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Gesellschaft

Im Alter am Leben teilhaben

Gemeinden brauchen seniorengerechte Wohnmodelle. Die meisten Menschen wollen in der vertrauten Umgebung bleiben.
Von Josef Popp

  • Bauen sollte man – wenn möglich schon in jungen Jahren – altersgerecht: Schmidmühlen erlebt wie kaum eine zweite Gemeinde im Vilstal einen Bauboom. Die Sicherstellung der Mobilität im Alter wird in Zukunft eine große Herausforderung sein. Foto: Josef Popp
  • Albrecht G. Walther, Diplom-Ingenieur Architekt aus Bad Neustadt, sprach über das Wohnen im Alter. Foto: Josef Popp

Schmidmühlen.Einen Blick in die nicht allzu ferne Zukunft wagte das Bildungswerk Kommunalpolitik Bayern e. V. bei einem Vortrag mit dem Thema „Zukunft – Wohnen im Alter“ in der Lauterachtalgemeinde. Der Blick in die neuesten Statistiken zeigt, dass in etwa zwölf Jahren rund ein Viertel aller Bürgerinnen und Bürger im Markt Schmidmühlen im Seniorenalter von 65 und mehr Lebensjahren sein werde. Das Zusammenleben, aber auch das Leben im Ort, wird sich ändern, auch wenn Alter nicht gleich Krankheit bedeutet, wie Referent Albrecht G. Walther hervorhob.

Voraussichtlich in zwölf Jahren wird auch in Schmidmühlen die Generation der Babyboomer in das Seniorenalter kommen und ein guter Teil davon wird nach geeigneten Wohnungen in ihrer vertrauten Umgebung suchen. Daher müssen Wohnungen entstehen, die sowohl altersgerecht als auch bezahlbar sind, wurde bei dem Seminar deutlich. Viele verschiedene Formen des Zusammenlebens stehen dabei zur Auswahl. Welche nun für Schmidmühlen und seine Senioren infrage kommen, muss im Einzelfall entschieden werden – dies war eine zentrale Erkenntnis dieses Seminars.

Viele Siedlungen auf dem Berg

Hier müssen die verschiedensten Modelle geprüft werden, denn viele Wohnhäuser, die in den vergangenen Jahren in der Lauterachtalgemeinde gebaut wurden, liegen nicht im Tal, sondern am Brunnlettberg. Dies macht die Mobilität zu einer großen Herausforderung. Denn die Mobilität im Alter, aber auch die Teilhabe an Familie und am kulturell-gesellschaftlichen Leben steht bei der älter werdenden Generation ganz oben auf der Prioritätenliste. Viele Ideen und Initiativen werden von Politkern, Inklusionsbeauftragten und anderweitig Verantwortlichen notwendig sein, um diese Teilhabe und Mobilität gerade in Schmidmühlen zu realisieren. Herausgehobene Bedeutung haben da in Zukunft seniorengerechte Wohnungen bzw. der Wohnungsbau und die Anbindung an Dienstleistungsbetriebe und Versorgungszentren.

Diplom-Ingenieur Architekt Albrecht G. Walther stellte in seinem Seminarvortag im Schlossstadel verschiedene Konzepte und Anforderungen vor. So müssten die Trends im modernen Wohnungsbau rechtzeitig erkannt und zur Grundlage der Planung gemacht werden. Dies seien vor allem vorgefertigte Modulbauweisen, wachsende und schrumpfende sowie barrierefreie Wohnungen, in denen Kinder, Erwachsene, Behinderte, Senioren und Migranten ohne Einschränkungen leben und wohnen können.

Ein wichtiger Trend sei das gemeinschaftliche Wohnen unterschiedlicher Generationen, bei der jeder Eigentümer oder Mieter seine abgeschlossene, kleine Wohnung mit Küche und Bad hat und gemeinschaftlich genutzte Flächen dem Wohnen, der Begegnung und der Geselligkeit dienen. Bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass derartige Wohnformen nicht nur für junge Leute, sondern auch für Senioren geeignet sein können, machte der Referent deutlich.

Die Bürgerinnen und Bürger bräuchten mit zunehmendem Alter und ihrer persönlichen Befindlichkeit entsprechend eine Reihe von Hilfsangeboten, die ein selbstbestimmtes und sicheres Leben in der eigenen Wohnung ermöglichen würden. Jedoch seien nicht alle Häuser und Wohnungen für die Bedingungen des Alters und der Pflege geeignet und Umbauten oft nicht möglich oder nicht finanzierbar, erklärte Walther weiter. Der Umzug in ein Alters- und Pflegeheim sei schon aus Kostengründen meist nicht die erste Wahl und es gebe durchaus sinnvolle Alternativen.

Mangel bei den Pflegekräften

Ein Manko bei allen Konzepten gerade im Bereich der Pflege sprach dabei die Seniorenbeauftragte des Marktes, Christine Werner, an: den Pflegekräftemangel. „Was helfen die schönsten und bestens ausgestatteten Wohnheime, wenn das entsprechende Personal fehlt, das sich um die Senioren oder pflegebedürftigen Menschen kümmert“, brachte es die Seniorenbeauftragte auf den Punkt. Die Rekrutierung motivierter und gut bezahlter Pflegekräfte wird auch nach Ansicht des Referenten eine der dringendsten Aufgaben für die Politik und die Gesellschaft sein.

Mit zahlreichen praktischen Hinweisen zur Vorsorge, Betreuung und Pflege wurden viele Beispiele ambulant betreuter Wohnformen mit Bildern vorgestellt und erläutert. Es war ein interessanter Vortrag, der umfassend und fachgerecht die Zukunftsaufgabe „Leben und Wohnen im Alter“ aufzeigte und den Besuchern, darunter zahlreichen Markträten, Denkanstöße und Anregungen zum politischen Handeln gab. (ajp)

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