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Wirtschaft

Historische Grundsteinlegung

In Ursensollen ist mit dem Bau der Grammer-Zentrale begonnen worden. Der Wirtschaftsminister lobte die Konzernspitze.
Von Gerd Spies

  • Bei der Grundsteinlegung wurde fachmännisch mit der Kelle der Mörtel verteilt. Fotos: Gerd Spies
  • Der Vorstandsvorsitzende der Grammer AG, Hartmut Müller, und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (v. l.) signieren den Plan.

Ursensollen.Für Franz Mädler, Bürgermeister von Ursensollen und von den Freien Wählern, dürfte der vergangene Dienstag ein ganz besonderer Tag gewesen sein. Nicht nur, dass der Global Player Grammer AG in seiner Gemeinde feierlich den Grundstein für seine neue Konzernzentrale und das Technologiezentrum gelegt hat, was im Wesentlichen sein Verdienst ist. Aus diesem Anlass stattete auch der neue Wirtschaftsminister als ersten offiziellen Auftritt in der Oberpfalz seiner Gemeinde Ursensollen einen Besuch ab. Dieser Minister ist mit Hubert Aiwanger sein Parteichef von den Freien Wählern.

Der Bayerische Wirtschaftsminister zeigte sich sehr angetan, was da fernab von Ballungsräumen entsteht. „Schön, dass ein solcher Konzern aufs Land geht und nicht nach München“, lobte Aiwanger die Konzernführung. Die sogenannten weichen Standortfaktoren, die nicht messbaren subjektiven Kriterien für die Standortwahl eines Unternehmens, hätten sich laut Aiwanger verändert, wie auch die Entscheidung der Konzernleitung belege. Waren es vor Jahren noch die Vorzüge der Großstadt, die unter anderem für ihre Familie gesucht wurden, würden die Führungskräfte heute eher die Ruhe und den Erholungswert auf dem Land suchen.

Ende 2019 soll es fertig sein

Hier könne die Region punkten, ist sich Aiwanger sicher. „Wir kehren mit Hightech zurück aufs Land“, erklärte der Minister. Ziel seiner Politik sei ja gerade die Stärkung des ländlichen Raumes. Den bei der Feier zur Schau gestellten Grammer-Sitz, in weiß-blauem Rautenmuster gehalten, hätte der Minister am liebsten gleich in seinem Dienstwagen nach München mitgenommen.

„Ein glücklicher Tag für die Oberpfalz und für den Landkreis Amberg-Sulzbach, für Ursensollen aber ein historischer Tag“: Axel Bartelt, der Regierungspräsident der Oberpfalz, beglückwünschte die Gemeinde und ihren Bürgermeister zu diesem Erfolg. Große Anerkennung zollte Bartelt auch dem Grammer-Konzern, dass er der Region treu geblieben ist. Aus einer vor fast 140 Jahren in Amberg gegründeten Sattlerei, die 1954 mit der Fertigung von Sitzkissen für Traktoren begonnen hatte, ist heute ein Global Player mit 44 Standorten in 19 Ländern und insgesamt 15 000 Mitarbeitern geworden. Allein sechs Standorte in China zählen mittlerweile zu dem Oberpfälzer Konzern.

Mit großem Stolz läutete Hartmut Müller, der Vorstandsvorsitzende der Grammer AG, mit der feierlichen Grundsteinlegung die nächste Phase beim Bau der Konzernzentrale und des Technologiezentrums in Ursensollen ein. Anfang März erfolgte der Spatenstich, jetzt, neun Monate später, startet der Neubau offiziell. „Die Fertigstellungsmaßnahmen laufen nach Plan, Ende 2019 wollen wir in den Bauabschnitt 1 einziehen“, ist Müller optimistisch. Für den bisher reibungslosen Ablauf auf der Baustelle dankte er dem federführenden Bauunternehmen Max Bögl aus Neumarkt.

Mehr Arbeitsplätze als Bürger

Auf knapp 22 000 Quadratmetern wird im Industriegebiet an der Autobahn A 6 ein vierstöckiger Gebäudekomplex für rund 700 Mitarbeiter entstehen. Sogar die Zufahrtsstraße zum Werksgelände wurde nach dem Konzern getauft, heißt jetzt Grammer-Allee. Erstmals sollen in dem dreiteiligen Gebäude neben der Konzernzentrale auch die Entwicklungslabors für die beiden Konzernsegmente Automotive und Commercial Vehicles zusammengeführt werden. Für das größte Bauprojekt in der Geschichte des Unternehmens investiert Grammer mehr als 40 Millionen Euro.

Die Lage an der A 6, die Nähe zu den Ballungsräumen Nürnberg und Regensburg, die Erweiterungsmöglichkeiten, all das dürfte eine Rolle gespielt haben bei der Standortwahl für die Grammer-Zentrale. Vor allem aber ist es ein Bekenntnis zu den Unternehmens-Wurzeln in der mittleren Oberpfalz, was den Vorständen hohe Anerkennung in der Region einbrachte. Dass die kleine Gemeinde Ursensollen mit seinen 1450 Einwohnern bald mehr Arbeitsplätze als Einwohner hat, ist vor allem auch ihrem Bürgermeister zu verdanken.

Auch wenn der stellvertretende Landrat Hans Kummert, der Richard Reisinger vertrat, davon sprach, dass es an diesem Tag nur Sieger gibt, muss sich trotzdem die Stadt Amberg, aus der Grammer seine Konzernzentrale abzieht, als Verlierer fühlen. Wichtig für alle ist aber, das betonte auch Kummert, dass der Konzern in der Region geblieben ist.

Grammer AG

  • Unternehmensprofil: Die Grammer AG mit Sitz in Amberg ist spezialisiert auf die Entwicklung und Herstellung von Komponenten und Systemen für die Pkw-Innenausstattung sowie von gefederten Sitzen für On- und Offroad-Fahrzeuge. Im Segment Automotive liefert Grammer Kopfstützen, Armlehnen, Mittelkonsolen und mehr. Das Segment Commercial umfasst LKW- und Offroad-Sitze sowie Bahn- und Bussitze.

  • Standort Ursensollen: Im März 2018 erfolgte der erste Spatenstich. Im Juli erteilte der Konzern dem Bauunternehmen Max Bögl aus Neumarkt den Auftrag über den schlüsselfertigen Neubau des Technologiezentrums und der Konzernzentrale. Das Grundstück ist rund 47 000 qm groß, die Bruttogeschossfläche wird 21 000 qm betragen. Der Bauabschnitt 1 soll Ende 2019 fertiggestellt sein, der Bauabschnitt 2 im Mai 2020.

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