeschlagen. 15 Jahre stand dieses Barockensemble schon leer, das Denkmalamt hatte bereits eine Notsicherung vornehmen lassen. Noch am Nachmittag haben sich alle in Aschach getroffen – „es sah schlimm aus…“, sinniert Robert Diem.

Und doch: Kurze Zeit später, Weihnachten 1997, hat sich die Familie in der Wohnung im ersten Stock eingerichtet. „Ein paar Räume waren ok“, beschreibt es Robert Diem heute. Wie schlimm es wirklich war, verrät eine andere Erinnerung: „Wir haben den Ofen eingeheizt – aber es wurde nicht warm. Es hat drei Monate gedauert, bis die Mauern trockengeheizt waren.“

Mehr Eindrücke vom denkmalgeschützten ehemaligen Aschacher Pfarrhof und von seiner Sanierung sehen Sie hier in unserer Bilderstrecke!

Früherer Pfarrhof Aschach ist saniert

Glücksfälle haben geholfen

Ein Problem: Das Künstlerpaar hatte natürlich keine tausende Mark auf der hohen Kante. „Und als Künstler bekommst Du auch kein Geld geliehen“, sagt Robert Diem. Sie haben die Sanierung des denkmalgeschützten Anwesens trotzdem geschafft: Dank verschiedenster Fördertöpfe, dank ihrer eigenen Hände Arbeit – Robert Diem ist handwerklich geschickt –, dank verschiedener Aufträge beispielsweise für Brunnen in der Region. Und dank „Glücksfällen“, wie es beide bezeichnen.

Nachbar Anton Kohl und seine Frau Marion sind für sie ein solcher Glücksfall. Als Anton Kohl eine Biogasanlage plante, kam Robert Diem die Idee, Fernwärme für den Pfarrhof zu nutzen. „Normale Ölöfen – da geht man pleite in diesem Haus“, sagt er. Er hat dem Nachbarn mit der Anlage geholfen, dieser wiederum hat bei der Sanierung mit seinen Maschinen unterstützt.

18 Jahre dauerte letztlich die Restaurierung: allein fünf bis sechs Jahre die Sanierung der fast zusammengebrochenen Stallung zur Galerie und zum Atelier, zwei Jahre die Dächer. Mit drei Konservatoren des bayerischen Denkmalamts haben sie zusammengearbeitet. Und alle haben sie überzeugt: „Sie haben gemerkt, dass man uns vertrauen kann“, sagt Hanna Regina Uber.

Beispielsweise das Atelier oben in der ehemaligen Remise: Robert Diem hat selbst sieben große Fenster gebaut und ganz bündig ins Dach eingefügt. „Der Konservator war so zufrieden, dass er es sogar anderen gezeigt hat.“

Funde bei der Sanierung

  • Schätze

    Bei der Sanierung des Dachs tauchten Fläschchen, Absatzschoner, eine Dose mit Notgeld aus dem Krieg und manches mehr auf. Mägde und Knechte könnten sie versteckt haben, weil sie ihnen etwas bedeutet haben. Hanna Regina Uber nennt sie daher auch „Schätze“.

  • Originelles

    Ein unscheinbares hölzernes Schränkchen entpuppte sich als alter Kühlschrank, der mit Eis gefüllt wurde. Und an einer Tür hat Kaminfeger Egon Wüst seine Arbeit vom 26.4.1957 dokumentiert – als wäre er erst gestern hier gewesen. (mi)

Stimmiger Eindruck ist wichtig

Hell und licht ist es im Atelier, das im Dachgeschoss der ehemaligen Remise entstanden ist. Foto: Michaela Fichtner
Hell und licht ist es im Atelier, das im Dachgeschoss der ehemaligen Remise entstanden ist. Foto: Michaela Fichtner

Kunstverständnis und der Blick des Künstlers für Proportionen und Wirkung sind ein wesentlicher Punkt bei dieser Sanierung – und gerade wenn der Betrachter nicht erklären kann, warum es ihm so gut gefällt, ist es richtig. Beispiel Fassadenfarbe: „Die sah tot aus“, kommentieren die beiden Künstler den ersten „normalen“ Anstrich. Robert Diem hat u. a. mit Holzkohle experimentiert und dann wurde eine weitere Farbe sanft akzentuiert aufgebracht.

Oder der Dachstuhl: „Das alte Dach ist gebogen“, zeigt Robert Diem. Beim Eindecken mit Biberschwanzziegeln wurde da und dort noch etwas angehoben, um genau diesen stimmigen Eindruck zu erzielen, wie ihn der Künstler sieht. „Firmen tun sich schwer, was krumm zu machen“, schmunzeln die beiden. Aber genau das Krumme, beispielsweise auch beim Putz, sei wichtig.

Nun, nach 18 Jahren Arbeit, ist der Pfarrhof (bis auf einige Arbeiten in den Privaträumen) statisch gesichert und saniert. Auch die Aschacher seien stolz auf das Haus, freuen sich Hanna Regina Uber und Robert Diem. Früher hätten viele gesagt, das „alte Zeug“ sollte man „wegschieben“. Mancher mag den Kopf geschüttelt haben, als die Familie kam. „Aber als Künstler hat man Narrenfreiheit“, schmunzelt Robert Diem.

Ganz oben, unter den original erhaltenen Dachbalken aus dem Jahr 1585, spricht Hanna Regina Uber von einem „schönen Gefühl“: „Das Haus wird noch 500 Jahre stehen können, weil wir es erhalten haben – und dann wird es das Zuhause für andere sein.“

Der denkmalgeschützte frühere Pfarrhof in Aschach wurde auch in die Liste der Barockkulturgüter Bayerns und Böhmens aufgenommen.

Natürlich finden sich viele Kunstwerke in dem Barockensemble – auch Skulpturen, mit denen Hanna Regina Uber und Robert Diem 2017 bei der Ausstellung „Position und Wandlung“ beeindruckt haben.

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