mz_logo

Region Amberg
Sonntag, 22. April 2018 25° 2

Bildung

In den Schulen fehlt es an allem

Großen Handlungsbedarf sehen SPD-Politiker und Vertreter der Lehrkräfte auch an Amberg-Sulzbacher Grund- und Mittelschulen.
Von Rolf-Dieter Reichert

Die Situation an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis Amberg-Sulzbach stand im Fokus der Konferenz. Symbolfoto: Heiko Wolfraum/dpa

Hahnbach.Die Situation an Grund- und Mittelschulen in der Region war das Thema einer SPD-Konferenz in Hahnbach. Als Sachverständige standen sowohl Mandatsträger und Kommunalpolitiker, als auch Vertreter aus dem Schulbereich bereit, zahlreiche Lehrkräfte aus der Region waren gekommen. Worum ging es nun? An erster Stelle standen laut SPD-Kreisvorsitzendem Uwe Bergmann, selbst Lehrer in Freudenberg, nicht die Lehrerinnen und Lehrer, sondern Kinder und Eltern und die Bildungslandschaft in Bayern.

Peter Danninger, Uwe Bergmann, Albert Schindlbeck und Brigitte Bachmann (von links) diskutierten die Schulsituation. Foto: Reichert

Peter Danninger, Rektor der Krötensee-Mittelschule Sulzbach-Rosenberg und Sprecher des Oberpfälzer Schulleiterverbandes, betonte: „Unser Dienstherr sitzt nicht in München in der Regierung, sondern vor uns im Klassenzimmer.“ Seit Jahren nehme der Druck auf die Schulen immer weiter zu. Nicht nur Eltern bräuchten Hilfe bei der Erziehung ihrer Kinder, auch der Staat verlagere erzieherische Anforderungen immer stärker auf die Schulen, ohne dass die notwendige Personaldecke dafür aufgebaut werde.

Dies bestätigt auch Albert Schindlbeck, stellvertretender Bezirksvorsitzender des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) und Bezirkspersonalratsvorsitzender, mit Zahlen. Seine Frage war: „Wie können wir die jungen Lehrkräfte in der Region halten?“ Die Auswirkungen dieser „Abwanderungen“ würden sich auch bei den Schulleitungen zeigen. Sein Fazit: Um die Ausfälle an den Schulen ausgleichen zu können, müsse die Personaldecke auf mindestens 110 Prozent erhöht werden. Nur so könne die Ausbildung der Schüler gewährleistet werden. „Kinder und Eltern wollen ganz einfach, dass ein Lehrer da ist und Unterricht gehalten werden kann.“

Belastung für Schulleiter hoch

Fachleute im Gespräch über die Situation an Oberpfälzer Schulen Foto: Reichert

Und er erläuterte auch, bereits junge Lehrer würden dazu überredet, sich als Schulleiter zu bewerben. Jeder, der den Arbeitsaufwand in der Schulleitung kenne, wisse, dass auch ein guter Lehrer dieses Amt vielleicht für 15 bis 20 Jahre ausführen kann. Aber 40 Jahre? In seinen Augen ist die Belastung, auch durch das fehlende Personal im Sekretariat, einfach viel zu hoch, betonte Schindlbeck. Uwe Bergmann ergänzte dazu Zahlen zur Altersstruktur in der Oberpfalz: 22 Prozent der Lehrkräfte seien bis 40 Jahre alt, 40 Prozent bereits 60 Jahre. Dies sei in Oberbayern genau umgekehrt!

Zahlen und Fakten

  • Rückgänge

    Im Jahr 2000 hatte der Bezirk Oberpfalz 84 000 Grund- und Mittelschüler, im Jahr 2018 werden es noch rund 53 000 sein. Das sind rund 31 000 Schüler weniger. Im Jahr 2000 gab es noch 4400 Lehrkräfte, jetzt sind es noch 3600; 800 Planstellen gingen verloren.

  • Abwanderung

    Das Ziel der Abwanderung ist Oberbayern. Vor allem die Regionen München, Ingolstadt und Eichstätt ziehen laut Albert Schindlbeck die Lehrkräfte aus der Region ab. Ausgebildet werden diese Lehrkräfte meist in der Oberpfalz. (arr)

Michaela Bergmann, Leiterin der Grundschule in Schnaittenbach mit rund 200 Schülern, berichtete aus ihrem Schulalttag, sie bekomme von Schulamt immer mehr Aufgaben zugeteilt. Zurzeit sei ihre Bürokraft von 30 auf 40 Prozent aufgestockt worden. Trotzdem sei die anfallende Arbeit nicht zu schaffen.

Wie Kreisrat Richard Gaßner erläuterte, bei der Aufstellung der notwendigen Haushalte für die Schulen habe, entgegen der allgemeinen Praxis, nicht der Kultusminister das Sagen, sondern auf Grund der Mittelzuteilung der Finanzminister. Das sei ein unhaltbarer Zustand. „Früher haben die Eltern und Kommunen direkt Einfluss auf die Landesregierung genommen. Heute wird solche Einflussnahme umgehend an die Schulverbünde delegiert“, so MdL Reinhold Strobl. Die Regierung halte sich da vollkommen raus.

Schulen im Ort nicht gesichert

Gespannte Zuhörerinnen Foto: Reichert

Ein weiteres brisantes Thema ist die Ausdünnung der Schulen in den Kommunen. Neukirchens Bürgermeister Winfried Franz machte deutlich, die Grundschule müsse im Dorf bleiben. Dazu gehöre auch, dass die Gebäude ertüchtigt werden. Und zwar nicht nur durch die Gemeinden, auch die Verbünde müssten verstärkt tätig werden.

Nach seiner Erfahrung treten 30,6 Prozent der Grundschüler zur Realschule über, 35 Prozent zum Gymnasium. Es sei abzusehen, dass bei ihm bei 27 Kindern die Schule geschlossen und an die Krötensee-Schule „angedockt“ werde. Franz gab aber ebenso zu bedenken, dass die Wirtschaft vermehrt Mittelschüler suche und Übertritte zum Beispiel vom Gymnasium zurück zur Mittelschule steigen würden.

Brigitte Bachmann, Bürgermeisterin der Gemeinde Birgland und stellvertretende Landrätin, meinte dazu, die Hauptschule hat zwar einen anderen Namen (Mittelschule) bekommen, aber sonst habe sich nichts geändert. Das Kultusministerium in München stelle sich nicht hinter die Kinder, sondern schaue nur auf die Zahlen. Das Überleben der Grundschulen in den Gemeinden sei nicht gesichert. Als Fazit blieb ein ungutes Gefühl. Es fehlt an allem: Nicht nur Lehrer und Bürokräfte seien Mangelware, auch die Ausstattung der Schulen sei „unter aller Würde“, wie es hieß. Das betreffe auch die Digitalisierung, die seit Jahren gang und gäbe sei – nur in Bayern nicht.

Mehr aus der Region Amberg-Sulzbach/Amberg finden Sie hier!

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht